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offline Uwe
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1 Geschrieben Freitag, Januar 12, 2018 @ 09:53:28  

Ich möchte hier einen Beitrag von "nagamtuchi" aus unserem alten Forum wiedergeben, den ich sehr lesenswert finde. Der Beitrag befasst sich mit dem möglichen Problem von Nervenschädigungen verursacht durch eine Vasektomie.
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Vasektomie - ist Problemlosigkeit vom Körperfeinbau denn überhaupt zu erwarten?

Es bedarf eigentlich nicht eines Medizinstudiums um zu begreifen, dass ein chirurgischer Eingriff am Samenleiter - und der wird ja durchtrennt - nicht so eine Kleinigkeit ist. Jeder Mann merkt, wenn er den Samenleiter im Hoden tastet, dass der zwar nicht so empfindlich ist wie der Hoden, aber auch ein nur gering stärkerer Druck ist unangenehm und würde auf Dauer sicher zu Schmerzen ausarten und zwar zu den typischen dumpfen schlecht lokalisierten Schmerzen.
Das ist kein Wunder. Sowohl die Hoden als auch die Gebilde im Hodensack und die diversen Leitungen (Samenleiter, Blutgefässe Lymphgefässe) sind von einem Netz von vegetativen Nervenfasern begleitet. Das sind jene Sorte Nervenfasern, die erst nach und nach Schmerz leiten und wahrnehmen lassen und bei Erregung auch alle möglichen Übelkeitsgefühle hervorrufen und dann dauerhaft eben die dumpfen Schmerzen, wie sie uns allen bekannt sind von Entzündungen etc.

Bei der Vasektomie werden diese Nerven, die um den Samenleiter als Netz gelegt sind, durchtrennt. Gut, damit muss man rechnen und das kann gut abheilen. Muss aber nicht: Gut abheilen können die Nervenstümpfe nur, wenn sie seeeehr sorgfältig behandelt und nur im Schnittbereich beleidigt werden,also in einem Bereich von tausendstel (!) Millimetern. Das ist bei einem scharfen Schnitt möglich. Dieses materialschonende Verfahren nennt sich atraumatisches chirurgisches Vorgehen. UND DA LIEGT DER HASE IM PFEFFER !
Allein schon die übliche Verkauterung macht aus der zu fordernden minimalen lokalen Schädigung eine massive Gewebszerstörung.
Das sind enorm viele tote und halbtote Zellen und Gewebsanteile. Sie müssen vom Körper abgebaut, verflüssigt von Fresszellen entfernt werden. Dieser Vorgang ist die Entzündung. Sie läuft bei jeder Verletzung ab und ist umso länger und schmerzhafter, je mehr Material abgebaut werden muss.
Ausserdem muss der durch den Abbau entstehende "Leerraum" wieder mit Gewebe gefüllt werden.Das geschieht nicht durch das originale Gewebe sondern durch ein minderwertiges Ersatzgewebe, nämlich das Narbengewebe. Hier liegen die Fasern nicht so, wie sie der Bedarf benötigen würde sondern kunterbunt. Dazwischen Blutgefässe und die nun auch neu "ausschlagenden" Nervenenden,die ihr Gegenüber suchen.
Das Unangenehme an den Narben ist, dass ihre zunächst elastischen Fasern mit der Zeit härter werden und schrumpfen. Dabei erwürgen die Fasernetze die sie durchziehenden kleinen Blutgefässe, aber auch die wirren Nervensprosse - und das tut weh!!! Klumpen aus Narbenmaterial mit eingewirkten Nervenstämmchen nennt man Narbenneurome - Sie sind eine sehr gut bekannte Komplikation von gewebszerstörenden Verletzungen und kaum zu behandeln.
Das Umbiegen der Samenleiterstümpfe und Rücknähen ist ebenfalls ein Eingriff, bei dem viel Gewebe geschädigt wird, oder glaubt irgend jemand, das das feste Einschnüren von Gewebe etwas anderes ist, als das feste Abschnüren eines Fingers z.B. Die Bauchchirurgen habe ihr Lektion inzwischen gelernt. Heute macht man diese rückgestülpten Nähte tunlichst nicht mehr sondern adaptiert die Darmenden, die zusammenwachsen sollen, mit ganz zarten Orientierungsfäden - den Rest besorgt der Körper.
Und das beschriebene Herumfuhrwerken mit den Fingern um den Samenleiter zu finden ist natürlich ein extrem traumatisches Vorgehen, noch dazu in einem so stark von Nervenfasern versorgten Gebiet: das musste Folgen haben!

Vom Physiologischen her ist ein Operationsvorgehen zu fordern, bei dem extrem gewebsschonend direkt zum Samenleiter vorgedrungen wird, der Samenleiter ganz sanft auf einen kleinen Abschnitt dargestellt, dieser Abschnitt in der Mitte gefasst und beidseits scharf durchtrennt wird, sodass das gequetschte gefasste Stück jenes ist, das ohnehin entfernt wird. Die freien Enden sollte mit feinen Häkchen gehalten und mit Fibrinkleber oder ähnlichem verschlossen werden. (Es gibt heute auch schon Substanzen, die das lokale Zuwachsen anregen.) Sobald die freien Enden losgelassen werden ziehen sie sich entsprechend ihrer Elastizität in entgegengesetzte Richtungen zurück. Ein sorgfältiger atraumatischer Wundverschluss und eine Polsterung gegen Stossverletzungen sollten garantieren, das keine postoperativen Irritationen auftreten.
Mir ist nicht bekannt, ob es Verfahren gibt, die auf Abbindungen der Samenleiterstümpfe verzichten. Das hat auch mit der Haftung zu tun.
Aber das medizinische Problem liegt darin, dass Samen vom Hoden hochgempumpt werden und dann zu einem Samensee im Gewebe führen könnte, wenn der Samenleiter nicht dicht verschlossen ist. Das muss verhindert werden, ist aber nur ein Problem der ersten 14 Tage. Anschliessend müsste der Wundverschluss so fest sein, dass der den Pumpdruck des Samenleiters aushält. Es geht also darum in diesen Tagen einen Samenausstoss zu verhindern. (Eventuell könnte das Epithel in den Stumpfenden ein wenig abgeschabt werden, was die Verwachsung beschleunigen würde.)

Also: wenn der Chirurg/Androloge gut ist und nicht nur von seiner Technik sondern auch von Physiologie viel versteht, dann kann eine Vasektomie wirklich problemlos sein, sonst siehe empörende Leidensgeschichten.
Übrigens, die Tubenunterbindung der Frau ist vermutlich mit den gleichen Problemen behaftet. Alle Teile der Geschlechtsorgane sind massiv von vegetativen Nerven begleitet. Wenn man die in einen Zustand dauernder Reizung bringt, führt das zu einem Martyrium, oft nur dumpf bemerkt.

[geändert von Uwe am Freitag, Januar 12, 2018 @ 13:05:32]

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