2 Geschrieben Sonntag, März 1, 2009 @ 19:40:12
Hi Kerstin,
ich teile deinen Eindruck. Die einen sehen die Makrobiotik als letzten Strohhalm (viele Krebspatienten z.B.), oder auch als eine Art zeitlich begrenzte Diät zum Gesundwerden, aber hinterher darf man wieder. Und andere haben begriffen, dass sie besser einen Schritt zurück machen in Richtung unserer traditionellen, ehemals gesunden Ernährung. Die bleiben meistens dabei. Dann gibt's aber auch welche, die erstmal aus gesundheitlichen Gründen damit beginnen, dann aber merken, was sich alles an Positivem daraus ergibt. Die bleiben auch dabei, weil sie bereit sind in sich hinein zu spüren.
Ich war fassungslos, als ich zum ersten Mal mitbekam, was in englischen Schulkantinen angeboten wurde: Meat Pie, Chips, Apple Pie, Fisch & Chips - all so'n Zeugs, kein frisches Obst, kaum Gemüse, wenn dann totgekocht, einfach nur furchtbar. Und die Kids? 1/3 davon übergewichtig. Die Snacks zwischendurch kamen dann aus dem Automaten: alle möglichen Süßriegel u.ä., massenhaft Zucker drinnen. Dazu: Cola, Fanta & Co. Zuhause bei Muttern gibt es oft nichts anderes. Deshalb sind ja viele Mütter auch in die Schulen gerannt und haben ihren "armen" Kids Pommes durch den Zaun gereicht, als die Reform in Gang kam. Unglaublich. Und diese Mütter selber stark übergewichtig. Du hast völlig Recht, viele dieser Mütter kamen aus der weniger gebildeten Bevölkerung, die sich z.T. auch Naturkost oder die ganzen Makrosachen sowieso nicht leisten zu können meinen - oder es auch wirklich nicht können. Jedoch: Man kann Makrobiotik auch ohne die Makroartikel praktizieren. Getreide, Bohnen, frisches und wechselndes Gemüse, frische Kräuter, ab und zu Fisch - schon bist du gesund ernährt. Und preiswert ernährt. Und satt.
Als ich in Australien lebte, habe ich mein Englischstudium damit finanziert, dass ich in einem französischen Takeaway Shop als Sandwichhand arbeitete. Das Lieblings-Sandwich der Kids und ihrer Daddies aus den unteren Bevölkerungsgruppen war folgendes: Eine Scheibe weißes, getoastetes Brot, Butter, eine Lage Pommes, ein Spiegelei darauf, zwei Scheiben Bacon darüber, Ketchup, nein, bitte kein Salatblatt, eine weitere Scheibe weißen Toast obendrüber. Und nach der Schule holten sich die Kids einen Meatpie (Fleischpastete aus der Mikrowelle) und eine große Portion Pommes - und jetzt kommt der Brüller: Bitte mit Essig, keine Mayo. Der Essig macht nämlich nicht dick. ROFL. Aber runtergespült wurde mit Coke.
Die Ladies aus dem Bankenviertel und ihre Kids aßen da bewusster: Vogels Bread stand für Vollkorntoastbrot, eine deutsche Marke. Ganz dünn Mayo drauf, dann Salat. Das Salad Sandwich erfreute sich unter diesen Ladies großer Beliebtheit. Oder auch ganz fein gezupfte Hühnerbrust (damit war ich morgens Stunden beschäftigt, die übriggebliebenen Brathühner auseinanderzuzupfen). Oder auch grated cheese - ganz fein geriebener Käse, das hat viel Volumen, aber wenn man es zusammendrückt, ist es nur eine dünne Scheibe. Dazu gab's dann eine Vanillajoghurt - damals DIE Neuheit. Schon sehr spannend, die Ernährungsgewohnheiten der verschiedenen Klassen.
Wenn ich beim One-World-Festival bin, sieht man eher die gesundheitsbewussten Leute, aber sobald man sich von der campsite entfernt, trifft man sie, die Ernährungsfreaks der dritten Art. Natürlich auch andere, es gibt inzwischen eine ganze Menge ernährungsbewusster Menschen in England. Aber eben auch viele Uninteressierte.
Wie bei uns hier in Deutschland. Ein Grund für meine Homepage und dieses Forum ist genau der: Information, Unterstützung für diejenigen zu geben, die etwas ändern wollen. Wir müssen klein anfangen, das greift vielleicht nur bei ein paar Leuten, aber die tragen es weiter, und dann sind da wieder ein paar mehr, die etwas ändern wollen, und plötzlich akkumuliert sich das zu einer starken Gruppe, die etwas bewirken kann. Wir hier tun einen wichtigen Schritt. Laurence z.B. haben wir schon "infiziert". Gut S. Freundin leider nicht, aber wer weiß, wer unsere Ergüsse hier liest und dann den nächsten Schritt macht? Ich sehe ja immer, wieviele unsichtbare Gäste hier sind, und wieviele von denen sich hinterher mit sturmruhe.de verbinden (zeigt meine Statistik an). Also, wir sind da schon ganz gut dabei.
So, und jetzt muss ich erstmal. Hab' noch einiges zu tun - Unterricht vorbereiten für morgen, z.B..
Erstmal liebe Grüße
Marion 
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"You don't get to choose how you're going to die. Or when. You can only decide how you're going to live. Now." Joan Baez, Singer, Songwriter and Activist