2 Geschrieben Samstag, April 5, 2008 @ 13:52:10
Hallo Pit,
bin jetzt seit 8 Jahren als Jugendtrainer tätig, trainiere derzeit die C-Jugend unseres Vereins und kann deine Problem gut nachvollziehen. Ein Patentrezept kann ich sicher auch nicht pauschal liefern. Dennoch ein paar Ansatzpunkte, wo du davon vielleicht ein paar Dinge übernehmen kannst:
- Klare Vorbildwirkung deinerseits!
- Teamregeln, die am Besten im gesamten Verein gelten sollten und ein klares Alkohol- und Rauchverbot (zumindest im Jugendbereich) auf dem gesamten Sportgelände und während aller Mannschaftsaktivitäten beinhalten.
- Manchmal muss man sich von ein paar Spielern trennen um die Anderen "nicht weiter zu versauen". Das klingt hart und ist für den Vorstand aus der Ferne nicht immer leicht zu verstehen. Aber du bist für die Entwicklung des Teams in der Verantwortung und hast die Verantwortung für das gesamte Team. Wenn da ein paar ausbrechen, mußt du dich auf das Wohl der Mehrheit konzentrieren. Das erwarten die und deren Eltern von dir! Meine Erfahrung zeigt, tolerierst du eine "Partyfraktion" verlierst du Stück für Stück die ruhigen guten, treuen und zuverlässigen Spieler, die einfach nur Fußball spielen und lernen wollen. Im Gegenzug kommen Stück für Stück neue Spieler zu euch, die sich zu der "Partyfraktion" hingezogen fühlen. Genau die, die wegen ihres Verhaltens woanders rausfliegen, kommen dann zu dir, weil es ja bei euch so cool ist und soviel toleriert wird. Der sportliche Erfolg bleibt dann irgendwann auf der Strecke und du als Trainer auch! Meine Vorgehensweise wäre klar. Trennung von den größten Partygängern und Problemkindern um ein Zeichen zu setzen. Möglicherweise rucken dann andere Mitläufer aus der "Partyszene" wieder an und halten sich an Regeln. Auf jeden Fall kehrt Ruhe ein und es kommen dann plötzlich auch wieder Neue zu euch zum Training, die vorher nie zu dieser Mannschaft gekommen wären, weil ihnen das bisherige Umfeld mit seinem Alkoholproblem missfallen hätte.
- Denke immer daran, du bist als Trainer für den sportlichen bereich verantwortlich. Du kannst zwar den sozialen Bereich mit steuern, aber du bist KEIN Sozialarbeiter. Den könnte dein Vorstand nämlich auch garnicht bezahlen. Du machst das in deiner Freizeit und willst dabei mindestens genauso viel Spaß haben, wie die Jungs. Meine Ansage ist immer:"Ich arbeite gern als Trainer für euch, solange ich Freude daran habe! Sobald mir jemand diese nimmt, muss ich aufhören oder mich von diesem Spieler trennen." Da das Team Variante 1 nicht will und nicht verdient hat, wird der Druck auf den Spieler ziemlich groß. Entweder er ruckt jetzt an, oder es wird deutlich, das die Trennung der einzige und richtige Weg ist.
Manchmal ist es besser, das sportliche Teamziel nach unten zu korregieren und eine funktionierende Mannschaft zu haben, als wegen eines fiktiven kurzfristigen sportlichen Erfolgs eine Mannschaft aus dem Ruder laufen zu lassen. Sportlich ist ein neuer Anlauf immer möglich, eine kaputte Mannschaft wieder neu aufzubauen hingegen ist sehr viel schwieriger.
Erinnere deine Jungs auch immer wieder an ihre Vorbildwirkung für die jüngeren Spieler im Verein. Und mache ihnen deutlich, das dein persönlicher Ruf als Trainer ernsthaft beschädigt wird, wenn die Außendarstellung im argen liegt. Schließlich wird man dir immer sagen: "Ich habe deine Jungs da saufen gesehen!" Dessen sollen sie sich verdammt nochmal bewußt sein. Ich würde mir meinen Ruf von denen nicht kaputt machen lassen.
Mit sportlichen Grüßen
Mirko Schubert
SV Blau-Gelb Berlin
Jugendtrainer
FÜL-C-Lizenz des DFB
--------------------
SV BLAU - GELB BERLIN
-Fußball in Weißensee-
Ausgezeichnet mit dem "Sepp Herberger Preis" des DFB für bemerkenswerte Jugendarbeit
***
"Ich glaube nicht, dass wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre."
(Uli Hoeneß nach einer 0:1 Niederlage des FC Bayern München im O-Ton)