1 Geschrieben Donnerstag, Dezember 27, 2007 @ 20:42:28
Hallo Wolfgang,
Am Tue, 27 Jun 2006 16:23:01 +0200 schrieb Wolfgang Tremel:
> Hallo Cemil! :-)
>
> Am Fri, 23 Jun 2006 19:29:06 +0200, Cemil Kaya schrieb:
>
> [...]
>>>> Die Vertrauenswürdigkeit eines Hl. Buches ergibt sich aus verschiedenen
>>>> Aspekten, wie Du weißt: Es enthält
>>>>
>>>> - eingetroffene Verheißungen,
>>>
>>> Welche sind davon im Qur'an zu finden?
>>
>> Es ist, glaube ich. besser, wenn ich einige Links zum Thema gebe, als daß
>> ich das Thema hier ausführlich darlege:
>
> [...]
>> http://www.islam-guide.com/de/contents-wide.htm
>
> Ich habe mir die Aufsätze angesehen und möchte nun die Aussagen dieses Links
> verwenden, um die Frage zu klären, ob die Bibel auf den Propheten Muhammed
> hinweist oder nicht.
>
> Der Autor zitiert zunächst folgenden Vers:
>| ?Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern
>| und Meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was
>| ich ihm gebieten werde. Doch wer Meine Worte nicht hören wird, die er in
>| Meinem Namen redet, von dem will ich´s fordern? (5.Mo 18:18-19).
>
> Er folgert daraus:
>| Aus diesen Versen können wir folgern, dass der Prophet aus dieser
>| Vorankündigung folgende drei Charakteristika erfüllen muss:
>| 1) Dass er wie Moses sein muss.
>| 2) Dass er von den Brüdern der Israeliten kommen muss, d.h. von den
>| Ismaeliten.
>| 3) Dass Gott ihm seine Worte eingeben wird und dass er erklären wird, was
>| Gott ihm befiehlt.
Lieber Wolfgang, Du bist nicht der erste Jehovas Zeuge und überhaupt auch
nicht der erste Christ, mit dem ich darüber diskutiere. Das Thema ist sehr
alt und es gab schon immer hierin Kollisionen zwischen Juden und Christen
sowie zwischen diesen und den Muslimen. Jeder glaubt, daß er recht hat. Ist
es wirklich so schwer, die zuweilen detaillierten Beschreibungen richtig zu
deuten?
Nun konkret zum Thema:
Ich leite aus der obigen biblischen Passage mehr Erkennungsmermale als die
genannte Seite:
- Ein Prophet wie Moses;
- Aus den Brüdern Israels;
- wörtliche Offenbarungswiedergabe von seiten dieses Propheten;
- er wird ihnen alles sagen;
- Gott wird ihm gebieten, ergo ist Gott sein Gebieter, jener sein Diener;
- er wird im Namen Gottes reden, verkünden;
- damit zusammenhängend wird es zwischen den Widersinnigen, -spensdigen und
diesen Propheten Kämpfe geben. Dieses Merkmal ist besonders aus dem
Verweiszitat aus Apg. 3,23 klar zu entnehmen:
"Mose hat gesagt: '... [hier die obigen Mermale, dann der letzte Satz:]
wer diesen Propheten nicht hören wird, der soll vertilgt werden aus dem
Volk'". (Luther)
"... Jeder, der auf jenen Propheten nicht hört, wird aus dem Volke
ausgemerzt werden." (Einheitsübersetzung).
Und Deine Bibel ("Neue-Welt-Übersetzung" sagt:
"Wahrlich, jede Seele, die auf jenen Propheten nicht hört, wird aus der
Mitte des Volkes ausgerottet werden."
Wohlgemerkt: es ist kein selektiv ausgesuchter Satz aus dem NT (wie Du
unten aus Mt. 5,47), sondern dort wird die Stelle 5. Mo. 18 ff. _zitiert_!
Daß der Apg-Autor etwas von dem heute zur Verfügung stehenden AT
abweichende Quelle gehabt haben muß, ist eine zusätzliche Feststellung.
Aber hier geht es ja um diese Aussage, die allein in der Lage ist, Jesus
davon auszuschließen und Muhammed darin einzuschließen.
Nun zu Deinen Kommentaren:
> Zu Punkt 1: Jesus glich in vielen Belangen dem Moses
> Moses vollbrachte Wunder - Jesus auch
> Moses war ein Mittler eines Bundes - Jesus auch
> Moses war ein Gesetzgeber, Prophet, ein Lehrer und Richter - Jesus auch
> ------
Abgesehen vom "Gesetzgeber", sind die obigen Vergleiche Deinerseits nicht
falsch, so wie man sie bei jedem Propheten vorfinden kann. Aber
Gesetzgeber? Jesus war kein Gesetzesbringer, sondern unterlag ebenfalls dem
Gesetz Mose' worauf er x-mal hinwies. Und ich wundere mich nicht wenig, wie
man in der Behauptung so weit gehen kann, daß Jesus wie Moses ein
Gesetzgeber gewesen sei.
Das stärkste Argument im vergleich zwischen Moses und Muhammed ist gerade
die Tatsache, daß Moses der erste und Muhammed der zweite und letzte
Gesetzsesbringer der drei monotheitischen Religionen war. Das kann ihm,
Muhammed, niemand wegnehmen. Behaupten kannst Du natürlich alles, was
tatsächlich nicht stimmt.
Unabhängige Feststelungen von seiten christlicher Autoren:
"Eher als mit Jesus ist Mohammed mit Moses zu vergleichen. Er ist wie
dieser Volksführer, Prophet und Offenbarungsüberbringer."
(Hans Joachim Schops: "Religionen - Wesen und Geschichte", S. 273)
"Mose war sein [Muhammeds] großer Vorgänger, und zwar in seinen drei
Hauptrollen als Prophet, als Volksführer und als Verkünder eines göttlichen
Gesetzes."
(Adel Th. Khoury: Begegnung mit dem Islam", S. 40).
"Innerhalb prophetischer Überlieferungen hat das Zusammentreffen am Berg
Hira offenischtliche Parallelen mit dem Erlebnis von Moses auf dem berg
Sinai, als er die Thora von Gott der Hebräer erhielt."
(Malise Ruthven: Seid Wächter der Erde. Die Gedankenwelt des Islam", S. 54)
Es würde hier zu weit führen, 2 Dutzend andere Ähnlichkeiten zwischen Moses
und Muhammed aufzulisten.
> Zu Punkt 2: Von den Brüdern der Israeliten
>| Volkes. Der Prophet von dem wir sprachen, sollte nicht von den Juden
>| selbst kommen, sondern von ihren Brüdern, also von den Ismaeliten.
>| Muhammad , ist ein Nachkomme Ismaels, er ist wahrhaftig dieser Prophet.
>
> Die Argumentation bezieht den Kontext überhaupt nicht mit ein. Im Vers 15
> sagt Moses zum Volk Israel (nicht zu den Nachkommen Ismaels):
> (* Einfügungen von mir)
1) Die Verheißung betrifft die Zukunft, wie Du sicher auch bestätigen
kannst. Folglich können die künftigen Nachkommen der Juden niemals mit
"Brüder" der damaligen Juden/Israeliten bezeichnet werden. Das ist einer
von den starken Argumenten. Die Nachkommen der Juden werden stets mit Söhne
und Töchter bezeichnet, zumal ja traditionell der Messias ein "Sohn Davids"
sein sollte, kein "Bruder Davids". Und die Vorfahren werden Väter (und
Mütter) genannt, nicht "Brüder" (Muhammed nennt aber Jesus "mein Bruder" in
Kontext der Volksbrüderschaft).
2) Das nächste starke Argument geht aus der Formulierung "Aus der Mitte
ihrer Brüder" hervor. "Richtig" wäre einfach: "aus ihrer Mitte", so wie
dies im Qur'an in Bezug auf Muhammed als "aus ihrer Mitte" beschrieben
wird. Es handelt sich um ein Bittgebet des Abrahams und Ismaels, als jener
bei diesem zu Besuch war:
"Herr, laß einen Gesandten aus ihrer Mitte [aus den Ismaliten/Arabern]
kommen, der ihnen deinen Willen verkündet und sie die Schrift und das
Bekenntnis lehrt." (2:130).
Hier weist der Satz "aus _ihrer_ Mitte" auf die Ismaeliten hin, wobei in
der Bibel dies mit den Worten "aus der
_Mitte_ihrer_(=Israeliten)_Brüder_(=Ismaeliten) harmonisch unterstützt
wird.
3) Man muß hierbei ein wenig Dedektivarbeit leisten und versuchsweise aus
"ihrer", dem Sinn treu bleibend, "Israeliten" (Juden) machen:
"Einen Propheten ... erwecken, aus der Mitte der Brüder des Israels". Und
da dies die Zukunft betrifft (siehe oben) verletzt das die Brüderschaft
zwischen Israel und Ismael nie, egal wieviel Zeit und Generationen
vergehen. Es wird spätestens dann, wenn man "ihrer" durch "Israel" (womit
ja offensischtlich die Juden insgesamt gemeint sind) ersetzt hat, klar und
deutlich, daß es hier nicht um Israel gehen _kann_. Hingegen waren die
Ismaeliten sowohl in der Offenbarungszeit obiger Verheißungen als auch
später und bis heute stets Brüder des Israels.
Wenn es nicht um so eine große Sache ginge, und ich einfach so die Christen
fragen würde, ob Ismael und Isaak, dann deren Kinder zueinander als
Brüder(-Volk) stünden, wäre dies ohne weiteres bejaht. Da es aber um etwas
größeres geht, wird dies soweit wie Möglich aus dem Zusammenhang gerissen
und weit nach hinten geworfen.
In Kontext also mit der Tatsache, daß die Moseähnlichkeit nicht bei Jesus,
sondern bei Muhammed liegt, dann dies noch damit ergänzt wird, der
Verheißene würde aus dem Brudervolk der Israeliten kommen, so verstärkt
sich die erste Schlußfolgerung um einen Faktor mehr, aber das ist nicht
alles.
> Moses spricht zum Volk Israel: "Einen Propheten wie mich wird dir der HERR
> (JHWH = nicht Allah*), dein Gott, _aus_deiner_Mitte_ (den Israeliten*),
> aus_deinen_Brüdern_, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören." Damit ist in
> diesem Vers eindeutig festgelegt, dass der Prophet aus der Mitte Israels
> kommen sollte. Wenn ich nun etwas großzügig bin, dann könnte der Vers 18 auf
> einen weiteren Propheten aus _ihren_Brüdern_ hinweisen, der gleich wie Moses
> sein sollte.
Es ist eine unbewußte oder nicht eingestandene Schwäche der Christen bei
meinen Diskussionen, daß der direkten, wörtlichen Offenbarung in 18,19
durch Mose' (eventuelle) Aussage in Vers 15 vorgezogen wird, zumal dort
sehr wohl eine Ergänzung vorhanden sein kann, daß es eben _zwei_ Propheten
kommen würden, wovon einer von den Brüdern des Israels und der andere aus
ihrer Mitte käme, nämlich Jesus. Bringe dies nun in Kontext mit Johannes 1,
19 ff., wo die Leviten dem Täufer die Frage stellen, ob er der "Elija", der
"Messias" oder "_der_ Prophet" [al-Nabi] sei. Es wurden also zu der Zeit
drei Propheten erwartet: Elijas zweites Kommen, das Kommen des Messias und
_des_ Propheten, der so bekannt war, daß man ihn nur "_der_ Prophet" (al
Nabi) zu nennen bräuchte und wußte, wer damit gemeint war. In den
Bibelkommentaren ist bezüglich dieser dritten Person zu lesen:
"'der Prophet': im Anschluß an Dtn. 18, 15.18 erwartete man für die Endzeit
das Auftreten eines dem Mose ähnlichen Propheten."
Nicht umnsonst wird Muhammed im Islam "der Endzeit-Prophet" genannt. Er
zeigte einmal seinen Zeige- und Mittelfinger und sagte: "Ich und die
Endzeit sind so", das heißt so nah beieinander, wobei Muhammed symbolisch
der Zeigefinger und die Endzeit der Mittelfinger ist.
Nun kann man dem entgegnen, warum dann die Endzeit noch nicht da sei, weil
es ja schon über 1400 Jahre vergangen sind. Die Antwort darauf ist denkbar
einfach: Die Weisheit als Antwort liegt in der Distanz der _vergangenen_
Zeit bis zum Muhammed, die vel länger ist, als manche Christen glauben.
Schließlich sagte Muhammed, daß es vor unserem Adam mehrere Adams gegeben
habe, also mehrere Menschheitszivilisationen. Man denke an Atlantis, Mu
usw...
(Anm: Mit den Fingern ist die Länge und deren Distanz gemeint, nicht die
Nähe ["Finger-an-Finger"] zueinander)
Die Juden warten bis heute auf den u.a. in 5.Mo. 19, 15.18.19 verheißenen
Propheten. Warum haben sie Muhammed nicht als den Verheißenen anerkannt?
Nun haben ja manche jüdische Gelehrten ihn anerkannt, aber eben nur manche,
nicht alle. Die Mehrheit der Juden wollte einem Nichtjuden nicht glauben
und ihn anerkennen. Und der wahre Grund, warum sie an Jesus nicht geglaubt
haben, war, daß dieser zwei Dinge hervorgehoben hatte: a) die Manipulation
ihrer Schriften und b) das Verkünden eines nichtjüdischen bzw. arabischen
Propheten, welcher auch in ihren Büchern vorausgesagt worden war.
Das einfache (jüdische) Volk jedoch glaubte am Anfang an Jesus, weil es
keine Hintergedanken hatte. Besonders während und nach Konstantin dem
Großen gab es kein wahres, ursprüngliches Christentum mehr.
Ah ja, Dein Bestehen auf Gottesnamen ist verständlich. Es sind fast nur
Jehovas Zeugen, die darauf bestehen, obwohl niemand weiß, wie - und ob -
die vier Konsonanten wirklich ausgesprochen wurden. Die arabischen Juden
und Christen sagen zu Gott "Allah" und nicht "Jehova" oder ähnliches (es
sei denn christliche Jehovas Zeugen).
> ...Brüder (dem Volk am Fuße des Horebs*) erstehen lassen..." (Vers 18).
>
> Aus der "Mitte ihrer Brüder" sollte in ferner Zukunft ein Prophet erstehen
> (aufstehen). Die "aus der Mitte seiner Brüder" sind dann immer noch die
> später lebenden Brüder aus ihrem eigenen Volk (vgl. Mat 5:47).
An der Stelle (Mt. 5,47) ist zu lesen:
"Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes?"
Und das soll ich mit der obigen Verheißung vergleichen? Du willst mir damit
etwas beweisen, was kein Beweis darstellt, denn selbstverständlich sind die
Juden untereinander (Glaubens-)Brüder, selbstverständlich sind das ebenso
Christen und Muslime, aber achte doch mal bitte darauf, daß es um die
lebendige Begegnung mit dem Nächsten betrifft und nicht die Vorfahren oder
Nachfahren, die nicht als Brüder gelten, sondern als "Väter" oder "Söhne".
Du sagst ja selber: "...[es] sollte in _ferner_Zukunft_ ein Prophet
erstehen (aufstehen)."
>| Auch Jesajah (42:1-13) spricht von Gottes Diener, seinem ?Auserwählten?
>| und ?Gesandten?, der ein Gesetz bringen wird. ?Er selbst wird nicht
>| verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden Recht aufrichtete; und
>| die Inseln warten auf seine Weisung.? (Jesaja 42:4). Vers 11 verbindet
>| den erwarteten Gesandten mit den Nachkommen Kedars. Wer ist Kedar? Gemäß
>| dem 1. Buch Moses 25:13 war Kedar der zweite Sohn Ismaels, der Vorfahre
>| des Propheten Muhammads .
>
> Ausgerechnet der Gott der Juden mit dem Namen JHWH soll jener sein, der den
> Propheten Muhammed beruft: "Ich bin Jahwe, das ist mein Name. Und meine Ehre
> gebe ich keinem anderen noch meinen Ruhm den Götterbildern. Das Frühere,
> siehe, es ist eingetroffen, und Neues verkündige ich. Bevor es aufsprosst,
> lasse ich es euch hören." (Jes 42:8).
Das ist kein Argument in meinen Augen. Du behandelst Gott (wie übrigens
viele Juden und Christen) als wäre Er ein Stammesgott, Der auch dort bleibt
und bleiben will. Mein Gott, der Gott im Islam, ist universell, hat jedem
Volk einen religiösen Weg gezeigt, jedem Volk Warner, Wegweiser gegeben; es
gibt kein Volk ohne Religion und religiöse Vorstellungen. Daß der Islam
sich als die letzte Offenbarung deklariert, ist logisch, einhergehend mit
den Voraussagen und mit der Entwicklung der Menschen, zumal Jesus ja ein
zweites Mal kommen und die Urreligion, die sich im Islam äußert, im Juden-
und Christentum wiederherstellen wird. Doch dies wird nicht so wunderlich
sein, wie Jehovas Zeugen es sich vorstellen. Das übertrifft jeden
sicence-fiction-Film. Nicht, daß ich behaupte, es würde sich gar kein
Wunder abspielen, aber die Wunder werden, denke ich, im Rahmen dessen
bleiben, was den freien Willen nicht sehr strapaziert und blockiert.
Damit das Posting nicht zu lang wird, mache ich hier Schluß.
Gruß
Cemil
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'Was du suchst, ist das, was sucht'
*******Franz von Assisi*******