1 Geschrieben Freitag, Juli 10, 2009 @ 23:01:11
Ein Mönch hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen,
um in der Abgeschiedenheit vom lärmenden Leben seine
Zeit der Meditation und dem Gebet widmen zu können.
Einmal kam ein Wanderer zu seiner Einsiedelei und bat
ihn um etwas Wasser. Der Mönch ging mit ihm zur
Zisterne, um das Wasser zu schöpfen. Dankbar trank der
Fremde, und etwas vertrauter geworden, bat er den
Mönch, ihm eine Frage stellen zu dürfen:" Sag mir,
welchen Sinn siehst du in deinem Leben in der
Stille?"
Der Mönch wies ihn mit einer Geste auf das Wasser der
Zisterne und sagte:" Schau auf das Wasser! Was
siehst du?"
Der Wanderer schaute tief in die Zisterne, dann hob er
den Kopf und sagte:" Ich sehe nichts."
Nach einer kleinen Weile forderte der Mönch ihn
abermals auf :" Schau auf das Wasser der Zisterne.
Was siehst du jetzt?"
Noch einmal blickte der Fremde auf das Wasser und
antwortete:" Jetzt sehe ich mich selbst !"
" Damit ist deine Frage beantwortet",
erklärte der Mönch. " Als du zum ersten Mal in die
Zisterne schautest, war das Wasser vom schöpfen
unruhig, und du konntest nichts erkennen. Jetzt ist das
Wasser ruhig - und das ist die Erfahrung der Stille:
Man sieht sich selber!"