| Mormonen |
Der Zehnte des HerrnVor fünfzehn Jahren war ich in der Woche vor Weihnachten mit den Zehntenerklärungen beschäftigt. Es macht einem Bischof große Freude, wenn er jedem Mitglied der Gemeinde seinen Dank und seine Anerkennung aussprechen kann, das erklärt, ehrlich den Zehnten gezahlt zu haben.
Michael und Lyndi waren jung verheiratet und hatten zwei Kinder. Er arbeitete angestrengt in seinem kleinen, selbstgegründeten Unternehmen, verdiente aber nur wenig, um die wachsende Familie zu versorgen. Als treue Heilige der Letzten Tage gingen Michael und Lyndi zum Bischof, um zu bestätigen, daß ihr Zehnter sowie ihre andere Spenden richtig aufgezeichnet worden waren. Als sie festgestellt hatten, daß Berichte und Quittungen übereinstimmten, fragte ich sie, ob sie in diesem Jahr den Zehnten voll und ehrlich gezahlt hätten. Da traten ihnen Tränen in die Augen und sie erklärten mir, daß sie eigentlich noch zweihundert Dollar bezahlen müßten, damit sie den Zehnten ehrlich gezahlt hätten. Mit bebender Stimme erklärten sie, dies sei das Geld, das ihnen noch bliebe. Und wenn es für sie überhaupt Weihnachten geben sollte, dann bräuchten sie dieses Geld, um dringend benötigte Schuhe und Kleidung zu kaufen. Es bliebe dann noch ein wenig für Spielzeug für die Kinder. Ich konnte dieses junge Paar verstehen. Sie wollten so gerne ehrlich den Zeloten zahlen, aber sie fühlten sich auch verpflichtet, ihren Kindern etwas zu Weihnachten zu schenken. Zwei Abende später klingelte bei mir im Bischofsbüro das Telefon. Es war Michael. Er wollte vorbeikommen, um seine Zehntenerklärung zu revidieren. Er und Lyndi hatten darüber gebetet und auch ziemlich lange darüber gesprochen. Es war wichtiger, den Zehnten voll zu zahlen, als ein kommerzielles Weihnachtsfest zu feiern. Lyndi und ihr Mann waren im Tempel aneinander gesiegelt worden, und ihre Kinder waren im Bund geboren. Wenn sie für immer eine Familie bleiben wollten, dann mußten sie gemäß den Bündnissen leben, die sie eingegangen waren, und die Gebote halten. Wir füllten eine neue Zehntenquittung aus, und Michael erklärte, daß er und seine Frau den Zehnten jetzt voll gezahlt hatten. Diesmal verließ er das Büro strahlend, denn er wußte, er hatte das getan, was dem Herrn gefiel. Und diesmal war es der Bischof, der weinte. Zwei Tage vor Weihnachten klingelte wieder das Telefon. Es war Michael. Ihm war eine neue Stelle angeboten worden. Er konnte sofort anfangen. Die Schleusen des Himmels begannen sich zu öffnen. Das Ziel des Erdenlebens ist es, so zu werden wie Jesus Christus, und wenn wir so werden möchten, müssen wir die Grundsätze anwenden, die cr gelehrt und nach denen er gelebt hat. Aus freien Stücken hat er im Garten Getsemani für unsere Sünden gezahlt. Er ist am Kreuz gestorben, damit wir leben können. Sein Opfer war vollständig. Wir werden wahrscheinlich nicht das Leben für das Evangelium lassen müssen, aber der Herr hat uns geboten, zehn Prozent von unserem Einkommen zu geben und dabei ehrlich zu sein, damit wir dadurch ein wenig die Liebe des Herrn für uns erkennen und wir durch dieses kleine Opfer mehr wie er werden. Der Zehnte wird nicht mit Geld gezahlt sondern mit Glauben und Liebe für den Herrn. Elder Spencer J. Condie Erster Ratgeber in der Gebietspräsidentschaft Juni 1991 2:41 PM - 7.5.2008
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