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 Agape
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Geschlecht: weiblich aus: Wahlhamburgerin Registriert: Dez 2008 Geburtsdatum: 05-01-
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1 Geschrieben Montag, Dezember 8, 2008 @ 22:33:41
Kurz vor meinem Umzug von Hamburg nach Berlin im letzten Jahrhundert *lach* setzte mir mein zukünftiger (jetzt Ex-) Lebensgefährte die Pistole auf die Brust: Ich sollte an einem Meditations-Retreat teilnehmen, um mich auf unser gemeinsames Leben einzustimmen. Zehn Tage schweigend meditieren ind Bad Neuenahr. Was tut man nicht alles aus Liebe - ich hab's getan und eine sehr interessante Erfahrung gemacht. Anfangs war ich nicht gerade "amused" - wer hat schon Lust zehn Tage nicht zu sprechen, wenn er nicht selber auf die Idee kam? Und wer will ohne Lesestoff und andere Ablenkungen leben? Dann waren da noch die Regeln, die es einzuhalten galt - wie in einem Kloster. Nur einmal täglich essen, nachmittags gab es Obst für die Neulinge wie mich, und das war's. In den Zimmern waren die Betten so aufgestellt, dass wir uns nicht ansehen konnten, und reden war verboten. Einmal täglich fragte uns die Meditationsleiterin, wie es uns ging, und wir antworteten. Erstaunlich, dass die Stimme noch funktionierte. Zudem hatten wir uns vor Retreatbeginn verpflichten müssen die ganzen zehn Tage dort zu bleiben, oder aber sofort wieder abzureisen. Ich war geblieben. Das Seminarhaus wurde abgeschlossen. Die Außenwelt sahen wir nur von der Rückseite des Seminarhauses, das oben auf einem Berg stand, mit einem weiten Blick über Bad Neuenahr. Es war Herbst, und die Bäume leuchteten in allen nur möglichen Erdfarben. Der Rasen war noch sattgrün und duftete, ein schmaler Bach plätscherte frisch und kühl den Berg hinunter, aber es lag auch schon ein Hauch Vergänglichkeit in der Luft. In dieser Umgebung meditierten und lebten wir. Von Tag zu Tag veränderte sich mein Blickwinkel, auch die Tiefe, die sich mir in meinem eigenen Wesen erschloss. Täglich zehn Stunden meditieren - das ist eine einschneidende Erfahrung. Dawar z.B. die Sache mit dem Brief. Bücher und Schreibzeug hatten wir abgeben müssen, und so musste ich den Brief, den ich meinem zukünftigen Ex schreiben wollte, im Kopf formulieren. In jeder Pause formulierte ich daran herum. Interessanterweise wurde dieser Brief immer kürzer, all die Beschwerdepunkte, die ich eigentlich vor dem Einzug in unser gemeinsames Haus loswerden wollte, wurden immer weniger wichtig, und in gewisser Weise wurde ich sie auch wirklich los - für immer. Sie verschwanden einfach aus meinem Bewusstsein. Am Ende des Retreats war nur noch ein einziger Satz übrig geblieben - ich musste lachen und habe ihn schließlich auch noch gestrichen. Ich hatte meine Sichtweise verändert, ohne es zu merken. Aber auch die Art und Weise, wie ich mich selber und meine Umwelt sah, rein äußerlich, veränderte sich zusehends. Die Farben in der Natur veränderten sich, wurden leuchtender, intensiver, und ich konnte den Duft von Dingen wahrnehmen, bei denen ich vorher nie etwas wahrgenommen hatte. Die grauen Mäuse unter uns begannen zu strahlen, ihre Haut wirkte fein und porzellanartig, die Augen leuchteten, während die Frauen, die ich anfangs für attraktiv gehalten hatte, mit der Zeit eine immer gröbere Energie ausstrahlten, die Haut wirkte grobporiger, die Haare verloren ihren Glanz. Wir durften nur sackartige Kleidung und Leggins tragen, keinen Schmuck, keine Schminke - und so zeigte sich mit zunehmender Meditationspraxis ein ganz anderes Bild als die Maske, die wir sonst alle tragen. Ich konnte plötzlich die Schönheit unter der Oberfläche wahrnehmen. Als man uns schließlich am neunten Abend mitteilte, dass wir am nächsten Morgen nach der Frühmeditation alle wieder ins "heilige Reden" zurückgehen sollten, fand ich das grausam. Es war ein Gefühl, als würde ich ein zweites Mal durch den Geburtskanal in eine feindliche Welt hinausgestoßen, eine kalte und laute Welt. Das ging nicht ohne Tränen ab. Und den anderen Teilnehmern erging es ähnlich. Erst ganz am Ende des Frühstücks am letzten Morgen begannen wir langsam und vorsichtig aufeinander zuzugehen. Doch dann hatten wir einen ganzen Tag zum Austauschen, zum Einstimmen und Wiedereintreten in die Welt, hinaus aus der Blase, die uns für beinahe zehn Tage die Chance gegeben hatte in uns hineinzuschauen und einen Prozess zu durchlaufen, den wir ohne die Abgeschiedenheit und den Schutz des Meditationshauses wohl nie hätten durchleben können. Noch heute praktiziere ich Vipassana, wenn ich zu mir selbst finden will, wenn ich eine Entscheidung treffen muss, wenn ich Ruhe finden will. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? --------------------
"You don't get to choose how you're going to die. Or when. You can only decide how you're going to live. Now." Joan Baez, Singer, Songwriter and Activist
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 lauraflora
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2 Geschrieben Sonntag, Dezember 21, 2008 @ 20:04:44
Hallo Marion, also ich finde es super, das du das mitgemacht hast. Es gibt ja auch in Klöstern Schweigewochenenden. Finde ich persönliche sehr interessant und ich würde auch gerne mal das machen, einfach um diese Erfahrung zu machen was pasiert in einem. Aber ich kann mir das für die nächsten Jahren abschminken, da ich mit meinem kleinen Sohn 24 Std zusammen bin. Ich bin ja schon froh einmal im Monat an einem Gottesdienst alleine teilzunehmen. Liebe Grüße lauraflora --------------------
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 Agape
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3 Geschrieben Sonntag, Dezember 21, 2008 @ 23:32:49
Hallo Lauraflora, ja, ich bin auch sehr froh, dass ich mich damals überwunden habe, denn die Erfahrung war sehr tiefgehend und hat meine Haltung gegenüber der Welt, meinen Mitmenschen und vor allem mir selber sehr verändert. Nachdem der Kurs beendet war, hatte ich eine Verabredung in Österreich. Ich sollte einer Hotelbesitzerin ein paar Tage lang das makrobiotische Kochen beibringen, da sie einige Gerichte auf ihre Speisekarte nehmen wollte. Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie fremd ich mich fühlte, als ich in den vollbesetzten Zug stieg und um mich herum im Großraumwagen Stimmengewirr herrschte. Es kam mir ungeheur laut vor! Und dann sprach mich auch noch der Schaffner an. Ich erschrak mich regelrecht - 10 Tage lang hatte außer der Meditationslehrerin niemand mit mir gesprochen, und die auch nur mit leiser Stimme... Drei Tage hat es gedauert, bis ich wieder halbwegs "normal" war. Und drei Monate brauchte mein Körper, um all den Müll, der sich offenbar während der zehn Schweige- und Meditationstage in mir gelöst hatte, in Form von "Montesumas Rache" los war. Es war schon beängstigend - aber ich fühlte mich dabei niemals schwach. Ich wusste einfach, das Zeug musste raus. Wenn du schon keine zehn Tage weg kannst - vielleicht lässt sich ja ein Dreitagekurs organisieren, wenn dein Baby ein bisschen älter ist - sogar ein eintägiger Kurs wird angeboten, aber das ist nicht dasselbe, und das lohnt sich nur, wenn man in der Nähe wohnt. Hier ist ein Link, da kannst du mal schauen, was vielleicht machbar ist: http://www.dhamma.org/de/schedules/schdvara.shtml#course Liebe Grüße Marion
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 lauraflora
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4 Geschrieben Montag, Dezember 22, 2008 @ 21:32:44
Hallo Marion, vielen Dank für die Seite von Vipassana. Ich werde sie mir aufheben, vielleicht komme ich doch mal dahin. Einen schönen Abend Lauraflora --------------------
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 Agape
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5 Geschrieben Sonntag, Januar 25, 2009 @ 17:53:04
Hallo, ich muss an dieser Stelle unbedingt erzählen, was so ein Austausch im Forum bewirken kann - auch für den Betreiber! Nachdem aufgrund meines Beitrages für das Forum auch für mich das Thema Meditation wieder mehr in den Vordergrund gerückt war, habe ich mich regelmäßiger zum Meditieren hingesetzt. Inzwischen habe ich mir wie früher eine kleine "Ruheinsel" eingerichtet, eine Art kleinen Altar mit einer Buddhafigur, aber auch einer Engelfigur, einer chinesischen Papierlampe und Blumen. Es ist erstaunlich, was bei einer solchen Sitzung alles "zum Vorschein" kommt. Ich habe mir angewöhnt ein kleines Meditationstagebuch zu führen, in das ich Gedanken und Eindrücke zu den Sitzungen eintrage. Es ist erstaunlich, was für mich so alles "in Gang" gekommen ist. Und das Verrückteste: Seitdem sind offenbar alle mir wichtigen Leute in meiner Umgebung ebenfalls in eine Art Prozess geraten. Ich bekomme Anrufe von Freunden, die sich plötzlich mit allen möglichen "Leichen im Keller" befassen, mein Sohn hat sich von seiner Freundin getrennt und eine Therapie begonnen, und ein guter Freund erzählte mir eben am Telefon, dass er neuerdings wieder meditiert - wir hatten aber vorher nicht über meine Aktivitäten in dieser Hinsicht gesprochen. Und er hat sogar eine befreundete Nachbarin überredet mit ihm zu meditieren - als ich ihm vorschlug, wir könnten doch eine Gruppe bilden, meinte er, er hätte mir denselben Vorschlag machen wollen. Jetzt werden wir uns regelmäßig treffen und gemeinsam meditieren. Ist das nicht verrückt? Liebe Ursula, um auf deine zeitlichen Schwierigkeiten zurückzukommen - vielleicht wäre das ja auch für dich machbar? Während dein Kind schläft, könntest du dir doch Gleichgesinnte einladen, die mit dir einmal pro Woche gemeinsam meditieren. Und an den restlichen Tagen meditierst du für dich. Du könntest dir auch eine kleine Ecke einrichten, die nur zur Besinnung und für spirituelle Übungen gedacht ist. So hast du ein gutes Gewissen, kommst zu deinen spirituellen Übungen, und alle sind zufrieden. Hier noch ein Buchtipp - es war mein erstes Übungsbuch vor vielen Jahren. In diesem Buch beschreibt eine Amerikanerin, wie es ihr auf ihrer Reise ins Innere ergangen ist, die sie in verschiedene thailändische Klöster geführt hat. Sie beschreibt ihre Emotionen, ihre Visionen, aber auch ihre Reaktionen, und sie erzählt etwas zu den Übungen, die sie machen musste. Es ist ein interessantes Buch, wenn man in die Meditationspraxis einsteigen möchte, weil es Antworten gibt, die man als Anfänger möglicherweise hat. Das Buch heißt: Wandlung durch Meditation Jane Hamilton-Merritt ECON-Verlag ISBN 3-612-23049-2 Vielleicht interessiert es ja den einen oder den anderen. Ich werde es auch noch bei den Buchtipps einstellen, mit etwas mehr Info, aber das schon mal vorweg. Liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend
Marion --------------------
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 drago
First Sergeant
Geschlecht: männlich aus: Sevenoaks, UK Registriert: Feb 2009 Geburtsdatum: 23-03-
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6 Geschrieben Dienstag, März 3, 2009 @ 21:08:04
Hi Marion, hab grad deinen Beitrag über Vipassana entdeckt. Ich hab auch mal an so einem Seminar mitgemacht, auch zehn Tagen, aber in Kent, da war ma so ein Guru, der ist rumgereist und hat so Seminare angeboten. Das war eine sehr gute Erfahrung. Meditierst du noch immer regelmäßig? Ich mach hin und wieder, aber nicht jeden Tag. Ich würd gern ma wieder zehn Tage nur schweigen gehen, schau mir ma den link an. Aber in nächste Zeit hab ich zuviel Buchungen, kann leider nicht weg. Wenn da was wegfällt oder ausläuft, mach ich das vielleicht. Hey, da können wir ja beide zusammen hingehen. ta da, drago --------------------
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 Agape
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7 Geschrieben Dienstag, März 3, 2009 @ 21:21:22
Hi Drago, in der nächsten Zeit werde ich mich nicht frei machen können, zumindest nicht für 10 Tage. Aber wenn es mal passt, klar, können wir zusammen machen. Allerdings werden wir dann sofort getrennt, Männlein und Weiblein meditieren zwar im selben Meditationsraum, aber sie wohnen, essen und relaxen in verschiedenen Gebäuden. Ciao Marion  --------------------
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Habt ihr Erfahrungen mit therapeutischen Maßnahmen bzw. Therapeuten, Heilpraktikern, oder Ärzten gemacht? Oder mit makrobiotischen Beratungen bzw. Beratern? Wie ist es euch ergangen? Habt ihr Fragen? Seid ihr auf der Suche nach einem guten Therapeuten oder Berater in eurer Gegend?
All das und mehr könnt ihr hier loswerden.
Falls ihr hier über negative Erfahrunge berichten möchtet, bitte ich darum, hier keine Namen oder Institutionen zu nennen. Solche Infos könnt ihr 1to1 über PNs austauschen. Danke.

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