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 Agape
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Geschlecht: weiblich aus: Wahlhamburgerin Registriert: Dez 2008 Geburtsdatum: 05-01-
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1 Geschrieben Dienstag, Januar 13, 2009 @ 01:10:57
Hi everybody, good morning! Im Laufe einer makrobiotischen Ernährungsberatung höre ich an irgendeinem Punkt immer wieder dieselbe Frage, begleitet von ratlosen Blicken: Ja was darf ich denn nun überhaupt noch essen? Da bleibt ja gar nichts mehr übrig! Mitnichten! Kurz bevor ich meine Kochausbildung in Schweden begann, stellte mir eine meiner Kochlehrerinnen die Aufgabe, mehrere Tage hintereinander nur ein einziges süßes Gemüse als Hauptbeilage zum Reis zu verarbeiten und es durch immer neue Schneidetechniken, Koch- und Zubereitungsmethoden sowie verschiedene Würzmittel und andere Zutaten auf vielfältige Weise so abzuwandeln, dass man das Gefühl hatte, mit jeder Mahlzeit etwas ganz anderes zu essen als zuvor. Wenn ihr z.B. die Zwiebel nehmt: - Roh schmeckt sie scharf,
- man kann sie pickeln, dann wird sie sauer und knackig,
- wenn man sie auf sehr kleiner Flamme brät, beginnt sie zu schmelzen und wird sehr süß und zart. Ein leckerer Brotaufstrich.
- Fügt man Thymian und Umepaste bei, verändert sich der Geschmack zu süß-säuerlich-pfefferig.
- Kombiniert man diese Variante noch mit geröstetem Sesamöl und etwas Natto-Miso, wird's deftig.
- Halbiert sie und legt sie mit den Schnittflächen auf ein geöltes Backblech und backt sie, bis sie gar sind.
- Viertelt man die Zwiebeln, bevor man sie sautiert und dann mit Suppenstock aufgießt, sie mit Wakame weich köcheln lässt, bevor man Mugi-Miso (Gerstenmiso) hineinrührt und sie mit Frühlingszwiebeln bestreut, schmeckt die Suppe ganz anders, als würde man
- die Zwiebel fein würfeln, sautieren, mit einem Lorbeerblatt und 1 EL roten Linsen köcheln lassen und mit Shiro-Miso (helles Miso), Ingwersaft und viel gehackter Petersilie würzen.
- Ebenso verändert sich der Geschmack, wenn man die Menge der Zwiebeln im Gericht variiert.
- Gib Senf, Reisessig und etwas Suppenstock zu sautierten Zwiebeln in die Pfanne, wenig Ume, Tahin und helles Miso, und püriert hast du eine feine Senfsauce.
- Mit Meerrettich statt Senf und Zitronensaft statt Reisessig und etwas Dill wird es eine leckere Sauce zum Fisch.
- Aus etwas Mehl, Öl, Wasser und Meersalz macht ihr einen dünnen Teig, rollt ihn aus und legt ihn auf ein Backblech. Belegt den Boden mit in geröstetem Sesamöl sautierten Zwiebeln, bestreut sie mit Thymian, begießt die Zwiebeln mit einer Sauce aus Suppenstock, Oregano und Kuzu und backt daraus im Ofen einen Zwiebelkuchen.
Oder nehmt die Karotte: - Sie kann roh gerieben und mit oder ohne Apfel, Rosinen, etwas Öl und Zitronensaft zu einem knackigen Salat verarbeitet werden,
- sie wird süßer, je größer die Stücke geschnitten sind und je länger man sie köcheln lässt. Die weiche Konsistenz von langgekochten Karotten ist sehr befriedigend.
- Karotte, im eigenen Saft gegart, schmeckt mit Zimt gewürzt völlig anders, als wenn man
- etwas Ume unterrührt,
- oder sie mit grob gemahlendem Koriander in einer Backform im Ofen gart.
- man kann sie aber auch im eigenen Saft garen, in etwas Olivenöl schwenken und sie mit viel Petersilie bestreuen,
- oder man schwenkt sie als ganze Karotten mit dem Grün zum Festhalten, im eigenen Saft gegart, in hellem Sesamöl und bestreut sie mit gerösteter Sesamsaat.
- Man kann eine Cremesuppe daraus machen,
- eine Misosuppe mit Wakame
- und einen Nachtisch aus dem Saft, angedickt mit Kuzu, gewürzt mit etwas geriebener Orangenschale, der so aussieht und schmeckt wie Orangenpudding.
Das waren nur zwei Gemüsesorten und schon eine ganze Menge Ideen, wie man sie verarbeiten könnte. Dazu etwas Getreide und grünes Gemüse, ein paar Hülsenfrüchte oder ein Stück Tofu, Seitan oder Tempeh, als Beilage oder mit dem Gemüse gemeinsam verarbeitet, ein paar Pickles - schon habt ihr immer neue Menüs auf der Grundlage von im obigen Beispiel nur zwei verschiedenen Hauptgemüsen. Und wieviele verschiedene Gemüsesorten gibt es? Und wieviele Kombinationen? Wie kann es da langweilig werden? Schaut mal auf die Suppenseite von sturmruhe.de, ich glaube, es müssen inzwischen an die 100 Suppenrezepte dort gesammelt sein. Und keine einzige Suppe schmeckt wie die andere, oder sieht wie die andere aus. Ja, das ist mein Rat an die Neulinge: Stellt euch die Aufgabe herauszufinden, was alles ihr mit einer einzigen Gemüsesorte anstellen könnt, bevor ihr zur nächsten übergeht. Ihr werdet euch wundern! Und am Ende sind eurer Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt. Dann wisst ihr, was ihr mit den Gemüsen anfangen könnt. Und ihr spürt, was diese Gemüse und die verschiedenen Zubereitungsarten mit euch machen. Und noch etwas sehr Wichtiges: Ihr dürft ALLES essen - verboten ist gar nichts, solange ihr einen Ausgleich schafft. Die Frage ist nur, wie gut vertragt ihr das? Wenn ihr "Verbotenes" wie Zucker zu euch nehmt, beobachtet über ein paar Tage hinweg, was sich verändert. Bei mir beispielsweise verändert sich dann mein Koordinationssytem. Das Nervensystem wird nämlich durch die Aufnahme von raffiniertem weißem Zucker (extremes YIN) geschwächt. Ich stoße dann beim Essen mein Glas um, oder ich renne gegen Türpfosten, weil ich die Kurve nicht mehr richtig einschätze, oder ich passe im Straßenverkehr nicht mehr richtig auf - Konzentrationsprobleme und eine leichte Neigung zu Aggressivität treten auf. Daran merke ich z.B. auch, dass mir irgendwo weißer Zucker untergeschummelt wurde. Die Frage ist also nicht, was DARF ich denn noch essen, sondern sie lautet für mich: Was WILL ich denn noch essen? Viel Spaß dabei dies herauszufinden, und Liebe Grüße Marion  --------------------
"You don't get to choose how you're going to die. Or when. You can only decide how you're going to live. Now." Joan Baez, Singer, Songwriter and Activist
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 Kerstin
Second Lieutenant
Geschlecht: weiblich aus: NRW Registriert: Jan 2009 Geburtsdatum: 02-11-
Beiträge: 669
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2 Geschrieben Dienstag, Januar 13, 2009 @ 20:35:39
Hallo Marion, schön, dass ich Dich zu diesem Bericht angeregt habe. Die Naturprodukte geben wirklich viel her. Die Kombinationsmöglichkeiten, Formvariationen, Zubereitungsarten, Würzverhältnis, ... übersteigt meine Vorstellungskraft. Sie sind wahrscheinlich unendlich. Ich halt mich an Deinen Tipp und koche eine neutrale Gemüsebrühe als Basis. Und dann rein mit den guten Zutaten. Im Gemüsebereich bin ich recht firm, da ich sie leidenschaftlich esse. Aber trotz meines Alters lerne ich doch noch dazu. Mir ist eine sizilienische Zucchini über dem Weg gelaufen (blassgrün, knubbelig mit Stacheln). Na, die ist morgen dran :-) Defizite habe ich im Getreide- und Vollkornbereich. Ich habe nie zuvor mit Hafer, Quinoa, Amaranth, Kamut, Dinkel, Emmer... gearbeitet. Ich muss erst einmal experimentieren, was man damit so alles machen kann. Liebe Grüße aus dem aufgetauten NRW Kerstin --------------------
senza pietà
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 Karin
Sergeant First Class
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Beiträge: 88
Stimmung:
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3 Geschrieben Dienstag, Januar 13, 2009 @ 21:16:29
Danke für diesen tollen Tip, Marion! Das ist eine Herangehensweise, die vielleicht sogar mich dazu bringen könnte, zu experimentieren. Bisher bin ich da nämlich eher zaghaft. Aber wenn man's in kleinen Mengen anfängt, so dass im schlimmsten Fall nicht zu viel verdorben ist, sollte ich das hinbekommen! Ich hab mir jetzt spontan vorgenommen, das zu probieren, jeden Tag ein neuer kleiner Versuch. Möhren habe ich noch ausreichend...  Kerstin, kleiner Tip zu Getreide: was ich als Beilage wirklich liebe, ist eine Mischung von Naturreis und Gerste im Verhältnis 2:1. Das ist so richtig saftig und lecker. Ich koche das meist 45 Min. im Schnellkochtopf, so viel, dass ich den Rest im Kühlschrank für weitere Portionen aufheben kann. Das habe ich auch schon mit Weizen probiert, mit dem selben guten Ergebnis. Die Idee dazu habe ich aus dem MB-Kochbuch von Aveline Kushi. --------------------
What has a front has a back - and the bigger the front, the bigger the back! (Dirk Benedict in 'Confessions of a Kamikaze Cowboy') 
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 Agape
Board Owner
Geschlecht: weiblich aus: Wahlhamburgerin Registriert: Dez 2008 Geburtsdatum: 05-01-
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4 Geschrieben Mittwoch, Januar 14, 2009 @ 12:43:44
Hallo Kerstin, ich finde es auch gut, dass wir uns hier gegenseitig kreativ bereichern können. Jeder soll sich das herausziehen, was er gerade gebrauchen kann. Und mein Vorschlag mit nur einem Nahrungsmittel zur Zeit zu experimentieren bezieht sich nicht nur auf Gemüse - es war ein Beispiel, weil gerade mit den süßen Gemüsen so viel Variation möglich ist. Aber dasselbe gilt für die Proteine und auch für das Getreide. Allerdings gilt für das Getreide - zumindest nach den allgemeinen makrobiotischen Richtlinien: Vollkorn-Rundkornreis für jeden Tag, Ergänzungen mit den anderen Getreidesorten, entweder mit dem Reis gemischt, oder auch eigenständig. Der Rundkornreis hat eine ausgeglichene Energie, die als Grundlage für eine ausgewogene Ernährung ideal ist. Die makrobiotische Ernährung soll uns ja weg von den Extremen und mehr in unsere eigene Mitte bringen. Zuviel Hin und Her ist dabei nicht förderlich. Ich koche immer eine große Reisportion und bewahre den Rest gekühlt auf. Zum einen nehme ich davon für den Morgenbrei - einfach den Reis mit etwas Wasser, einer Prise Salz und evtl. mit Rosinen aufkochen, auf kleinster Flamme köcheln lassen und mit gerösteten Mandeln, Nüssen, Samen oder Gomasio anrichten. Schmeckt auch lecker mit Rosinensauce - Rosinen in Wasser mit etwas Apfelsaft und einer Prise Salz gekocht, evtl. mit wenig Kuzu angedickt, ein gesundes Süßmittel. Zum anderen erwärme ich mir den Reis portionsweise als Beilage zu den Hauptgerichten. Das geht am schonendsten in einem Sieb über Wasserdampf - diese Methode ist auch für andere Reste zu empfehlen. Was die anderen Getreide betrifft, sind für den Moment Hirse und Buchweizen empfehlenswert, weil sie wärmen. Du kannst auch Hafer nehmen, er wärmt ebenfalls, braucht aber eine lange Kochzeit, auch im Drucktopf, damit er gut verdaulich ist. Für die wärmere Jahreszeit sind Getreide wie Polenta, Couscous, Bulgur, aber auch Langkornreis geeignet. Nicht, dass du nicht alle Getreide übers ganze Jahr verteilt nutzen kannst, aber es ist gut zu wissen, dass die einen eher wärmen, die anderen eher in den Sommer passen. Dann kannst du sie entsprechend einsetzen. Ist dir kalt, nimmst du sicher nicht Couscous. Zu Fisch passen als Ausgleich ebenfalls die leichteren Getreidesorten, z.B. auch der Langkornreis, aber auch ruhig mal weißer Basmatireis. Im IMI-Kiental gab es zu Fisch immer beides im Angebot: Rundkornreis und weißen Reis, und wir haben uns dann normalerweise mit beidem bedient. Amaranth und Quinoa mische ich gerne mit Reis, z.B. 2 Teile Reis und 1 Teil des zweiten Getreides. Was ebenfalls sehr gut schmeckt und praktisch ist: die Kombination von Getreide und Hülsenfrüchten, gemeinsam gekocht. Besonders lecker finde ich Rundkornreis und Azukibohnen, aber auch Kichererbsen passen sehr gut. Probier doch mal roten Reis aus - auch ruhig mal in Verbindung mit Azukis. Das gibt ein tolles Farbspiel auf dem Teller. Hallo Karin, schön, dass mein Tipp bei dir so gut angekommen ist und er dich sogar zum Experimentieren anregt! Das freut mich sehr. Weißt du, ganz am Anfang habe ich selber einiges produziert, das ich niemandem angeboten hätte, und manches habe ich selber dann auch nicht gegessen. Ich mag gar nicht an meine ersten gebratenen Tofuscheiben denken - Schuhsohlen waren gar nichts dagegen - Gummisohlen, wohlgemerkt, und mein armer Sohn, damals 17, hat ein "schreckliches" Tofutrauma davongetragen. Ich glaube, freiwillig würde er sich nirgends ein Tofugericht bestellen. Allerdings hat er später bei mir Tofugerichte probiert und weiß nun, dass es auch anders geht. Aber so läuft es halt - wir experimentieren und üben, bis es klappt. Ein altes Sprichwort beschreibt das so: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Also viel Spaß mit deinen Möhren! Ich würde gerne hören, was du alles ausprobiert hast und wie deine Erfahrungen mit diesere Art des Kochtrainings sind. Bestimmt interessiert das auch andere Leser, die hier im Forum stöbern. Das sind übrigens gar nicht so wenige, und ich hoffe, irgendwann beteiligen sie sich auch aktiv bei uns. Das würde mich sehr freuen. Übrigens, so wie du Reis und Gerste mischst, kannst du auch mit allen anderen Getreidesorten verfahren. Bei Weizen, das hast du sicher schon gemerkt, brauchst du allerdings auch wieder eine längere Kochzeit als Reis, damit er leichter verdaulich wird. Es mag zwar sein, dass er dir nach 45 Minuten gar vorkommt, aber besser ist es ihn länger zu garen, damit er richtig aufgeschlossen wird. Ich spreche hier von ganzen Körnern des Vollkornproduktes, nicht von Bruchweizen oder Grütze. An alle: Zum Weizen und auch zum Roggen fällt mir noch ein: Setzt doch mal Sprossen ein und mischt sie in Brotteig, oder kocht sie mit dem Reis. Ihr könnt sie auch in Misosuppe geben. Dasselbe geht mit Hülsenfrüchten: Linsensprossen gehen sehr schnell, aber auch Kichererbsensprossen sind lecker. Grundätzlich sollten Bohnensprossen aber kurz gekocht werden, nicht roh essen. Sprossen haben den Vorteil, dass sich während der Entwicklung sehr viele Nährstoffe, Vitamine und Mineralien bilden, die in dieser Menge und Zusammensetzung sonst nicht vorhanden sind. Davon können wir profitieren. Wenn ihr Kichererbsensprossen in etwas Öl und mit 1 Prise Meersalz in der Pfanne bratet, habt ihr eine leckere, nussig schmeckende Würzbeilage, die ihr über den Reis streuen oder unter einen Eintopf rühren könnt. Sonnenblumensprossen brauchen ca. 2 - 3 Tage, und ich mag sie persönlich gerne in Salaten, püriere sie aber auch gerne mit Restgemüse und Tahin zu einem nahrhaften Brotaufstrich. Mandelsprossen sind ebenfalls sehr lecker und nahrhaft. Die beste Sprossenzeit ist übrigens der Frühling! So, das war mein Wort zum Mittwoch - nun muss ich mich sputen. Euch wünsche ich einen schönen Tag! Liebe Grüße Marion --------------------
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Ja, ich weiß, ich bin neugierig - aber es interessiert mich. Bei mir hat sich über die Jahre sehr viel verändert...
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