Mormonen

Vier Gedanken über den Zehnten

Posted in der Zehnte
Ich war ein junger Mann von 19 Jahren, als ich zum erstenmal mit Heiligen der Letzten Tage in Kontakt kam. Ich saß in der Sonntagsschule während des Eröffnungsteils und war bereit, einen Eindollarschein in den Kollektenbeutel zu werfen. Ich wollte den Mormonen, bei denen ich zu Gast war, zeigen, daß ich kein Geizkragen war. Schließlich verdiente ich nur 35 Cents die Stundem und so war ein Dollar keine geringe Spende. Aber die Sonntagsschule kam und ging, ohne daß eine Kollekte stattfand. Am Abend jenes Sonntags, in der Abendmahlsversammlung, war wieder keine Kollekte. Dabei hatte ich mir vorgenommen, meine Spende auf zwei Dollar zu erhöhen. Ich erklärte mir dies so: man leistete die Spenden ganz bestimmt an der Tür, wenn man hinausging. Mit der Hand in der Tasche hielt ich mich bereit, mußte aber die Tasche wechseln, weil mir jeder die Hand geben wollte.
Sobald ich außerhalb des Gebäudes war, fragte ich die Mitglieder: „Wann wird eigentlich die Kollekte gesammelt?”
Sie lächelten und sagten: „Bei uns gibt es keine Kollekte.”
„Überhaupt nicht?" fragte ich.
„Überhaupt nicht!" antworteten sie. „Großartig!” dachte ich. „Das ist genau die richtige Kirche für mich.” Offenbar war es Zeit, daß ich etwas über den Zehnten erfuhr.
Ich hatte im Hinblick auf Religion lange und ernsthaft gebetet. Ein nicht nachlassendes Gefühl des Unbehagens hatte sich bei mir eingestellt — ein Gefühl, das mich trieb. Linderung für meine Seele zu suchen. Am folgenden Mittwochabend unterrichteten mich die Missionare über den Zehnten, und dies brachte mir die Linderung. nach der ich suchte. Ich werde nie vergessen, wie erleichtert ich mich fühlte, als jene zwei Missionare anfingen, mich über den Zehnten zu unterrichten. Vom ersten Wort bis zum letzten Amen wußte ich: es war die Wahrheit. Gleich am nächsten Sonntag zahlte ich meinen ersten Zehnten, obwohl bis zu meiner Taufe noch sechs Monate vergehen sollten.
Während meiner dreißigjährigen Mitgliedschaft habe ich eine Reihe von Mißverständnissen in bezug auf den Zehnten kennengelernt — irrige Gedanken, welche die Betreffenden von den großen Segnungen trennen, die sich aus dem Befolgen dieses schönen Gesetzes ergeben. Ich habe vier dieser Irrtümer untersucht.

Irrtum Nr. 1: Man braucht Geld, um Zenten zu zahlen.
Man braucht nicht Geld, um den Zehnten zu zahlen, sondern Glauben.
In dem Film „Des Himmels Fenster”, den die Kirche gedreht hat, wird betont, wie man durch Glauben dazu veranlaßt wird, den Zehnten zu zahlen. Es wird die große Finanzmisere dargestellt, vor die sich die Kirche während der Amtszeit Präsident Lorenzo Snows gestellt sah. Die Kirche war tief verschuldet, und es gab keine Anzeichen für eine Verbesserung der Lage. Auf der Suche nach einer Lösung wurden Präsident Snow mehrere Vorschläge unterbreitet. Sie liefen alle auf den Plan hinaus, die Mitglieder der Kirche um Spenden zu bitten. Präsident Snow hielt die Vorschläge alle für unzureichend. Er folgte den Eingebungen des Geistes und reiste zu einer der am härtesten betroffenen Ortschaften der Kirche: nach St. George in Utah. Hier herrschte die schlimmste Trockenheit seit 35 Jahren.
Durch Inspiration rief Präsident Snow die verzweifelten Menschen dazu auf, ihren Glauben zu zeigen und den Zehnten zu zahlen. Dadurch, daß sie diesem Aufruf Folge leisteten, öffneten sich buchstäblich die Schleusen des Himmels, und sie wurden gesegnet.

Irrtum Nr.2: Der Zehnte wird nach der Höhe der gezahlten Summe bewertet.
Zehnter bleibt Zehnter. egal, wieviel man zahlt.

Von einem armen achtjährigen Navaho-Mädchen, das ich 1954 taufte, nahm ich einmal im Namen der Kirche ein 5-Cent-Stück entgegen. Nach ihrer Konfirmation kam sie auf mich zu und hielt das Geldstück fest in der kleinen Faust. Dann hielt sie es mir hin und sagte: „Hier ist mein Zehnter, Elder. Es ist der volle Zehnte.”
Dieses kleine Navaho-Mädchen hat ebensoviel Zehnten gezahlt, wie das wohlhabendste Mitglied der Kirche je gezahlt hat — den vollen Zehnten.

Irrtum Nr 3: Das Zehntenzahlen stellt eine finanzielle Belastung dar

Eine meiner schönsten Erinnerungen betrifft ein Erlebnis aus den ersten Jahren meiner Ehe. Ich besuchte die Brigham-Young-Universität, und wir waren mit unserem ersten Kind gerade in unser erstes Zuhause gezogen.
Da wir ein Baby hatten, hörte meine Frau zu arbeiten auf, und so waren wir in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. In einem Monat, so rechneten wir uns aus. würden uns genau 50 Cents übrigbleiben, wenn wir zusätzlich zu unseren feststehenden Verpflichtungen noch den Zehnten zahlten. Aber eigentlich haben wir nicht lange um diese Entscheidung gerungen, denn wir glaubten daran, was uns der Herr durch den Propheten Maleachi gesagt hatte (Siehe Mal 3:10-12). Wir zahlten unseren Zehnten.
Am darauffolgenden Montag war ich in der Stadt und schaute mir Bilderrahmen an, die in einem Schaufenster lagen. Einer unserer Freunde von der BYU hatte uns einen schönen Kupferstich für unser Zuhause geschenkt, aber wir waren natürlich nicht in der Lage, einen Rahmen zu kaufen. Ich wandte mich zum Gehen, fühlte aber die Eingebung, zurückzugehen und den jungen Mann hinter dem Ladentisch zu fragen, ob er jemand kenne, der einen Maler zum Renovieren suche. Mein Vater war Maler gewesen, ebenso dessen Vater, und ich selbst hatte diesen Beruf auch gelernt. Ich harte nicht viel Hoffnung, Arbeit zu bekommen, denn es war Winter, und es herrschte damals eine Wirtschaftsflaute. Trotzdem hörte ich auf die mahnende Stimme und fragte den Verkäufer. Er sagte: „0 ja. heute morgen war gerade einer unserer Kunden hier und hat nach einem Malergesellen gefragt.” Er gab mir die Adresse des Mannes. Ich rief noch in derselben Stunde an, und am Nachmittag verdiente ich schon zwei Dollar die Stunde als Vorarbeiter einer Malerkolonne. Das war damals ein hoher Lohn, und ich bin seither nie ohne Arbeit gewesen.
Nein, der Zehnte macht nicht arm. Der Zehnte macht reich. Durch das Zahlen des Zehnten öffnen sich tatsächlich die Schleusen des Himmels. (Siehe Mal 3:10.)

Irrtum Nr. 4: Das Geld für den Zehnten ist unser Geld

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, die Präsident George Albert Smith erzählt hat. Im Gespräch mit einem wohlhabenden Bekannten, der der Kirche angehörte, schnitt dieser das Thema Zehnter an. Er sagte, er zahle den Zehnten nicht in der üblichen Weise. Statt dessen bringe er jedes Jahr ein Zehntel seines Einkommens auf die Bank und verwende es nach seinem Ermessen für wohltätige Zwecke. ,.Was halten Sie denn davon?" fragte er. Präsident Smith antwortete: „Ich finde, Sie gehen sehr großzügig mit dem um, was einem anderen gehört.” (Siehe Improvement Era. Juni 1947. S. 357.) Auch Präsident Marion G. Romney hat uns daran erinnert. daß der Zehnte etwas ist, was wir dem Herrn schulden - keine Spende:
„Der Zehnte ist eine Schuld, die jedermann beim Herrn hat — als Pacht für das, was der Herr geschaffen hat und ihm zum Gebrauch überläßt. Und der Herr hat als Gläubiger Vorrang. Wenn man nicht genug hat, um alle Gläubiger zu bezahlen, sollte man seine Zahlungen an ihn zuerst leisten. Das mag vielleicht schockieren, doch ist es so. Die anderen Gläubiger brauchen sich allerdings keine Sorgen zu machen, der Herr segnet nämlich den, der genug Glauben hat, seinen Zehnten zu zahlen, immer, so daß die anderen Gläubiger auch nicht leer ausgehen." (.,Zum Thema Zehnter". Der Stern, Februar 1981, S. 3.)
Glenn Latham, Juli 1982

4:39 PM - 29.3.2008


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