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offline Tenzo
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1 Geschrieben Freitag, August 28, 2009 @ 18:09:21  

Ernährung im Naikan

In Naikan-Zentren hat sich so etwas wie eine "Naikan-Küche" entwickelt. Es geht vor allem darum, dass die Speisen leicht verdaulich und gesund sind um das Denken nicht zu belasten. Meist ist es vegetarisches Essen, oft Vollwertkost (Getreidebrei, Müsli) sowie Tofu, Kürbis etc. Für den Naikan-Koch kann es eine interessante und lehrreiche Erfahrung sein.

Da die Naikan-Teilnehmer jeder für sich hinter einem Paravent sitzen, bringt der Naikan-Leiter die Speisen auf Tabletts zu den Übenden und holt sie wieder ab. Ein Blick auf die Schalen offenbart dem Koch dabei durchaus einiges:

Einige Personen sind von ihrem Innenleben derart in Anspruch genommen, dass sie die Speisen eher zerwühlen und zerrupfen anstatt zu essen. Bei anderen kann man Vorlieben und Abneigungen erkennen - wenn etwa die Pilze immer an den Rand geschoben werden. Allerdings müssen auch sauber leer gegessene Schalen nicht unbedingt Zeichen für einen besonders ausgeglichenen Charakter sein - ein zwanghafter Neurotiker würde sein Geschirr sicher ebenso gründlich reinigen (oder er war zu lange in einem Zen-Kloster wie wir unten sehen werden).

Ernährung im Zen

Spätestens seit dem Buch "Zen-Makrobiotik" bringen viele Menschen die makrobiotische Ernährungs- und Lebensweise mit der Küche der japanischen Zen-Klöster in Verbindung. Eine direkte Verbindung, wie etwa, dass Zutaten nach den Regeln von Yin/Yang ausgewählt werden gibt es dort jedoch nicht. Dennoch hat das Kochen selbst in den Klöstern eine besondere Bedeutung und das Amt des Kochs (Tenzo) ist eine wichtige Position im Kloster - ist er doch für die Gesunderhaltung der Gemeinschaft verantwortlich.

Im Zen wird gelehrt, dass jede Handlung eine "Übung des Weges" sein und aus diesem Grund mit der gleichen Achtsamkeit durchgeführt werden soll wie das Zazen (Sitzmeditation). Diese Geisteshaltung betrifft auch das Kochen und so ist es wenig verwunderlich das Dogen Zenji, Begründer der Sôtô-Linie des Zen in Japan ein eigenes Buch hierzu verfasste - das "Tenzo kyokun" (Anweisungen für den Koch).

Neben dem Achtsamkeits-Aspekt spielt der Geist des Bodhisattva-Gelübdes eine wichtige Rolle in der Zen-Küche. Dadurch, dass man bei der Jukai-Zeremonie, mit der man formell Buddhist wird, die Bodhisattva-Gelübde abgelegt hat, ist man verpflichtet keinem Lebewesen Schaden zuzufügen.

Da für jede Mahlzeit jedoch Lebewesen getötet werden mussten, wird vor den Mahlzeiten ein Text rezitiert mit dem einem bewusst gemacht wird, dass man die Speisen mit Dankbarkeit annimmt und als Ansporn nimmt, auf dem Weg weiter voranzuschreiten, damit das Opfer der Lebewesen nicht umsonst war. Es ist also eine Geisteshaltung die dem "unbewusst etwas in sich reinstopfen" zutiefst entgegen gerichtet ist.

Hauptmahlzeit in japanischen Zen-Klöstern und vielen Zen-Zentren weltweit ist in der Regel die "Genmai/Guenmai" eine Art Reissuppe mit Gemüse, die nach dem Morgen-Zazen (Sitzmeditation) gegessen wird. Meist bleibt etwas davon übrig, das am folgenden Tag der neu gekochten Suppe wieder hinzugegeben wird. man isst also gewissermaßen immer "die selbe Suppe" da der Rest vom Vortag immer hinzugefügt wird. So entsteht eine Art Kreislauf des Lebens - aus Altem erwächst Neues.

Meister Dogen sagt dazu im "Tenzo Kyokun":

Wenn die Genmai echt ist,
wird alles echt.
Wenn alle Handlungen des Lebens
echt sind,
wird auch die Genmai echt.

Der Zeitplan in Klöstern ist sehr straff, so dass Aspekte wie yinnisierende/yangisierende Schnitt-Techniken keine Rolle spielen. Natürlich finden jedoch Zutaten die für uns zunächst exotisch waren und nun als "typisch makrobiotisch" gelten, dort ganz selbstverständlich ihren Platz in den Gerichten.

So soll etwa der eingelegte Rettich oder "Takuan" vom Zen-Meister Takuan Sōhō entwickelt worden sein, wie auch Tsukemono (eingelegtes Gemüse/Gemüse-Pickles) wie etwa die Umeboshi, seit jeher Bestandteil der traditionallen japanischen Küche sind.

In den Klöstern wird auf genau festgelegte Weise mit einem bestimmten Schalenset (Oryoki) gegessen, das Essen findet in völligem Schweigen statt. Teil dieser ritualisierten Mahlzeiten ist es, am Ende die eigenen Schalen mit einem Schaber oder einem Stück Takuan auszukratzen und mit Wasser zu spülen. Nachdem sich alle Essensreste von den Schalenwänden gelöst haben, wird auch das Wasser mit den Nahrungsresten getrunken, so dass weder bei der Zubereitung noch beim Essen auch nur ein einziges Reiskorn verschwendet wird. In der Tat wird der Tenzo dafür gerügt wenn er Lebensmittel vergeudet oder wegwirft.

Während in einigen Klöstern sehr langsam gegessen wird, finden in vielen die Mahlzeiten in großer Eile und wie auf dem Sprung statt - gilt es doch zu meditieren und nicht beim Essen "herumzutrödeln" Aufgrund der Einseitigkeit der Ernährung (Reisssuppe, Reis und Gemüse, Reis und...), und der Hektik beim Speisen leiden gerade am Anfang viele Klosterneulinge unter Verstopfungen und auch unter Mönchen sind Magenprobleme und Hämorrhoiden keine Seltenheit.

Was bedeutet das nun für den kochwilligen Durchschnitts-Zen-Buddhisten der nicht in einem Kloster lebt?

Er sollte natürlich möglichst vegetarisch leben, die Grundsätze nichts zu verschwenden und bewusst, mit dankbarem Geist zu essen, sollten auch für ihn gelten. Da Geist und Körper am besten funktionieren wenn auch letzterer gesund ist, empfiehlt es sich also eine gesunde Essweise an den Tag zu legen.

Die Makrobiotik eignet sich für diesen Zweck sehr gut und wenn man seine Aufmerksamkeit wirklich ganz dem Kochen widmet und nicht noch nebenher telefoniert, liest oder raucht, dann kann auch die Zubereitung von (makrobiotischen) Speisen eine meditative Übung auf dem Buddhaweg werden.

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