Mormonen

Schwester, haben Sie Ihren Zehnten gezahlt?

Posted in der Zehnte
Als ich noch in Deutschland lebte, hatte ich keine klare Vorstellung über meine Beziehung zum Evangelium. In meiner Familie waren nicht alle Mitglieder und ich hatte außerhalb der Kirche geheiratet. Schließlich entschloß ich mich während des Zweiten Weltkrieges, herauszufinden, ob ich vom Evangelium überzeugt war. Ich begann, in der Schrift zu lesen, und als Antwort auf mein Fasten und mein Beten verspürte ich dann den brennenden Wunsch, Glied der Kirche zu sein.
Aber der Zehnte bereitete mir immer ein wenig Kopfzerbrechen. Ich hatte nach meiner Heirat kein eigenes Einkommen und gab mich damit zufrieden, ein Fastopfer zu entrichten. Als mein Mann während der NS-Zeit im Krieg war, erhielt ich vom Staat Geld. Und diesmal erhob sich wieder die Frage mit dem Zehnten. Mehr als drei Wochen lang war ich ziemlich unruhig. Ich wandte mich an niemanden um Rat, sondern ich schlug die heilige Schrift auf:
„Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf daß in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle (Maleachi 3:10.).”
Ich betete über diese Angelegenheit, um zu erfahren, was es mit dieser Aufforderung des Herrn und ihrer Verheißung auf sich habe. Die Antwort kam auf eine wunderbare Weise.
Eines Morgens erwachte ich sehr früh. Doch ich schlief bald noch einmal ein. Ich träumte, der Gemeindepräsident hätte alle Mitglieder der Stadt aufgesucht und ihnen gesagt, daß sich die Heiligen im verheißnen Land versammeln würden. Er forderte uns auf, alle zum Gemeindehaus zu kommen, um uns dort zu sammeln. Ich hielt mich selbst für würdig und packte alles Notwendige zusammen, um mit meinen beiden Kindern zum Gemeindehaus zu gehen.
Viele aktive und inaktive Mitglieder nahmen ihren Taufschein mit, um ihre Mitgliedschaft zu beweisen. Der Gemeindepräsident kam bald. Er trug ein großes Buch, auf dem geschrieben stand: „Das Buch des Lebens”. In diesem Buch waren alle die aufgeführt, ,die würdig waren, nach Zion zu gehen. Es waren nur wenige, und die, die aufgerufen worden waren, gingen in einen anderen Raum. Als der Gemeindepräsident das Buch schloß, murrten wir Unberücksichtigten. Wir fragten uns, was wir getan hätten, um solch Los zu verdienen. Ich war perplex und traurig. Dann dachte ich an all die Gebote und blickte zurück, welche ich gebrochen hatte.
Ich entschloß mich, meine beiden Kinder zu nehmen und den Gemeindepräsidenten zu fragen, ob ich nicht immer ein treues Mitglied gewesen sei. Er bestätigte mir, daß ich immer ein treues Mitglied gewesen sei und daß ich immer mehr getan hätte, um anderen zu helfen, als von mir erwartet worden sei. „Vielleicht habe ich Ihren Namen übersehen.” Dreimal schaute er die Liste durch, doch mein Name war nicht verzeichnet. Dann schaute er mir in die Augen und fragte: „Schwester Stöcker, haben Sie Ihren Zehnten bezahlt?”
Dann erwachte ich. Ich war wie betäubt und fühlte ein Brennen in meiner Brust. Ich kniete mich nieder und dankte dem Herrn, daß er mir auf meine Gebete eine Antwort gegeben hatte. Von jener Zeit an entschloß ich mich, meinen Zehnten in das „Vorratshaus” des Herrn zu bringen.
Bald sollte ich erfahren, wie die Verheißung des Herrn an mir in Erfüllung ging: „Und prüfet mich hiermit ..., ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.”
Damals erhielt ich die meisten Lebensmittel von meiner Schwiegermutter, die sehr viel Geld dafür verlangte. Es war Kriegszeit und Lebensmittel waren teuer. Nachdem ich meinen Zehnten zum Gemeindepräsidenten gebracht hatte, besuchte ich meine Schwiegermutter. Mein Gesicht mußte vor lauter Glück gestrahlt haben. Zu meiner Überraschung packte sie den Korb zweimal so voll wie sonst. Dann sagte sie mir, daß ich ihr niemals wieder etwas für die Lebensmittel zu zahlen brauche.
Das ganze Erlebnis war ein Wendepunkt in meinem Leben.
Elizabeth Stöcker, Arlington, New Jersey, Oktober 1972

11:17 AM - 19.5.2008


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