Mormonen

Der Zehnte und die Errettung

Posted in der Zehnte
Die kostbarste Schriftstelle ist die Erklärung, warum das Lamm Gottes getauft werden mußte. Er, der Heilige, mußte im Wasser getauft werden, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Er hat alle Gebote gehalten. Um wieviel mehr bedürfen dann wir, die wir unheilig sind, der Taufe.
Er hat zu den Menschenkindern gesagt: „Folge mir nach!” (2. Nephi 31:10.) Können wir denn Jesus nachfolgen, wenn wir nicht willens sind, die Gebote zu halten? Durch die Umkehr und die Taufe treten wir durch das Tor ein. Dadurch gelangen wir auf den engen und schmalen Pfad. Den Heiligen sagte Nephi: „Darum müßt ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom Glanz der Hoffnung und indem ihr Liebe habt zu Gott und zu allen Menschen.... Darum (strebt vorwärts) und (weidet) euch am Wort von Christus und (harrt) bis ans Ende (aus).” (2 Nephi 31:20.) Diejenigen, die sich auf diese Weise vorbereitet haben, gehen durch ein zweites Tor, das Tor der ewigen Ehe. Sie befinden sich dann auf dem Pfad, der in den höchsten Himmel des celestialen Reiches führt, und nur dort allein bleibt die Familie bestehen. Der Fortbestand der Familie in Ewigkeit ist das, was das ewige Leben ausmacht. Um ewiges Leben zu erlangen, muß man im Haus des Herrn das Endowment empfangen haben und im Bund der Ehe gesiegelt sein. Die Heiligen müssen, wie nach der Taufe, auch nach der Ehesiegelung im Tempel beständig die Gebote halten. Sie müssen nach Herrlichkeit, Ehre und Erhöhung in dem Reich streben, wo Gott und Christus leben. Um die größte von allen Gaben Gottes zu erlangen, müssen wir nach der Taufe die Gebote halten; wir müssen bis ans Ende ausharren; wir müssen unsere Errettung mit Furcht und Zittern vor dem Herrn bewirken.
Der Zehnte gehört mit zum Halten der Gebote nach der Taufe; er gehört zu den grundlegenden Kriterien, anhand derer ersichtlich ist, ob jemand würdig ist, die höheren Verordnungen des Evangeliums zu empfangen. Das Evangelium ist der neue und immerwährende Bund; das Bündnis, das Gott mit dem Menschen schließt, um ihn in seine Gegenwart zu bringen, wenn dieser die Gebote befolgt. Der Zehnte ist Bestandteil dieses Bündnis. Der Zehnte ist nicht einfach eine Anregung, eine Möglichkeit; es darf nicht so sein, daß man nur dann den Zehnten zahlt, wenn es einem gerade paßt. Der Zehnte ist vielmehr ein Gebot, eine göttliche Anordnung, ein ewiges Gesetz. Wir müssen den Zehnten zahlen oder die Folgen tragen. Wenn wir den Zehnten nicht zahlen, sind wir nicht würdig, zum Volk des Herrn gezählt zu werden, und das Land, in dem wir leben, wird für uns nicht zum Land Zion.
Den Zehnten gab es schon immer. Abraham zahlte den Zehnten an Melchisedek, und der Herr gab ihm „Reichtümer, Ehren und Länder als immerwährenden Besitz” (Gen. 14:18-24,JST). Jakob schloß mit Jahwe einen Bund, und versprach, er werde dem Herrn von allem, was er besaß, den zehnten Teil geben, und der Herr gab ihm „Brot zum Essen und Kleider zum Anziehen”, Vieh, Länder und alles, was er benötigte (siehe Genesis 28:20-22). Im alten Israel gaben die Menschen den „Zehnt des Landes, der vom Ertrag des Landes oder von den Baumfrüchten abzuziehen ist.” Das gehörte dem Herrn; es war ihm heilig. So war es auch mit dem „Zehnt an Rind, Schaf und Ziege, jedes zehnte Stück von allem, was unter dem Hirtenstab hindurchgeht", war „dem Herrn geweiht.” (Levitikus 27:30-33.)
So muß es auch heute sein. Die treuen Heiligen haben schon immer den Zehnten und andere Opfergaben gezahlt, zumindest haben sie das bei der Taufe versprochen. Wer das nicht tut, bricht den Bund und wird zu denen gezählt, von denen die Schrift sagt: „Darf der Mensch Gott betrügen?” (Maleachi 3:8.) Da die Heiligen der Letzten Tage den Rat Präsident Lorenzo Snows befolgten und den Zehnten mit neuer Hingabe zahlten, ließ der Herr es auf ihre Felder regnen und befreite sie aus zeitlicher Knechtschaft. So wird es auch mit uns heute sein. Unser Aufruf an
die Heiligen der Letzten Tage ist genauso wichtig wie der Aufruf Präsident Snows zu seiner Zeit. In dem, was wir sagen, ist genausoviel Inspiration enthalten, wie in dem, was er sagte. Der Zehnte bereitet das Volk des Herrn auch auf sein Zweites Kommen vor. An dem Tag wird der Weingarten brennen. Alles Verwesliche wird verzehrt werden. „Und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heere. Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen bleiben.” (Maleachi 3:19.)
Demnach wird der Zehnte zu einer der größten Prüfungen, was die persönliche Rechtschaffenheit der Mitglieder der Kirche angeht. Präsident Joseph F. Smith hat gesagt: „Durch diesen Grundsatz soll die Treue des Volkes dieser Kirche auf die Probe gestellt werden. Denn dadurch soll kund werden, wer für das Reich Gottes ist und wer dagegen, und es wird sichtbar werden, wer im Herzen danach trachtet, den Willen Gottes zu tun und Seine Gebote zu befolgen — dem Herrn dadurch das Land Zion zu heiligen —, und wer sich diesem Grundsatz entgegenstellt und sich deshalb von den Segnungen Zions abgeschnitten hat. Dieses Prinzip ist von allergrößter Bedeutung, denn daraus soll erkannt werden, ob wir treu sind oder nicht. In dieser Hinsicht ist es ebenso wichtig wie der Glaube an Gott, die Umkehr und die Taufe zur Vergebung der Sünden oder wie das Händeauflegen, um den Heiligen Geist zu spenden. Denn wenn jemand das ganze Gesetz Gottes befolgt außer in einem einzigen Punkt, so ist er doch ein Gesetzesbrecher und hat keinen Anspruch auf die vollen Segnungen des Evangeliums Jesu Christi. Wenn er aber das ganze offenbarte Gesetz nach bester Fähigkeit und mit ganzer Kraft entsprechend seinen — vielleicht nur geringen — Mitteln befolgt, so ist es in den Augen Gottes ebenso arnehmbar, wie wenn er tausendmal mehr zu geben gehabt hätte.
Der Zehnte ist ein Prüfstein, woran jeder einzelne in unserem Volk geprüft werden soll. Wer diesen Grundsatz nicht befolgt, soll als ein Mensch bekannt sein, dem die Wohlfahrt Zions
gleichgültig ist, der seine Pflicht als Mitglied der Kirche vernachlässigt .. . Er versäumt, das zu tun, was ihn zum Empfang der Segnungen und heiligen Handlungen des Evangeliums berechtigen würde.” (Evangeliumslehre, Seite 253f.)
Unser wichtiges Ziel besteht darin, errettet zu werden. Unser Interesse gilt nicht dem Geld oder den Dingen der Welt. „Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen,” hat Paulus im Zusammenhang mit dem folgenden Aphorismus gesagt: „Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht.” (1 Timotheus 6:7,10.) Es geht uns um Menschenseelen —, um unsere eigene und die unserer Mitmenschen. Wir möchten, daß die Heiligen alle Gebote halten, damit sie im celestialen Reich errettet werden. Wir möchten, daß sie sich durch Gehorsam zum ganzen Gesetz des Evangeliums, einschließlich des Zehnten, würdigmachen, in das Haus des Herrn zu gehen und dort für das ewige Leben gesiegelt zu werden. Wenn wir das Abendmahl nehmen, wenn wir das gebrochene Brot und das Wasser zu uns nehmen, erneuern wir das Bündnis, die Gebote des Herrn zu halten, damit wir zu denen gezählt werden können, von denen Jesus gesagt hat: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.” (Johannes 6:54.) Für die Heiligen ist es daher angebracht, während des Abendmahls in stiller Andacht über die Güte des Herrn nachzusinnen. Es ist angebracht, daß sie im Herzen erneut den Bund eingehen, die Gebote zu ' halten, und den Zehnten erneut als eines von diesen Geboten anzuerkennen. Der Zehnte ist ein wichtiger Schritt des Menschen auf seinem Weg zur ewigen Errettung.
Präsident Hans B. Ringger, Nachrichten der Kirche, November 1989

12:33 PM - 10.5.2008


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