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    |- Chronische Schmerzen > Post-Vasektomie Schmerzsyndrom > Mikrochirurgische Samenstrangneurolyse zur Behandlung des PVS
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Autor Beiträge
offline Uwe
hat sich eingelebt


Registriert: Nov 2016
Beiträge: 138

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3 Geschrieben Samstag, Juni 30, 2018 @ 12:20:31  

Sie brauchen zuerst einen Urologen, der in einem Arztbrief bestätigt, dass bei ihnen das Post-Vasektomie Schmerzsyndrom vorliegt und dass in ihrem Fall die mikrochirurgische Samenstrangneurolyse eine sinnvolle Therapieoption darstellt. Dies ist schon mal eine Hürde, denn viele Urologen mauern hier.

Liegt ihnen dieser Arztbrief vor, reichen sie diesen bei der Krankenkasse ein und bitten sie um Genehmigung für diese Operation. Die Genehmigung sollte dann eigentlich ohne Probleme von der Krankenkasse erteilt werden; sie übernimmt die Kosten.

Schwierig ist die Arztsuche. Ich habe die mikrochirurgische Samenstrangneurolyse von DEM Spezialisten dafür in Deutschland durchführen lassen, und sie ist trotzdem gründlich schiefgegangen. Da ich im Krankenhaus (großes Universitätsklinikum in Nordrhein-Westfalen) darüber hinaus bezüglich der Durchführung falsch aufgeklärt wurde, kann ich aus meinen Erfahrungen heraus sowohl die Klinik als auch den Arzt (Direktor der urologischen Klinik) leider nicht empfehlen.

Vielleicht kann ihnen ihre Krankenkasse bei der Arztsuche weiterhelfen.

Viel Erfolg!

offline fritz
neu hier


Registriert: Jun 2018
Beiträge: 1

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2 Geschrieben Mittwoch, Juni 27, 2018 @ 15:31:15  

wie findet man denn einen arzt der soetwas bei einem kassenpatienten durchführt?
offline Uwe
hat sich eingelebt


Registriert: Nov 2016
Beiträge: 138

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1 Geschrieben Donnerstag, Februar 15, 2018 @ 14:13:54  

Ich habe im Jahr 2011 die Samenstrangneurolyse (beidseitig) bei mir durchführen lassen, da eine zuvor durchgeführte Refertilisierung zwar eine Besserung der Post-Vasektomie Schmerzen gebracht, aber nicht annähernd zu einer Schmerzfreiheit geführt hat. Bei der Samenstrangneurolyse werden die Nervenbahnen im Bereich des Samenstrangs auf dem Weg zum Gehirn zerstört, um dadurch die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen. Die Kosten für die Samenstrangneurolyse wurden von der Krankenkasse übernommen. Ich habe mir dafür einen Arzt herausgesucht, der viel Erfahrung auf diesem Gebiet hat und auch schon mehrere diesbezügliche Veröffentlichungen verfasst hat.

Vorweg zum Ergebnis: Absolut unbefriedigend.

Der rechte Hoden hing nach der Samenstrangneurolyse viel höher als zuvor (vermutlich gab es Probleme beim Zurückschieben des Hodens in den Hodensack) und wurde nicht mehr durchblutet (Hodenatrophie). Der rechte Samenstrang war auch Wochen nach dem Eingriff immer noch fingerdick geschwollen (im Bereich des Hodensacks gut tastbar). Da der Samenstrang in einem Bereich relativ dicht am Hoden stark schmerzte, entschieden sich die Ärzte nach ca. 4 Monaten für eine weitere OP, um den rechten (wegen der fehlenden Durchblutung abgestorbenen) Hoden und ein möglichst langes Stück des Samenstrangs auf dieser Seite zu entfernen. Seit dieser weiteren OP bin ich auf der rechten Seite nun (schon länger) fast schmerzfrei. Hier scheine ich mal Glück gehabt zu haben, denn die Ärzte beschrieben im OP-Vorfeld die Wahrscheinlichkeit für eine Schmerzfreiheit nach der Hodenentfernung mit höchstens 50 %. Allerdings ist der Preis für die Schmerzfreiheit mit einem Hodenverlust nicht unerheblich!

Auf der linken Seite brachte die Samenstrangneurolyse zuerst eine deutliche Schmerzbesserung (fast schmerzfrei). Nach 3-4 Monaten kamen die Schmerzen jedoch wieder (allerdings schwächer als zuvor). Nach einer Neurolyse können die Schmerzen nach einer gewissen Zeit wieder auftauchen, da die gekappten Nervenenden aussprießen und sich manchmal gegenseitig wieder finden.

Die mikrochirurgische Samenstrangneurolyse wird über zwei (links und rechts) ca. 7 cm lange Einschnitte im unteren Bauchbereich (ca. 4 cm oberhalb des Penisansatzes) ausgeführt. Dort verläuft der Samenstrang (dieser beinhaltet u.a. den Samenleiter) und wird vom Operateur freipräpariert. Um entsprechend Spielraum für die Neurolyse um den Samenstrang herum zu bekommen, wird dieser über den Leistenkanal zusammen mit dem jeweiligen Hoden nach oben gezogen/geschoben. Dieser Vorgang ist ein relativ massiver Eingriff und hat aufgrund der dadurch verursachten Gewebeschädigung bei mir vermutlich auch zu der beschriebenen Hodenatrophie geführt (die Hodenatrophie ist eine bekannte mögliche Komplikation bei der mikrochirurgischen Samenstrangneurolyse). Nachdem die beiden Samenstränge freipräpariert sind, wird auf einer gewissen Strecke sämtliches Gewebe im Samenstrang mit Ausnahme des Samenleiters, einer Arterie und einer Vene mit einem Operationsbesteck ähnlich einem feinen Lötkolben vom Operatuer weggebrannt; hierdurch werden alle im Samenstrang verlaufenden Nervenfasern zum Hoden erfasst. Dieses etwas radikale Vorgehen ist deshalb erforderlich, da der Nervus genitofermoralis (Ramus genitalis), der im Samenstrang verläuft, meist nicht mit dem Auge identifiziert werden und der Operateur deshalb nicht gezielter vorgehen kann. Da der Operateur bei diesem Eingriff aufgrund der feinen Strukturen mit einer Operationslupe arbeitet, nennt sich das Ganze "mikrochirurgische" Samenstrangneurolyse. Nach Abschluß der Neurolyse werden die Hoden (zusammen mit den Samensträngen) wieder zurück in den Hodensack an ihren alten Platz gezogen/geschoben (was ja in meinem Fall auf der rechten Seite nicht wirklich geklappt hat).

Ich wurde vom Chefarzt der Urologie eines der größten Krankenhäuser in Deutschland operiert, die Patientenaufklärung übernahm ein Stationsarzt. Dieser erzählte mir, dass der Zugang für die Samenstrangneurolyse über den Hodensack erfolgt. Da ich zuvor von Rudi Matze über das Forum erfahren hatte, dass der Zugang NICHT über den Hodensack erfolgt, siehe:
- http://www.patienten-selbsthilfegruppen.de/forum/index.php?page=Thread&postID=729#post729 und
- http://www.patienten-selbsthilfegruppen.de/forum/index.php?page=Thread&postID=732#post732
fragte ich noch zweimal nach. Der Arzt blieb jedoch bei seinen Ausführungen. Als ich nach der OP erwachte und den Hodensack völlig frei von Pflastern, dafür den unteren Bauchbereich zugepflastert vorfand, fragte ich gleich nach dem Arzt, der die OP durchgeführt hatte. Dieser teilte mir dann mit, dass er früher den Zugang über den Hodensack vorgenommen hatte aber seit längerer Zeit den Zugang, so wie er bei mir durchgeführt wurde - bevorzugt. Naja, spricht nicht gerade für das Krankenhaus, wenn der Stationsarzt, der die Patientenaufklärung vor der OP durchführt, nicht weiß, wie der Operateur arbeitet und deshalb den Patienten falsch aufklärt! Ich nehme an, dass der Zugang über den unteren Bauchbereich inzwischen bevorzugt wird, da hierbei ein längeres Stück des Samenstrangs vom Gehirn "abgeklemmt" werden kann, als wenn der Eingriff über den Hodensack durchgeführt werden würde.

Anthony Ellis ordnet die Invasivität der mikrochirurgische Samenstrangneurolyse niedriger ein als die bei der Vasovasostomie (= Refertilisierung), siehe http://www.homepage-dienste.com/foren/F_15817/blog-eines-arztes-aus-den-usa-zum-post-vasektomie-schmerzsyndrom_44_562.html. Ich empfinde dies jedoch völlig gegenteilig. Nach der Refertilisierung verheilten bei mir die relativ kleinen Schnittnarben am Hodensack völlig problemlos und hinterließen keinerlei bleibende Probleme. Die erheblich größeren Schnittnarben der mikrochirurgischen Samenstrangneurolyse (wie bereits geschrieben zwei mal ca. 7 cm im unteren Bauchbereich) waren hingegen bei mir noch wochenlang nach der OP geschwollen und schmerzten noch monatelang. Außerdem ist das Risiko einer Hodenatrophie bei der Samenstrangneurolyse nicht zu unterschätzen; hierdurch verliert der Hoden vollständig seine Funktion (sowohl hinsichtlich der Testosteron- als auch hinsichtlich der Spermienproduktion). Verursacht ein atrophischer Hoden außer dem Ausfall seiner eigentlichen Funktion keine Probleme, so kann er als eine Art abgestorbenes Gewebe im Körper verbleiben. Verursacht er hingegen Probleme (z.B. Schmerzen), so ist eine nachfolgende Hodenentfernung angezeigt.

Aus meinen Erfahrungen kann ich somit als operativen Behandlungsversuch der Post-Vasektomie Schmerzen nur die Refertilisierung, nicht jedoch die mikrochirurgische Samenstrangneurolyse empfehlen. Auch hier möchte ich jedoch nochmals darauf hinweisen, dass es keine operative Behandlungsmöglichkeit der Post-Vasektomie Schmerzen gibt (die Refertilisierung eingeschlossen), die eine auch nur annähernd 100 %-ige Wahrscheinlichkeit für eine spätere Schmerzfreiheit bietet!

Ich habe diesen Bericht nach ausführlicher Auseinandersetzung mit dem Thema geschrieben. Da ich kein Arzt bin, kann es jedoch sein, dass das eine oder andere medizinische Detail von mir falsch dargestellt wurde. Ich lasse mich also von Ärzten hier im Forum gerne korrigieren - sofern meine Darstellung einer Korrektur bedarf.

Für diejenigen mit medizinischen Fachkenntnissen hier noch das Ergebnis der pathologischen Untersuchung des entfernten Hodens und Samenstranges:

Art des Materials:
Orchiektomiepräparat rechts.

Mikroskopie:
Histologisch sieht man Hodenparenchym mit ausgedehnten Nekrosearealen und rezidivierter Einblutung mit Nachweis von Siderophagien ohne eitrige Entzündung. Im Randbereich geringe diffuse chronische Entzündungsinfiltrate aus Lymphozyten, dazwischen immer wieder mehrkernige Riesenzellen. Im Bereich des Samenstranges eine kräftige chronische Entzündung mit zahlreichen, zum Teil dicht an dicht gelagerten mehrkernigen Riesenzellen ohne hier Nachweis von Fremdmaterial und ebenfalls rezidivierter Einblutung mit Siderophagen. Das Hodenparenchym insgesamt nur noch mit schemenhaft abgrenzbaren Tubuli. Keine Infiltrate eines malignen Tumors.

Diagnose:
Tumorfreies Orchiektomiepräparat mit hämorrhagisch nekrotischem Hodenparenchym mit Siderophagien und chronischer riesenzellhaltiger Entzündung vor allem im Bereich des Samenstranges.

[geändert von Uwe am Donnerstag, Februar 15, 2018 @ 14:49:32]

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