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    |- Chronische Schmerzen > Post-Vasektomie Schmerzsyndrom > Vasektomie - Sterilisation - lasst es sein !!!
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offline Uwe
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1 Geschrieben Freitag, Februar 23, 2018 @ 20:12:41  

Ich möchte hier einen Beitrag von "Jumper" aus unserem alten Forum veröffentlichen. Aus diesem Beitrag geht sehr gut hervor, in welche verfahrene Situation man kommt, wenn man nach einer Vasektomie vom Post-Vasektomie Schmerzsyndrom betroffen ist. "Jumper" hat Glück gehabt, letztendlich ging sein Fall dann doch noch gut aus. Ich kenne aber auch einige Fälle, wo dem nicht so ist und die Betroffenen durch das Post-Vasektomie Schmerzsyndrom dauerhaft völlig aus ihrem Leben katapultiert wurden.

Vasektomie - Sterilisation - lasst es sein !!!

Der sinnlose Irrsinn in der zivilisierten Welt

Ein
etwas ausführlich, aber gehaltvoll und manchmal sarkastisch
geschriebener Erfahrungsbericht über meine Vasektomie und deren
Folgen

Meine ganze irrsinnige Geschichte, die ich hier beschreiben werde, hat mich und auch meine Frau so sehr belastet und mitgenommen, dass ich erst 9 Monate danach im Stande bin, mit klaren Gedanken alles aufzuschreiben.

Kurz vorab: Meine Frau und ich haben drei tolle, gesunde Kinder bekommen. Danach vertrug sie die Pille nicht mehr. Deshalb benutzte ich jahrelang Kondome. Naja, toll fand ich die Dinger nie. Da wir aber oft Sex hatten und ich den auch wieder natürlich geniessen wollte, entschied ich mich zur Vasektomie, da die beim Mann ja so ein harmloser, ja fast lächerlicher Eingriff sein soll. So wird es überall dargestellt. Meine Frau war eigentlich dagegen, stimmte aber letztlich der OP zu, weil es mir so wichtig war. Vorher hatte ich mich im Bekanntenkreis umgehört und 7 Leute gefunden, die nach einer Sterilisation von keinerlei Problemen berichten konnten oder wollten ;-) Das ist ja immer noch ein ganz schönes Tabuthema für viele Leute.

Dann kam im Januar 2013 das Aufklärungsgespräch beim Urologen. Ich hatte natürlich einige Fragen, die allesamt mit einem Lächeln verneint wurden.

Hier ein Auszug der Fragen:

  • Leidet die Libido unter dem Eingriff?
  • Wird die Testosteronbildung gestört?
  • Kann es durch die Vasektomie verursacht, zu einer Gewichtszunahme kommen?
  • Kann es zu körperlichen Veränderungen kommen?
  • Kann die Gliedsteife beeinträchtigt werden?

Alles Fragen eines unwissenden Patienten, der sich vertrauensvoll einem Arzt im heutigen Zeitalter der Medizin anvertraut.

Im kurz gefassten Aufklärungsbogen ging es nur um reine OP-Problematiken, wie die Bildung von Blutergüssen, Narbenproblematik, Granulombildung und eventuellen Psychischen Problemen, weil „Mann“ sich ja nun nicht mehr als „Mann“ fühlen könnte > wegen der Zeugungsunfähigkeit. Probleme würde es nur selten geben, bei ca. 5% der Männer.

Die abschließende, klare Aussage des Arztes war: „Bei der Vasektomie werden nur die Samenleiter durchtrennt, damit keine Spermien mehr transportiert werden. Die einfachste und sicherste Methode überhaupt. Alles andere ist dann nur psychisch bedingt, aber Sie scheinen psychisch ja ein starker Charakter zu sein.“

Für diese Aussage des Arztes würde ich ihm heute gerne ins Gesicht springen :-(( weil die Weisskittelärzte alle keine Ahnung haben!!! Es geht nur ums schnelle Geld verdienen.

Von Post-Vasektomie-Schmerzen hatte der Arzt nie gesprochen und im Aufklärungsbogen stand auch nichts :-(

Ende Januar kam dann die ambulante OP. Ich entschied mich für eine Teilnarkose im OP-Bereich, da ich mitbekommen wollte, was geschieht. Trotz der Narkosewirkung schmerzte es mehrmals sehr heftig. Der Arzt entschuldigte sich, spritzte noch mal etwas nach und zeigte mir die beiden 1 cm langen Samenleiterstücke, die er heraus geschnitten hatte.

Nach der OP ging es mir so gut, dass ich auf eigenen Wunsch sofort nach Hause ging. Da alles gut und schnell verheilte, hatten wir nach einigen Tagen wieder Sex. Zu diesem Zeitpunkt war der Sex wie vor der OP. Völlig unverändert!

Kurz danach fingen meine Hoden jedoch an, wie Feuer zu brennen. Nach einem Orgasmus am Morgen des 7. Tages wurden die Hodenschmerzen extrem stark und ich bekam kurz darauf stechende Schmerzen in beiden Fußsohlen, die beim Laufen sehr unangenehm waren. Erst am Abend ließ die hohe Schmerzintensität in den Hoden nach und das stechende Gefühl in den Fußsohlen verschwand. Die Schmerzen in den Hoden sind aber geblieben. Sie waren 24 Stunden lang zu spüren. Auch der Samenerguß war plötzlich anders...wässrig und nicht mehr so „explosionsartig“ und „gefühlvoll“ wie vorher...irgendwie langweilig. Es schoß nicht mehr heraus, sondern tröpfelte nur noch.

Ich berichtete damals hier im Forum unter „Brennende Hoden nach Vasektomie“

Der Arzt winkte ab: „Nervenreizung, Überforderung. Mal die nächsten Wochen keinen Sex und keinen Sport treiben, dann beruhigt sich alles wieder.“ > Krankschreibung.

Wie, keinen Sex und keinen Sport mehr? Ich hatte fast jeden Tag Sex und bin ein Ausdauersportler, der regelmäßig joggt und Rad fährt. Ohne geht ja gar nicht. Und nun? Naja, dachte ich, das wird wieder...durchhalten, ist ja eh Winter.

Aus den paar Wochen wurden Monate. Monate auch mit Krankschreibung...ich war insgesamt ein viertel Jahr Krank geschrieben!!!!

Trotz der Einnahme von unterschiedlichsten starken Schmerzmitteln blieben die Schmerzen Tag und Nacht. Nebenbei betrieb ich eine 24 Stunden!!! Dauerkühlung der Hoden. Durch die ständige Kühlung wurde der ganze Hodensack taub, sodass ich irgendwann Kühlpausen einlegen mußte. Die Schmerzen in den Eiern waren so heftig, dass ich Nachts nicht schlafen konnte und nicht mehr wußte, wie ich liegen sollte. Wegen der möglichen, heftigen Nebenwirkungen setzte ich die Schmerzmittel ab, sie bewirkten ja eh nichts. Bock auf Sex hatte ich nun natürlich auch keinen Mehr. Na super toll!!!

In dieser Zeit der Verzweifelung suchte ich im Internet nach Anworten und staunte nicht schlecht. Die Dunkelziffer der Männer mit Problemen wurde viel höher angegeben, als die genannten 5%. Ich laß von noch schlimmeren Problemen nach der Vasektomie und bekam es nun echt mit der Angst zu tun > Was, wenn das jetzt so bleibt? Was, wenn es noch schlimmer wird? Und ich stieß auf dieses Forum hier. Als ich einige Berichte von einigen Männern laß, die es so richtig schlimm getroffen hatte, wurde mir so richtig schlecht.

Einige schrieben, dass sie seit Jahren mit Schmerzen herum liefen, mehrere Nach-OP´s hatten, starke Morphinhaltige Medikamente nahmen und Arbeitsunfähig wurden. Einige ließen sich sogar die Nebenhoden abschälen. Und einige schrieben, dass sie von ihren Ärzten verschaukelt und im Stich gelassen wurden. Ich fragte mich: „Ach du meine Güte, was hast du da bloß gemacht? Dein Sexleben war super, jetzt ist alles aus.“

Ich bekam richtig Panik und wenn ich es gekonnt hätte, dann hätte ich mir selbst in den Hintern getreten. Warum verdammt noch mal, habe ich vorher nicht im Internet recherchiert? Bei jeder Neuanschaffung eines Gerätes oder Autos sitze ich am Rechner, vergleiche, studiere, lese Erfahrungsberichte und suche mir immer das Beste heraus. Und wo es um meinen Körper geht, um meine Männlichkeit? Da vertraue ich naiv den kurzen Meinungen von einigen Bekannten und einem jungen Weisskittelarzt, den ich vorher nicht mal kannte, statt selbst zu recherchieren. Mann, wie blöde muß ich denn nur gewesen sein?

Wäre ich vorher auf dieses Forum gestoßen > ich hätte die OP nie durchführen lassen!

Mein Weisskittelarzt riet mir, ruhig zu bleiben. Hä, ruhig bleiben? Sind das seine Eier die brennen oder meine? Es gäbe eine Reihe von Möglichkeiten, die als Ursache für die Schmerzen in Betracht kommen können. Er ratterte so eine Art Checkliste herunter, und nannte Ärzte, welche bei solchen Problemen aufzusuchen seien. Aha, er kannte sich also mit Problemen nach der Vasektomie doch besser aus, als er vorgegeben hatte.

Als erstes ging ich zu einem sehr guten Orthopäden. Der erklärte mir, dass man sich während der OP unter Schmerzen sehr verkrampfen und sich dabei das Becken verrenken kann. Dabei könnten dann Nervenbahnen eingeklemmt werden, die diese Schmerzen verursachen könnten. Er stellte tatsächlich einen Beckenschiefstand fest und renkte mein Becken wieder ein. Er beruhigte mich etwas: „Das braucht jetzt ein paar Tage, dann ist es bestimmt besser.“ Danach sagte er noch: „Gut dass ich Ihre Geschichte jetzt kenne. Ich hatte gerade vor, mich auch sterilisieren zu lassen. Das lasse ich dann lieber.“

Na danke auch...!

Leider brachte das gar nichts. Der nächste Rat vom Weisskittel: Nervenarzt aufsuchen. Also auch dort hin. Ich mußte einige Nervenleitfähigkeitstests über mich ergehen lassen. Alles ohne Erfolg. Nerven alle super. Die Ärztin machte mir dann auch noch Angst, indem sie erklärte, dass ich diese Rechnungen als Privatpatient wohl komplett selbst tragen werden muss. Dies sei so, da das Folgen einer OP seien, die freiwillig durchgeführt wurde und für die es keine Erforderlichkeit gab.

Ach du dickes Ei...das nächste Problem. Was, wenn ich auf den Kosten sitzen bleibe? Ich konnte ja auch keinen dazu befragen.

Und übrigens: Dickes EI...Meine Eier schrumpften. Kein Witz...ich tastete sie jeden Tag vorsichtig ab. Sie wurden immer kleiner. Meine Frau bestätigte mir das...ich bildete es mir nicht ein. Jetzt war die Panik groß...das wird alles nicht mehr und ich muss dafür auch noch viel Geld bezahlen.

Inzwischen hatte ich auch überhaupt keine Lust mehr auf Sex. Ja noch nicht einmal mehr die Gedanken daran, so wie früher. Die tägliche Morgengenlatte blieb komplett aus. Das Thema Sex interessierte mich überhaupt nicht mehr. Nun bekam ich zu allem Überfluß auch noch kalte Hände und kalte Füße. Das mir!!!...mir war, so lange ich denken konnte, immer warm, frieren kannte ich gar nicht. Dazu kamen plötzlich Heiss-Hungeratacken auf Süßigkeiten. Auch das kannte ich gar nicht. Das haben doch sonst nur Frauen, oder?

Ich vertraute meine Probleme einem sehr guten Heilpraktiker an, von dem ich mich schon seit Jahren behandeln lasse.

Er vermutete sofort einen Testosteronmangel und wies dies mit einer Blutuntersuchung auch nach. Der Wert lag ganz unten mit 2.01 ng/ml (Normalwert fängt bei 3,5 an und kann bis 10 hoch sein!)

Ich hatte natürlich keinen Wert von vor der OP, aber ich zählte mal 1 und 1 zusammen. Ich recherchierte im Netz und wurde schnell fündig: Alle Anzeichen eines Testosteronmangels! Der Testosteronwert ist abgesunken. Auch der Weisskittel ließ nun auch noch mal einen Test machen, der ihm das Ganze bestätigte.

Er versuchte zu beruhigen: „Das wird sich wieder normalisieren, der Körper muß sich umstellen“.

Er gab mir Testosterongel, welches ich von aussen, über die Haut zuführen sollte, bis alles wieder im Normalbereich sei. Oh Gott, ich dachte, das wird nie wieder. Den Rest des Lebens schmiere ich jetzt dieses Zeug drauf und hoffe, es wird besser.

Am 06.03.2013 hatte ich die Schnauze voll und bin 10 Km laufen gegangen. Seit dem hatte ich brennende Schmerzen rechts und links vom Hodensack bekommen und die ziehenden Schmerzen in beiden Oberschenkeln waren stärker und sie waren permanent zu spüren. Auch das Druckgefühl in den Fusssohlen war jetzt den ganzen Tag zu spüren. Jetzt ist es richtig schlimm und die Schmerzen waren beim Gehen sehr unangenehm!

Ich kontaktierte viele Betroffene aus dem Forum, welche mir offen und ehrlich antworteten und nir mit Rat beistanden. An dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank an euch. Ein intensiver e-mail-verkehr entstand. Ich schrieb auch mit Betroffenen, die früher oder später durch eine Refertilisierung beschwerdefrei wurden oder bei denen zumindest die Beschwerden zurück gingen.

Dabei wurde für mich sehr schnell klar: Eine Refertilisierung muß schnellstmöglichst gemacht werden. Ich warte keine Jahre auf Besserung und renne mit Schmerzen von Weisskittel zu Weisskittel. Das Problem: Unter 2.500,- macht das kein guter Operateur in Deutschland. Und die Kohle hatte ich nicht :-(

Ich schrieb wieder bekannte Männer aus dem Forum an. Einige berichteten, dass sie von ihren Kassen die Kosten erstattet bekamen, wenn die Diagnose „Post-Vasektomie-Schmerz-Syndrom“ lautet. Also ab zum Weisskittel und Druck gemacht. Auch wenn ich von denen sehr entäuscht wurde, der Weisskittel hat zum Schluss echt alles gemacht, was ich wollte...Krankschreibungen ohne Ende, Bestätigung eines PVSS und eine schriftliche Befürwortung für eine Refertilisierung für die Krankenkasse. Ich glaube, der hatte ein schlechtes Gewissen... Hoffnung!!!

Ich schrieb einen 3-Seiten-Brief, in dem ich meine miese Lage erklärte und bat bei der Krankenkasse und der Beihilfe um Kostenübernahme. Ich heftete viel „Beweismaterial“ aus dem Internet dazu. Da die Beihilfe in ... sehr lahmarschig arbeitet, fuhr ich persönlich dort hin, in der Hoffnung, dass mein Fall schnell bearbeitet wird. Die nüchterne Antowrt eines dort tätigen Menschen mit einer Kaffeekanne in der Hand war: „Geben Sie es mir, ich schmeisse es in den Eingangskorb...es wird dann verteilt.“ Ich versuchte die Dringlichkeit zu erklären...das prallte stumpf an ihm ab. „Wir sind total unterbesetzt, das kennen Sie doch...wie bei Ihnen. Hier wird nichts mehr schnell bearbeitet. Eingangsstempel drauf und abwarten!“

Hilfe...ich will nur noch wegrennen und es soll vorbei sein. Diese Hilflosigkeit ist kaum zu ertragen!!! Niemand will mir helfen

Dann der Rückschlag: Die Krankenkasse (übernahm 30 Prozent) sagte schnell zu, aber die Beihilfe meldete sich gar nicht. Inzwischen hatte ich aber schon Kontakt zu einem Professor aufgenommen, der nur solche Operationen sehr erfolgreich durchführt. Nachdem er meine Geschichte gehört hatte, bot er mir sehr kurzfristig einen OP-Termin an. Der Termin rückte näher, von der Beihilfe keine Antwort. Ans Telefon ging da auch niemand...also eine e-mail an die allgemeine e-mail-adresse geschickt.

Promt kam eine Antwort-e-mail in bürokratendeutsch: Sinngemäß...

„Die Kosten werden nicht übernommen, da Sie diese OP ja aus eigenen Interessen durchführen ließen und es medizinisch nicht notwendig war.“ Dazu noch ein paar bürokratische Paragraphen und das war´s.

Hurra...du wirst im Stich gelassen...ich hatte vor lauter Verzweiflung schon nach Nebenjob´s gesucht, weil ich mir das schon gedacht hatte. Plötzlich kam aber fast zeitgleich ein Anruf von einer Beihilfemitarbeiterin.

Sie erklärte mir telefonisch noch einmal, was sie in ihrer e-mail geschrieben hatte. Ich fragte ernsthaft, warum sie mich eigentlich anruft, da sie mir alles ja schon per e-mail zugesandt hatte. Ich ergriff die Chance, da sie ja nun am Telefon war und fragte sie, ob sie meinen Antrag überhaupt gelesen hatte. Sie erklärte mir in bürokratendeutsch, dass sie aus dem Antrag heraus gelesen hatte, dass ich sterilisiert wurde und es mir nun anders überlegt hatte.

Tief durchatmen war nun angesagt, wenn ich sie überzeugen wollte. Geduldigt erklärte ich ihr, was ich sehr ausführlich in meinem Schreiben zum Ausdruck bringen wollte. Plötzlich Stille am Telefon...ja ich glaube sogar etwas Betroffenheit erkannt zu haben. Mit ganz anderem Tonfall sagte diese nun symphatisch wirkende Beihilfemitarbeiterin:“ Das tut mir ja wirklich sehr leid für Sie. Ich werde mich persönlich um die Sache kümmern. Ich melde mich.“

Alte Scheisse, fiel mir ein Stein vom Herzen...immerhin soll die Beihilfe den Großteil (70% der Kosten) übernehmen.

Sie sicherte mir telefonisch eine Kostenübernahme zu. Jedoch keine Chefarztbehandlung, keine Wahlleistungen, kein Ein-/Zwei-bettzimmer!!!

Wie soll denn das gehen? Der Professor ist der Chefarzt dieser Klinik, es gibt nur Ein-/Zwei-bettzimmer und alles nur auf einer Privatstation.

Ich kontaktiere den Professor, der antwortete sinngemäß: „Schicken Sie mir die schriftliche Kostenübernahme der Beihilfe und der Krankenkasse, dann sehen wir weiter...wir werden Ihnen schon irgendwie helfen.“

Mann war ich froh...endlich einer der mir wirklich helfen möchte, scheinbar unbürokratisch...

Leider kam die schriftliche Kostenübernahme nicht!!!

Erneuter Anruf bei der Beihilfemitarbeiterin am Freitag früh...am Montag sollte der OP-Termin sein. Es ging ein Kollege der Beihilfemitarbeiterin ans Telefon. Er fing auch wieder an: “Meine Kollegin ist Krank geschrieben. Das zahlen wir nicht! Sie sind doch selbst Schuld!!!“ Wieder Überzeugungsarbeit, Nerven lassen, Hinweis auf den ausführlichen Antrag und die mündliche Zusage der Beihilfemitarbeiterin...

Plötzlich Einsicht: „Ja ich habe hier in den Unterlagen meiner Kollegin was gefunden.“

Der Professor schrieb inzwischen schon, dass der Termin nicht statt finden kann, wenn ihm die Kostenübernahme nicht schnellstens schriftlich vorliegen würde, ausser, ich zahle alles selbst. Überforderung!!!!

Ich forderte den Typen von der Beihilfe auf, mir die Kostenübernahame sofort zu zufaxen. Bin extra zu meiner Dienststelle gefahren, da ich selbst gar kein Faxgerät besitze. Fax kam an, wurde sofort an den Professor geschickt...der sagte auf nem Freitag Nachmittag noch zu, dass der Termin Montag früh nun doch steht...ich war erleichtert.

Sonntag Aufnahme auf der Station. Ich bat um ein Schlafmittel, was aber überhaupt nicht wirkte. Um 06:30 Uhr Abhohlung zur OP. Ab in die Schleuse...Mann, hatte ich einen Schiss...aber ich wollte es rückgängig machen!!! Keine Frage.

Narkosemaske auf und weg war ich.

Danach war schlimm...aufwachen, scheisse fühlen, einschlafen, immer im Wechsel, bis zum Nachmittag. Der Professor kam vorbei und erkundigte sich nach meinem Befinden. Er erklärte, dass die OP sehr gut verlaufen sei. Weiterhin erklärte er mir, dass er demnächst auf einem Kongress zum Thema Vasektomie und Post-Vasektomie-Schmerz-Syndrom einen Vortrag halten wird. Auch er beobachtete in seiner langjährigen Praxiserfahrung , dass es viel zu oft zu dem Post-Vasektomie-Schmerz-Syndrom nach einer Sterilisation kommt. Auch würde ihn die Bürokratie ärgern, wenn es hinterher, wie in meinem Fall, um eine Kostenübernahme für eine Refertilisierung geht.

Die OP-Narben verheilten langasam, aber ohne Komplikationen. Leider blieben die Schmerzen in den Oberschenkeln und das stechende Gefühl in der rechten Fußsohle. Scheisse...war jetzt alles umsonst? Wieder zum Heilpraktiker. Der schickte mich zu einem befreundeten Osteophaten...einen sehr guten, wie ich hinterher feststellen konnte. Der „drückte“ an mir herum...massierte bestimmte Punkte am Körper und erklärte, dass mein Körper mit den OP´s völlig überfordert war. Das Lymphsystem sei mit den Abbauprodukten der OP´s völlig überlastet und Eiweisse hätten sich deshalb auch noch im Muskelgewebe abgelagert. Deshalb die Schmerzen. Ich gehe nun schon sei drei Monaten mindestens einmal in der Woche zu ihm. Und es wurde langsam immer besser. Seit einiger Zeit kann ich sogar wieder Sport machen...laufe wieder regelmäßig meine 10 Kilometer. Manchmal habe ich hinterher leichte Beschwerden (wie beschrieben) aber damit kann ich z.Zt. leben. Ich gehe weiter zu dem Typen mit den „magischen Händen“ und lass mich behandeln. Es ist inzwischen so gut
geworden, es kann nur besser werden.

Und jetzt kommt das Allerbeste...: Ich habe nach langer Zeit und der sexuellen Vernachlässigung meiner Frau endlich wieder Spaß am Sex!!!

Es wurde nach und nach immer besser. Von ganz alleine...auch die kalten Hände und Füsse verschwanden von selbst. Ich habe mit voller Absicht nach der Refertilisierungs-OP das Testosterongel einfach nicht mehr genommen, weil ich wissen wollte, ob der Körper das wieder alleine regelt. Und siehe da: Jeden Tag habe ich wieder eine Morgenlatte...ich habe wieder Lust auf Sex und der Sex macht auch wieder Spaß. Und der Orgasmus ist wieder wie früher...explosionsartig, wie aus dem Keller...einfach gefühlvoll und schön. Und die Konsistenz des Sperma...wie früher!!!

Mein Heilpraktiker hat noch mal mittels Bluttest nachgemessen:

Von 2.01 ng/ml (zur Erinnerung: Normalwert fängt bei 3,5 an und kann bis 10 hoch sein!) auf 2.48 ng/ml, nächste Probe 4,0 ng/ml, dann letzte Probe 4,25 ng/ml innerhalb von einigen Wochen nach der Refertilisierungs-OP.

Und meine Eier sind wieder gewachsen!!! Das kann doch alles keine Einbildung sein! Und schon gar nicht psychisch!!! Diese scheiss Weisskittelärzte. Haben alle keine Ahnung. O.K. Der Professor hat seine Arbeit offensichtlich sehr gut gemacht.

Ich denke die letzten kleine Wehwehchen gehen mit der Zeit auch noch weg und dann ist gut.

Ich muß ja nun wieder Kondome benutzen...aber das ist inzwischen echt nebensächlich...der Sex macht wieder Spass und ich merke auch selbst, dass das Testosteron wieder da ist, wo es mal war. Meine Eier haben auch wieder Normalgröße erreicht.

Und was soll ich sagen...ich habe in diesen 6 Monaten tatsächlich 4 Kilo zugenommen. Kein Wunder...kein Sport, Heiss-Hungerattacken auf Süssigkeiten und Testosteronspiegel im Keller.

Ich kann nur jedem davon abraten, sich sterilisieren zu lassen. Sicher, es kann wohl auch „gut“ gehen. Aber wenn nicht? Glaubt nicht den Weisskittelärzten. Die wollen nur Geld verdienen und verharmlosen alles. Ich habe immer noch Kontakt mit einem Leidensgenossen, der die Refertilisierung auch durchführen ließ. Leider nicht mit dem gewünschten Erfolg: Er hat immer noch heftige Schmerzen, kann keinen Sport machen und blieb auf einem Großteil der Kosten sitzen.

Also unterm Strich: Alles Scheisse und Geld hat es auch noch gekostet. Jetzt nach 9 Monaten geht es mir wieder gut! Mein Sexualleben ist wie vor der Vasektomie!!!

Ich treibe wieder regelmäßig Sport und die beschriebenen Wehwehchen gehen immer mehr zurück. Es gibt Tage, da habe ich gar keine Probleme.

Lasst es sein !!!

[geändert von Uwe am Samstag, Februar 24, 2018 @ 08:48:40]

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