1 Geschrieben Sonntag, Juli 30, 2006 @ 19:49:07
FEUSISBERG. Aimen Demai hat ein etwas seltsames Gespür für Zeit. Der Neuzugang des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern fühlt im Trainingslager in der Schweiz, wie die Truppe von „Tag zu Tag besser zusammenwächst". Nun schon fast so gut, als würden sie sich alle bereits „lange, lange kennen". Und dabei ist er doch selbst erst seit vier Wochen im Team, so wie ein Großteil der Mannschaft.
Den Franzosen darauf hinzuweisen ist schier aussichtslos. Demai (23) schüttelt lächelnd den Kopf und sagt, dass er spüre, wie die neuen und alten Spieler eine Einheit werden. Allerdings: „Ein bisschen Zeit brauchen wir noch, bis alles stimmt, aber wir sind auf dem richtigen Weg." Der Defensivspieler geht mit gutem Beispiel voran. Auf dem Übungsplatz gestern übernahm er die Vorbildrolle, lobte und kritisierte die Kollegen im Spiel fünf gegen fünf, zeigte einen fleißigen, ehrgeizigen Auftritt. Mit seinen Sprachkenntnissen integriert er zudem die anderen, beispielsweise den bisher nur Französisch sprechenden Stürmer Noureddine Daham. Zurück in der Pfalz sollen dann alle nicht Deutsch sprechenden Neuzugänge einen Lehrer zur Seite gestellt bekommen, kündigte Trainer Wolfgang Wolf an.
Bis dahin funktioniere es so. Die Zimmerbelegung ist auf die Sprachkenntnisse abgestimmt. Apropos Abstimmung: Das ist es, woran auch auf dem Platz in den nächsten Tagen gearbeitet werden soll. Heute soll zudem die Schnelligkeit trainieren werden. Da dürften die Spieler mächtig ins Schwitzen kommen, denn der Trainingsplatz liegt zwar idyllisch, umringt von Bergen und dem Gebimmel der Glocken, die Kühe um den Hals tragen - aber in der brennenden Sonne. Gejammert wird jedoch nicht.
Wolf selbst sah man gestern während der eineinhalbstündigen Einheit zwischenzeitlich sich auf dem einen kleinen schattigen Plätzchen „verstecken". Von da aus gab er - mal flapsige, mal ernsthafte - Anweisungen beispielsweise wenn einige die Abwehrarbeit vernachlässigten. „Da müsst ihr dran gehen, nicht stehen bleiben", forderte er. Nur nicht zu hart, ermahnte er gleichzeitig. Denn eines kann der FCK-Trainer überhaupt nicht gebrauchen: Verletzungen aus dem Training. Deshalb hat er auch angedroht: Wer sich verletzt, soll den Weg vom Rasenplatz zum Hotel zu Fuß laufen, plauderte Nachwuchshoffnung Andreas Gaebler aus. Wolf legte vor: Nach Trainingsschluss joggte er mit Torwarttrainer Gerald Ehrmann die drei Kilometer (bergauf) zum Mittagessen. Ankunft am Hotel: nur kurz nach dem Bus. Assistent Wolfgang Funkel müsse übrigens ab heute auch mitlaufen, kündigte Wolf scherzhaft an. Des Zusammenhalts im Trainerteam wegen ...
Gestern Nachmittag bekamen die Spieler frei, ein Teil blieb im Hotel, einige fuhren nach Zürich, bisschen durch die Stadt schlendern, Kaffee trinken. Das schweißt sicher auch zusammen - so als wäre man schon ewig gemeinsam hier.
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