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offline Uwe
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5 Geschrieben Freitag, Februar 9, 2018 @ 10:04:44  

Teil 4: Behandlungsmöglichkeiten

Wenn die Diagnose "Postvasektomie-Schmerz" fest steht, stehen mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die konservative Behandlung umfasst den Einsatz eines Hodensackhalters [Suspensorium], um Bewegungen im betroffenen und entzündeten Gebiet zu reduzieren. Weiterhin besteht die Möglichkeit, sexuelle oder starke körperliche Aktivität vorrübergehend zu vermeiden und es können Wärmebehandlungen zur Unterstützung der zellulären Antwort auf Blutstauung und Entzündung sowie anti-entzündliche Medikamente wie Ibuprofen, Naproxen oder Celecoxib (sofern keine Kontraindikationen bestehen) eingesetzt werden. Antibiotika zeigen ohne eine offenenkundige Infektion erfahrungsgemäß keine Erfolge. Einige Patienten berichten von positiven Ergebnissen bei einer Behandlung mit Eis auf dem betroffenen Gebiet oder einer Pool-Therapie, die möglicherweise aufgrund des kühlen Wassers und der geringeren Schwerkrafteinwirkung auf den Hodensack hilft. Tandon und Sabanegh (*21) empfahlen 2008 vor dem Übergang zu aggressiveren Behandlungsmöglichkeiten eine konservative Behandlung und eine dreimonatige Behandlung mit NSAR [*22]. Einige Männer mit leichten Postvasektomie-Schmerzen sprechen auf eine konservative Behandlung an und ihre Schmerzen dauern nicht länger als 3 Monate. Dieser Verlauf findet sich häufig bei einem als kongestive Epididymitis [*23] bezeichnetem Zustand, der sich nach Wochen oder Monaten mit einer konservativen Behandlung legen kann. Dieser gutartige Verlauf findet sich bei Männern mit schwächeren Antikörper-Reaktionen gegen Sperma oder bei Patienten deren Kompensationsmechanismen für Resorption und Abtransport von Sperma nicht so leicht irritiert werden können. In einer großen retrospektiven Fallstudie berichten Ahmed u.a. (*24) dass 5% der Patienten Schmerzen hatten, die länger als drei Monate dauerten, Leslie u.a. (*25) stellten jedoch in einer prospektiven Studie fest, dass 15% der Männer auch sieben Monate nach der Vasektomie noch Schmerzen hatten. Diese Patienten, deren Schmerzen länger andauern und die eine weitere medizinische oder chirurgische Behandlung benötigen, unterscheiden sich deutlich von der zuvor genannten Gruppe. Dass Postvasektomie-Schmerzen von selbst wieder verschwinden wird nach neun Monaten immer seltener, wodurch bei solchen Fällen [Schmerzen länger als 9 Monate] in der Regel eine intensivere Behandlung erforderlich ist. Es gibt jedoch auch Berichte von einzelnen Patienten, bei denen die Schmerzen auch erst 3 Jahre nach der Vasektomie von selbst zurückgegangen sind. Ein Abwarten unter ärztlicher Kontrolle, begleitet durch eine konservativen Behandlung kann befürwortet werden, solange die Symptome sich bessern, sie keine Behinderung darstellen und keine ernsthaften Auswirkungen auf die sexuellen Funktionen haben. In der Fachliteratur sind keine Studien zu finden, die eine Aussage über das letztendliche Ergebnis bei dieser Art des Abwartens im Zusammenhang mit einer konservativen Behandlung machen. In Abhängigkeit vom Schweregrad der Symptome, den Auswirkungen auf die Sexualfunktion und der Wahrscheinlichkeit einer Entwicklung von stärkeren chronisch-neuropathischen Schmerzen in Verbindung mit einer Chronifizierung der Beschwerden kann nach einer mindestens dreimonatigen konservativen Behandlung eine Entscheidung für eine umfangreichere Behandlung getroffen werden.

Wenn konservative Behandlungsmethoden zu keiner Besserung führen, können Methoden zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden, während eine Entscheidung für eine weitere Behandlung getroffen wird. Besonders in Fällen wo auf der Basis der Symptome des Patienten und körperlicher Untersuchungen Neuralgien [= durch Nerven(schädigungen) verursachte Schmerzen] zu erwarten sind, kann man versuchen, Nerven im Samenstrang [durch Einspritzen von Medikamenten zur Nervenbetäubung] zu blockieren. Der Erfolg ist allerdings immer nur von kurzer Dauer und der zugrundeliegende Entzündungsprozess wird dadurch nicht beeinflusst. Ein Drittel der Patienten in der Studie von Nangia, bei denen eine Nervenblockade durchgeführt wurde, hatte weiterhin Schmerzen die dann eine Vasovasostomie [*26] erforderlich machten (Nangia u.a., (*27)). In der Fachliteratur findet sich eine Fallserie von 3 Patienten, bei denen die Nerven, die den betroffenen Bereich versorgen, mit gepulsten Hochfrequenzwellen behandelt wurden. Ein Nutzen dieser Behandlung dürfte jedoch eher bei Patienten mit chronischen Hodenschmerzen oder Schmerzen nach einer Leistenbruchoperation bestehen, als bei Patienten mit Postvasektomie-Schmerzen (Cohen und Forster, 2003, (*28)). Der Lösungsansatz eines Einsatzes von Antidepressiva oder Antikonvulsiva zur Behandlung von chronischen Schmerzen hat im Allgemeinen bei Patienten mit Postvasektomie-Schmerzen wenig Erfolg gezeigt, während er sich bei idiopathischer Orchialgie [*29] als hilfreich erwies (Sinclair u.a., 2007, (*30)). Es gibt in der Fachliteratur einen Fallbericht, der den Einsatz von Injektionen des Testosterons Cypionat in einer Dosierung von 400 mg pro Monat im Verlauf von drei Monaten beschreibt, um die Spermienproduktion zur Behandlung von Postvasektomie-Schmerzen zu unterdrücken. Die Hypothese, dass Postvasektomie-Schmerzen durch Entzündung und einem chronischen Antigen-Stimulus durch Sperma verursacht werden, erscheint plausibel, aber diese Behandlungsvariante hat nicht viel Aufmerksamkeit erhalten und die Wirksamkeit konnte dadurch nicht bestätigt werden (Pienkos, 2007, (*31)). Die Idee, dass man durch Azoospermie [*32] die Entzündung behandeln und perineurale Narbenbildung und Nebenhodenfibrose verzögern oder gar verhindern kann, ist neu und wäre eine randomisierte kontrollierte Studie wert, um möglicherweise einen Beitrag zur nichtoperativen Behandlung von Postvasektomie-Schmerzen zu leisten, da diese Behandlungsmethode die gewünschte Sterilität beibehält.

Eine weitergehende Behandlung von Postvasektomie-Schmerzen, die mit konservativen Methoden nicht möglich ist, erfolgt vorrangig auf chirurgischem Weg. Es wurden bisher verschiedene Behandlungsmethoden mit unterschiedlichem Erfolg getestet. Diese sind hier in zunehmend invasiver Reihenfolge aufgelistet: Umwandlung in eine Open-End-Vasektomie [*33], mikrochirurgische Denervierung des Samenstrangs, Vasovasostomie [*26], Epididymektomie [*34] und und inguinale Orchiektomie [*35] (Granitsiotis und Kirk, 2004, (*36)). Die Umwandlung in eine Open-End-Vasektomie [*33] dient der Reduzierung des Druckaufbaus im geschlossenen System und fördert die Bildung eines Spermagranuloms, damit sich der Druck mit der Zeit abbauen kann. Es gibt in der Fachliteratur eine kleine Fallserie, die zeigt, dass mit dieser Technik Schmerzen bei der Ejakulation nach einer Vasektomie beseitigt werden konnten (Edwards and Errey, 1982). Die Behandlung von chronischen Hodenschmerzen mit unterschiedlichen Ursachen durch mikrochirurgische Denervierung des Samenstrangs zeigte in einigen Fallserien bei über 70% der Patienten gute Resultate (Levine u.a., 1996 - sowie Strom und Levine, 2008, (*37)), war aber bei einem kleinen Prozentsatz der Fälle mit Hodenatrophie [*38] verbunden. Heidenreich u.a. berichten von einer Fallserie, in der bei 96% der Patienten ein Erfolg erzielt wurde und kommen zu folgendem Schluss: "Die mikrochirurgische testikuläre Denervierung führt zu zuverlässigen und reproduzierbaren hervorragenden Therapieerfolgsquoten von 96% und sollte in einem frühen Stadium in die Behandlung von chronischen Hodensackschmerzen einbezogen werden. Hohe Erfolgsquoten erfordern hierbei jedoch eine adäquate und sorgfältige Diagnostik durch Samenstrangblockaden unter Verwendung einer Kochsalzlösung als Placebo und verschiedener Lokalanästhetika um das postoperativ zu erwartende Resultat einschätzen zu können" (Heidenreich u.a., 2002, (*39)). Die Ergebnisse von Heidenreich können jedoch eventuell nicht direkt auf Postvasektomie-Schmerzpatienten übertragen werden, da an dieser Studie auch Patienten mit chronischer Testalgie beteiligt waren.

Vasovasostomie [*26] war bei 75% bis 85% der Patienten wirksam und wurde speziell bei Patienten mit Postvasektomie-Schmerzen untersucht (Myers u.a., 1997, (*40) - sowie Nangia u.a., 2000, (*41)), stellt jedoch die unerwünschte Fruchtbarkeit wieder her. In der Studie von Myers hatten 8 von 32 Patienten weiterhin Probleme und 6 dieser Patienten unterzogen sich einem zweiten Vasovasostomie-Versuch [*26]. Dies führte letztendlich bei insgesamt 27 von 32 an der Fallserie beteiligten Patienten dazu, dass die Schmerzen verschwanden. In einer anderen Studie führte Vasovasostomie [*26] bei 9 von 13 Patienten mit Postvasektomie-Schmerzen zu einem vollständigen Verschwinden dieser Schmerzen (Nangia u.a., 2000, (*42)). In der Studie von Nangia zeigte sich bei 85% der Patienten zumindest eine deutliche Besserung oder führte sogar zu Schmerzfreiheit. 23% der Patienten der Nangia-Studie und 19% der Patienten der Myers-Studie benötigten einen zweiten chirurgischen Eingriff zur Schmerzlinderung; im Allgemeinen handelte es sich dabei um einen zweiten Vasovasostomie-Versuch [*26]. Bei einzelnen Patienten mit positiven Behandlungsergebnissen traten die Schmerzen jedoch nach einigen Monaten oder Jahren erneut auf. Trotz des Erfolgs der Vasovasostomie [*26] übernehmen die Versicherungsträger oft nicht die Kosten für den Eingriff, was für manchen Patienten ein Hindernis darstellen kann.

In einer kleinen Studie von 10 Patienten mit Postvasektomie-Schmerzen erwies sich Epididymektomie [*34] bei 50% der Patienten als wirksam (Chen und Ball, 1991, (*43)). In einer anderen Studie zeigte sich bei 14 von 16 Patienten mit Hodensackschmerzen oder Schmerzen in der Leistengegend, erektiler Dysfunktion und einem normalen Erscheinungsbild der Nebenhoden im Ultraschall eine Besserung durch Epididymektomie [*34] (West u.a., 2000, (*44)). Im Jahr 2008 kamen Sweeney u.a. (*45) aufgrund einer schlechten Ansprechrate in ihrer Studie zu dem Schluss, dass die Rolle der Epididymektomie [*34] bei der Behandlung von Postvasektomie-Schmerzen ihre Grenzen hat.

Als tragischer letzter Ausweg wurde die inguinale Orchiektomie [*35] zur Behandlung von behandlungsresistenten Postvasektomie-Schmerzen mit unterschiedlichem Erfolg eingesetzt.

Weitere Informationen und medizinische Hinweise finden Sie auf meiner anderen Webseite: www.VasectomyPain.org

Links:
(*21): http://www.urotoday.com/images/british/bju4_july 2008.pdf

[*22]: http://de.wikipedia.org/wiki/Nichtsteroidales_Antirheumatikum

[*23]: http://www.ehow.com/way_5271294_congestive-epididymitis-treatment.html

(*24): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9052481?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

(*25): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17850378?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

[26]: http://www.refertilisierung.net/Vasovasostomie-30.htm

(*27): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11061886?ordinalpos=3&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

(*28): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12639676?log$=activity

[*29]: Hodenschmerzen ohne erkennbare Ursache

(*30): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17645606?log$=activity

(*31): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17615858?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

[*32]: Das Fehlen von Spermien im Ejakulat

[*33]: Eine Variante bei der Vasektomie, bei der die hodenseitig gelegenen Samenleiterenden nicht verschlossen werden

[*34]: Nebenhodenentfernung

[*35]: Entfernung des kompletten Hoden (incl. Nebenhoden)

(*36): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15041105?ordinalpos=2&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

(*37): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18639271?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=3&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

[38]: Umgangssprachlich: Schrumpfhoden

(*39): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12074809?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

(*40): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8996346?log$=activity

(*41): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11061886?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

(*42): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11061886?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

(*43): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1933163

(*44): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10848703?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

(*45): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1843628

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4 Geschrieben Freitag, Februar 9, 2018 @ 10:02:59  

Teil 3: Was verursacht diese Schmerzen?

Die Ätiologie [= Krankheitsursache] der Postvasektomie-Schmerzen ist bisher nicht vollständig geklärt. Da es keine formale Definition des Postvasektomie-Schmerzes gibt und die Erscheinungsformen vielfältig sind, wurden viele Hypothesen aufgestellt, um die Symptome zu erklären. Die bisherigen Erfahrungswerte deuten auf mehrere Prozesse hin. Diese Prozesse haben vermutlich zu den histologischen Befunden geführt haben, die in pathologischen Gewebeproben gefunden wurden, welche verschiedenen Patienten im Rahmen der Behandlung von schweren oder anhaltenden Postvasektomie-Schmerzen entnommen wurden. Es mag eine gewisse gemeinsame Endstrecke in diesen unterschiedlichen Prozessen geben, die dann letztendlich zu Schädigungen von Nervenstrukturen im Bereich des Hodensacks führen, wodurch die chronischen Schmerzen in den Hoden oder Nebenhoden verursacht werden. Als Prozesse zu nennen wären zum einen entzündliche Vorgänge des Immunsystems. Weiterhin Auswirkungen der Druckeffekte, die durch den [Spermien-] Rückstau in dem nach der Vasektomie geschlossenen System entstehen und darüber hinaus eine perineurale Fibrose, die durch die beiden zuerst genannten Faktoren verursacht werden kann. Christiansen und Sandlow (*16) haben 2003 als Ursache für Postvasektomie-Schmerzen den Rückstaudruck in den Nebenhoden, Entzündungen und den Druck auf paravasale Nerven durch Spermagranulome angegeben. Chen und Ball (*17) gaben 1991 interstitielle oder perineurale Fibrose in den Nebenhoden als Schmerzursache an.

Die Untersuchung von Nebenhoden-Proben von Patienten mit Postvasektomie-Schmerzen haben Hinweise auf pathologische Veränderungen ergeben, die möglicherweise durch langjährige Obstruktion [*18] verursacht wurden. Diese interstitielle und perineurale Fibrose, die in den Nebenhoden der betroffenen Patienten gefunden wurde, könnte die Schmerzen erklären (Chen und Ball, 1991). Nariculam u.a. (*19) berichteten 2007 ebenfalls, dass sie diese obstruktiven Veränderungen in allen Nebenhodenproben gefunden hätten, die im Rahmen ihrer Studie über chronische Hodenschmerzen entnommen wurden. Sie stellten Fibrose des Nebenhodens, Tubulusdistension und herdförmige Fibrose sowie Anzeichen von Tubulussklerose und Entzündung der Hoden fest. Bei einigen der Proben aus der Studie von Nariculam zeigten sich Hinweise auf einen Hoden-Infarkt, der vermutlich durch intermittierende Torsion verursacht wurde; hierbei ist zu erwähnen, dass die Studie nicht speziell Postvasektomie-Schmerzen untersuchte.

Die Nebenhoden sind häufig vergrößert oder zeigen bei der Untersuchung der PVS-Patienten eine Druckempfindlichkeit. Ultraschalluntersuchungen oder körperliche Untersuchungen des Hodensackinhalts bei Männern mit PVS zeigten das Auftreten von Spermagranulomen bei einigen aber nicht bei allen Männern. Die Rolle der Spermagranulome in der Pathophysiologie von PVS ist umstritten. In einigen Studien wird angenommen, dass Spermagranulome am hodenseitig gelegenen Samenleiterende als Überdruckventil dienen, das helfen könnte, Schäden durch den Überdruck zu vermeiden (Shapiro und Silber, 1979). Andere Studien haben sich auf Spermagranulome konzentriert, die Schmerzen verursachten, und deshalb entfernt werden mussten (Schmidt, 1979, (*20)). Außerdem bewirkt das Spermagranulom eine Läsion [= Schädigung, Störung] des Immunsystems, da hierbei Spermien zerstört und dem Immunsystem [zum Abbau] übergeben werden, was dazu führt, dass sich Autoimmun-Antikörper bilden. Dies kann zu entzündungsbedingten Schäden führen, die bei einigen Patienten zu den Postvasektomie-Schmerzen beitragen dürften. Einige Studien weisen auf einen Anstieg der Spermien-Antikörper bei Männern mit Spermagranulomen hin (Alexander und Schmidt, 1977). Diese Dualität, zum einen die Bildung eines Überdruckventils, zum anderen die Rolle als Entzündungsherd, der die Autoimmunantwort des Körpers stimuliert, führt zur einer kontoversen Diskussion bezüglich der Rolle, die das Spermagranulom bei Postvasektomie-Schmerzen spielt. Ob ein Spermagranulom präventiv oder potenziell schädlich ist, kann von der Größe, der Lage, der Nähe zu Nervenstrukturen und der mit dem Spermagranulom verbundenen paravasalen Entzündungen abhängig sein. Die Entfernung von Spermagranulomen hat jedenfalls bei einigen Patienten mit anhaltenden Schmerzen zu einem Verschwinden der Symptome geführt.

Links:
(*16): http://www.andrologyjournal.org/cgi/content/full/24/3/293

(*17): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?Db=pubmed&Cmd=ShowDetailView&TermToSearch=1933163&log$=activity

[*18]: http://de.wikipedia.org/wiki/Obstruktion_(Medizin)

(*19): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17244279?ordinalpos=6&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

(*20): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/761679?ordinalpos=3&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

[geändert von Uwe am Freitag, Februar 9, 2018 @ 10:13:07]

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3 Geschrieben Freitag, Februar 9, 2018 @ 09:58:16  

Teil 2: Weitere Informationen über Schmerzen nach einer Vasektomie

Postvasektomie-Schmerzen [im Folgenden PVS genannt] sind in der Regel gekennzeichnet durch chronische oder zeitweise auftretende Hoden- und/oder Nebenhodeschmerzen, die sich häufig bei Geschlechtsverkehr oder Ejakulation verstärken. PVS können sich bei körperlicher Aktivität verschlimmern und treten häufig im Zusammenhang mit berührungsempfindlichen oder [mit Spermien] gefüllten Nebenhoden auf (Nangia u.a. (*5), Myers u.a. (*6)). Die Symptome können ein- oder zweiseitig auftreten und die Schmerzen können in die Leistengegend oder in den Bauch entlang des jeweiligen Samenstrangs ausstrahlen. Einige Patienten berichten von drückenden Schmerzen in der Nähe des Nebenhodens oder von einem brennenden Schmerz im Gebiet des Nervus genitofemoralis [*7].

Die Diagnose von PVS basiert auf einer Anamnese bezüglich der Vasektomie, Symptomen, die im Einklang mit der Diagnose stehen, einer körperlichen Untersuchung, welche das Vorhandensein von entsprechenden Befunden bestätigt und dem Ausschluss anderer Krankheiten des Urogenitaltraktes durch entsprechende Labor- oder Ultraschalluntersuchungen. Über Differentialdiagnosen sollten folgende Ursachen ausgeschlossen werden: Neuralgie oder Neurom, Varikozele, Hydrozele, Infektion, Tumor, zeitweise auftretende Hodentorsion, Leistenbruch und psychische Ursachen (Christiansen und Sandlow, 2003, (*8)). Diese möglichen Schmerzursachen können relativ leicht durch eine entsprechende Anamnese, einer ärztlichen Untersuchung und Routinetests ausgeschlossen werden. Bei neuralgischen Schmerzen kann die Beschaffenheit und Lokalisation der Schmerzen anderartig sein und die Beschwerden können zu einem früheren Zeitpunkt in Verbindung mit lokalen, stechenden, brennenden, intensiven Schmerzen auftreten. Diese Neuralgien unterscheiden sich vom dumpfen Hodenschmerz bei PVS (mit oder ohne zeitweise auftretende, stechenden Hodenschmerzen) und ermöglichen es somit, eine entsprechende Diagnose und Behandlungsmethode einzusetzen. Traumatische Neurome, die durch Nervenverletzungen währen der Vasektomie entstanden sind, reagieren oft empfindlich auf leichten Druck. Der Zusammenhang der Schmerzen mit dem Orgasmus oder der Zeit direkt nach dem Sex kann bei Patienten mit PVS helfen, ein Neurom oder neuropathische Schmerzen von kongestiven [*9] Schmerzen zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil eine Refertilisierung (Vasektomie-Umkehrung) bezüglich neuropathischer Schmerzen aufgrund von Nervenschädigungen wahrscheinlich keine Wirkung haben wird, während es kongestiven Schmerzpatienten nach dieser Operation meist besser geht.
Es gibt keine Studien in der Literatur, die sich mit den spezifischen sexuellen Auswirkungen der Postvasektomie-Schmerzen beschäftigen (ob mit dem Schmerz eine Abnahme der Libido verbunden ist, ob Veränderungen im Orgasmus oder der Ejakulation stattfinden, ob das sexuelle Vergnügen abnimmt oder ob die Schmerzen die Erektion beeinflussen). Es scheint wahrscheinlich, dass jeder größere Schmerz im Genitalbereich, der im Zusammenhang mit Sex steht, die sexuellen Reaktionen, die Potenz, das sexuelle Vergnügen oder auch die Libido und sexuelle Stimmung beeinflusst. Das Risiko einer psychischen Erkrankung aufgrund von chronischen Schmerzen im Genitalbereich nach einer Vasektomie wird in der psychiatrischen oder urologische Literatur nur wenig beachtet. Es gibt auch keine Studien, die belegen, das chronische Schmerzen nach einer Vasektomie eine psychosomatische Erkrankung sind. Die Behandlung von PVS als ein psychisches Problem ist nicht geeignet, den betroffenen Patienten zu helfen. Wie bei jeder Art von chronischen Schmerzen können Depressionen als eine mögliche Begleiterkrankung auftreten, die eine separate Behandlung erforderlich machen. Die effektivste Behandlung der begleitenden Depression ist jedoch die Linderung der zugrundeliegenden Postvasektomie-Schmerzen.

Es gibt mehrere Studien, die die Lage und die Merkmale von chronischen Schmerzen im Genitalbereich nach einer Vasektomie beschreiben. In einer Serie von 13 Fällen, bezüglich derer eine Refertilisierung zur Schmerzbehandlung in Betrachtung gezogen wurde, hatten die Patienten eine Vielfalt an genitalen Schmerzbeschwerden: 9 Patienten hatten Hodenschmerzen, 2 Patienten hatten Schmerzen in den Nebenhoden, 4 Patienten hatten Schmerzen bei der Ejakulation und 8 Patienten hatten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Nangia u.a. (*10)). In einer ähnlichen Serie von 32 Patienten klagten alle Patienten über einseitigen oder zweiseitigen dumpfen Hodenschmerz, der bei sexueller Erregung, Geschlechtsverkehr oder Ejakulation zunahm (Myers u.a. (*11)). In einer retrospektiven Studie bezüglich 172 Vasektomie-Patienten hatten 56 Patienten ( 33% ) chronische Beschwerden und 26 von diesen Patienten bezeichneten die Beschwerden als "unangenehm". Die Patienten dieser Serie beschrieben die Schmerzen in erster Linie als einseitig und periodisch auftretende dumpfe Schmerzen, einige der Patienten beschrieben jedoch auch einen starken und scharfen Schmerz. Dieser starke Schmerz geht meistens von den Hoden aus und kann nach dem Geschlechtsverkehr zunehmen. 5% der befragten Patienten hatten bei einer Studie von McMahon u.a. (*12) Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs und auch Leslie u.a. berichteten im vorläufigen Abschlußbericht einer Studie, dass 4% von 488 befragten Männern Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hatten. Bei weiteren Patienten mit Postvasektomie-Schmerzen war eine Nebenhodenentfernung zur Linderung der Schmerzen erforderlich. In einer anderen Serie von 10 Patienten hatten 9 ständige Schmerzen in den Hoden oder Nebenhoden. Vier Patienten hatten Schmerzen vor allem bei körperlicher Aktivität und 3 Patienten vor allem beim Geschlechtsverkehr (Chen und Ball, 1991, (*13)).

Chronische neuropathische Schmerzen oder schmerzhafte Neurome können nach einer Vasektomie aufgrund von Nervenverletzungen im Bereich des Samenstangs auftreten. Diese Art von postoperativen Schmerzen wurden in erster Linie im Zusammenhang mit Nervenschädigungen bei Becken- oder Leistenoperationen beschrieben (Ducic u.a., 2006), es gibt jedoch auch Berichte, dass solche Schmerzen nach einer Vasektomie auftreten können (Murovic u.a., 2005 (*14)). Traumatische Neuralgien und Neurome können Postvasektomie-Schmerzen verursachen, dabei handelt es sich jedoch um einen eigenen Formenkreis, für den eine eigene Behandlungsstrategie erforderlich ist, wie in einer Serie von sechs Fallstudien über Hodenschmerzen nach Leistenbruch-Operationen festgestellt wurde (Arnid, 2006). Bei Patienten mit traumatischen Neuralgien treten die Schmerzen üblicherweise schneller auf als bei klassischen Fällen des Postvasektomie-Schmerzsyndroms (Christiansen and Sandlow, 2003, (*15)). Neuropathische Schmerzen in Verbindung mit der Verletzung eines Beckennervs können Hodenschmerzen auslösen (Ducic I, Dellon AL, 2000), aber das Auftreten der Schmerzen, die Ätiologie und die Behandlungsmöglichkeiten weichen - wie bereits beschrieben - bei diesen Patienten ab. Oft unterscheidet sich diese Art von PVS von den viel stärker verbreiteten kongestiven PVS dadurch, dass nach dem Geschlechtsverkehr keine Schmerzen auftreten. Es gibt Einzelberichte bezüglich einiger Patienten mit Neuromen oder neuropathischen Schmerzen, bei denen sich durch Neurektomie oder eine Behandlung mit antikonvulsiven Medikamenten wie ... [Substanznamen: Pregabalin, Gabapentin, Carbamazepin, Tiagabine. Die Handelsnamen entnehmen Sie bitte dem englischen Originaltext] eine Besserung zeigte.

Sie können aus den obigen medizinischen Studien ersehen, dass Sie nicht alleine sind. Anhaltende Schmerzen nach einer Vasektomie werden in der urologischen Literatur seit den späten 1970er Jahren beschrieben. Es gibt wirksame Therapien für viele Arten von anhaltenden Schmerzen nach einer Vasektomie. Bei Schmerzen, die länger als drei Monate dauern, sollte ein Experte die Behandlung übernehmen. Die therapeutischen Möglichkeiten unterscheiden sich je nach Diagnose, die aufgrund einer Untersuchung des Hodensacks - ggf. auch per Ultraschall - sowie verschiedener Laboruntersuchungen erstellt wird. Die meiste Zeit wird im Rahmen dieser Untersuchungen benötigt, um einzelne mögliche Schmerzursachen auszuschließen. Dies ist ein notwendiger, aber auch manchmal für den Patienten frustrierender Prozess.

Links:
(*5): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11061886?ordinalpos=4&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

(*6): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8996346?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

[*7]: http://de.wikipedia.org/wiki/Nervus_genitofemoralis

(*8): http://www.andrologyjournal.org/cgi/content/full/24/3/293

[*9]: http://de.wikipedia.org/wiki/Kongestiv - oder auch: "Als Folge von Entzündungsreizen arteriell mit Blut überfüllt"

(*10): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11061886?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

(*11): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8996346?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

(*12): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?Db=pubmed&Cmd=ShowDetailView&TermToSearch=1537032&log$=activity

(*13): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?Db=pubmed&Cmd=ShowDetailView&TermToSearch=1933163&log$=activity

(*14): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?Db=pubmed&Cmd=ShowDetailView&TermToSearch=15670378&log$=activity

(*15): http://www.andrologyjournal.org/cgi/content/full/24/3/293

[geändert von Uwe am Freitag, Februar 9, 2018 @ 10:00:29]

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2 Geschrieben Freitag, Februar 9, 2018 @ 09:54:18  

Teil 1: Schmerzen nach einer Vasektomie

Ich begann diesen Blog um Männern zu helfen, Informationen über anhaltende Schmerzen nach einer Vasektomie zu finden. Es werden ungefähr 500.000 Vasektomien pro Jahr in den USA durchgeführt. Laut den veröffentlichten Vasektomie-Studien entstehen bei etwa 10% bis 15% der Männer nach einer Vasektomie anhaltende Schmerzen im Hodensack, in den Hoden oder den Nebenhoden (= weiche Organe an den beiden Hoden zur Spermienreifung). Es kann Jahre dauern, bis diese Komplikationen erstmals auftreten und sie beeinträchtigen bei 2% bis 5% der sterilisierten Männer die Lebensqualität oder die Sexualität. Leider besteht bezüglich dieser Nebenwirkungen kein allgemeiner Konsens und wenn sie von den Ärzten im Rahmen der Patienten-Aufklärung vor der Vasektomie überhaupt erwähnt werden, wird eine viel geringere Wahrscheinlichkeit von "eins zu tausend" oder weniger angegeben. Nicht erwähnt werden auch die zwangsläufigen Auswirkungen der chronischen Schmerzen im Genitalbereich auf das Leben der betroffenen Männer. Dieser Blog wird sich mit diesen Komplikationen und dem Versuch einer adäquaten Aufklärung bezüglich des möglichen tragischen Ausgangs einer Vasektomie beschäftigen.

Trotz der allgemeinen Auffassung, dass die Vasektomie völlig ungefährlich ist und keine langfristigen Nebenwirkungen hat, haben mehrere Vasektomie-Studien bestätigt, dass bei einigen Männer anhaltende Schmerzen nach der Vasektomie auftreten. Diese aktuellen Studien finden Sie in medizinischen Fachzeitschriften und sie dokumentieren das Problem des Post-Vasektomieschmerzes bei einem erheblichen Prozentsatz der sterilisierten Männer. Während die meisten Männer weniger starke und kurzfristige Schmerzen haben, haben einige Männer Schmerzen über ein paar Monate, und darüber hinaus klagen etwa 15% der sterilisierten Männer auch sieben Monate nach ihrer Vasektomie noch über Schmerzen im Hoden oder Hodensack (Leslie u.a., (*1)). Nach einem Jahr könnte sich die Häufigkeit verringern, aber dies ist nicht nachgewiesen worden, und eine vergleichende Studie von zwei Gruppen von Menschen ein Jahr nach der Vasektomie und zehn Jahre nach der Vasektomie zeigte keinen Unterschied in der Häufigkeit (Manikandan u.a., (*2)).

Es gibt sechs Vasektomie-Studien, die auf das Auftreten von anhaltenden Schmerzen hinweisen. Diese Studien berichten über starke Schmerzen bei 2% bis 6% der sterilisierten Männer, die sich auf die Sexualität oder die Lebensqualität deutlich auswirken. Zusammenfassungen der Studien finden Sie nachfolgend, teilweise mit Angabe von Links.

  • McMahon u.a. - 253 Fragebögen wurden verschickt, 172 Männer antworteten, und 33% klagten über chronische Hodenschmerzen. Die Zeitspanne zwischen Vasektomie und der Befragung lag durchschnittlich bei 4 Jahren und 5% der Männer klagten über Schmerzen beim Sex. Einer von sechzig Befragten bereute die Vasektomie aufgrund der chronischen Schmerzen.
  • Choe / Kirkemo - 470 Fragebögen wurden verschickt, 182 Männer antworteten, und 19% klagten über Schmerzen. Die Zeitspanne zwischen Vasektomie und der Befragung lag durchschnittlich bei 5 Jahren und 2% der Männer klagten über Schmerzen, die die Lebensqualität beeinträchtigen. 9% der Männer waren mit ihrer Vasektomie unzufrieden.
  • Morris u.a. - 198 Fragebögen wurden verschickt, 101 Männer antworteten, und 52% klagten über ein gewisses Maß an Schmerzen. Die Zeitspanne zwischen Vasektomie und der Befragung lag bei durchschnittlich 3 bis 4 Jahren und 6% der Männer waren von Schmerzen betroffen, die schwer genug waren, dass sie sich deswegen behandeln ließen.
  • Ahmed u.a. - 560 Fragebögen wurden verschickt, 396 Männer antworteten und 5% der Männer hatte Schmerzen, die länger als drei Monate gedauert hatten. Für einige dieser Männer, war der Schmerz so stark, dass sie eine mikrochirurgische Denervierung [Neurolyse] des Samenstrangs zur Behandlung der Schmerzen hatten durchführen lassen.
  • Manikandan u.a (*2) - befragten zwei Gruppen, A. zehn Jahre nach der Vasektomie und B. ein Jahr nach der Vasektomie. In der Gruppe A. wurden 460 Fragebögen verschickt, 182 Männer antworteten und 14% hatten chronische Schmerzen. Vier Prozent der Männer bewerteten ihren Schmerz mit mehr als fünf auf einer Skala von eins bis zehn (VAS> 5). In Guppe B. wurden 460 Fragebögen verschickt, 220 Männer antworteten und 16% der Männer klagten über Schmerzen. Sechs Prozent der Männer bewerteten die Schmerzen mit mehr als fünf auf einer Skala von eins bis zehn.
  • Leslie u.a. - 625 Patienten wurden angesprochen, und 593 stellten sich für eine Umfrage vor der Vasektomie zur Verfügung. Nach der Vasektomie, sieben Monate später, wurde eine Nachuntersuchung angestellt, wofür sich 488 Männer zur Verfügung stellten. Hierbei berichteten 15% der Männer über chronische Schmerzen. Vier Prozent der Männer gaben an, Schmerzen beim Sex zu haben und 14% Prozent bewerteten ihre Schmerzen mit mehr als fünf auf einer Skala von eins bis zehn (VAS> 5).
Einige methodische Mängel (self-selection bias (*3) - response bias (*4)) könnten diese Ergebnisse beeinflusst haben, die Zahlen dürften jedoch trotzdem zutreffend sein. Nimmt man an, dass alle Männer, die die Fragebögen nicht zurückgesendet haben, schmerzfrei waren, wäre die zusammengefasste Häufigkeit von anhaltenden Schmerzen aus den obigen Studien immer noch 289/3026 oder etwa 10%.

Die meisten dieser Autoren regen an, dass das mögliche Problem von chronischen Schmerzen nach einer Vasektomie in die Patienten-Aufklärung vor der Vasektomie aufgenommen werden sollte. An diese Empfehlung wird sich jedoch bisher im Allgemeinen nicht gehalten. Trotzdem ist chronischer Schmerz die häufigste Nebenwirkung bei einer Vasektomie, die die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen kann.

Links:
(*1): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?Db=pubmed&Cmd=ShowDetailView&TermToSearch=17850378&log$=activity

(*2): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15008732?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DiscoveryPanel.Pubmed_Discovery_RA&linkpos=1&log$=relatedarticles&logdbfrom=pubmed

(*3): http://en.wikipedia.org/wiki/Selection_bias

(*4): http://en.wikipedia.org/wiki/Response_bias

offline Uwe
hat sich eingelebt


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1 Geschrieben Freitag, Februar 9, 2018 @ 09:49:59  

Ich habe in unserem alten Forum eine von mir erstellte Übersetzung eines Blogs zum Post-Vasektomie Schmerzsyndrom veröffentlicht. Die Übersetzung möchte ich auch hier wiedergeben, da ich den Blog für sehr interessant erachte.

Das englischsprachige Original ist von Anthony Ellis, einem Arzt aus den USA.
Link: http://painaftervasectomy.blogspot.com/

Die Blogeinträge sind von März 2009. Der Blog besteht aus folgenden 4 Teilen:

1. Teil: Schmerzen nach einer Vasektomie
2. Teil: Weitere Informationen über Schmerzen nach einer Vasektomie
3. Teil: Was verursacht diese Schmerzen?
4. Teil: Behandlungsmöglichkeiten

Bitte beachten Sie, dass im englischen original-Blog die einzelnen Teile - ebenso wie hier - in umgekehrter Reihenfolge stehen (der Blog-Anfang steht unten). Ich möchte auch darauf hinweisen, dass mein Englisch nicht perfekt ist, ich mich aber redlich bemüht habe, sachlich korrekt zu übersetzen.

Weitere Hinweise:

  • Textteile in eckigen Klammern [...] sind Anmerkungen von mir.
  • Links kennzeichen ich mit Verweisen, z.B. (*1), und gebe die Links dann am Ende des jeweiligen Abschnitts an.
  • Bei manchen Links müssen Sie nach Aufruf der entsprechenden Internetseite erst etwas nach unten scrollen (blättern), um den relevanten Text zu sehen.
  • "u.a." bei Quellenangaben bedeutet "und andere"

[geändert von Uwe am Freitag, Februar 9, 2018 @ 09:50:39]

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