heldenwelten

hätte. könnte. wollte. sollte.

Geschrieben in Gedanken

by Juliane



In den Neunziger Jahren erlebte das Tamagotchi einen Boom. Ein kleines Spielzeug, das dazu diente, die Welt zu erheitern. Jeder kennt es wohl noch. In den Herstellungskosten vermutlich bei ca. 1,-€ pro Stück liegend, wurde es überteuert verkauft und eroberte die Kinderherzen.

 

Und auch wenn ich es damals schon für den größten Müll hielt und bei mir in jedem Moment Furby gesiegt hätte, wäre ich noch durch und durch Kind gewesen, holt mich bis jetzt eine Frage immer wieder ein.

 

Es gab da dieses haltbare Gerücht, dass vermutlich in vielen Köpfen noch heute vorherrscht. Die Originale sollten nach 99 Tagen sterben. Vielleicht sogar schon eher, wenn man mal vergessen sollte, dem DingsBums fünfmal hintereinander die Windeln zu wechseln und es an seinen eigenen virtuellen Exkrementen verrecken sollte. Hingegen hieß es, die Billig-[man beachte die Ironie zu den mutmaßlichen Herstellungskosten]- Kücken sollten ewig leben und man könnte sie wieder beleben, sollten sie doch mal nach fünf Tagen Essensentzug krepieren.

 

Stelle man sich nun folgende Situation vor: Mensch geht mit dem Ziel, sich ein Tamagotchi zu kaufen in ein Spielzeuggeschäft und findet zwei Regale links und rechts vor ihm stehend vor sich:

 

Im rechten Regal sind 5000 „Billig-Tamagotchis“ für je 9,99€. Diese können essen, trinken und schlafen. Kümmert man sich ausreichend darum, lebt es ewig. Stirbt es, weil man es vernachlässigt, drückt man einen Knopf und es erweckt wieder zum Leben.

 

In dem Regal links daneben finden sich 80 der „Original-Tamagotchis“ für je 39,99€. Diese können essen, trinken, schlafen, lachen, weinen, mit den Augen blinzeln und entwickeln eine richtig kleine Persönlichkeit, wenn man sich sehr gut um sie kümmert. Bekommen sie ungenügend Zuwendung, sterben sie. Bemüht man sich aus ganzem Herzen darum, hat es ein glückliches Leben und stirbt nach 99 Tagen. Ist es einmal tot, gibt es keine Möglichkeit, es wieder zum Leben zu erwecken. Nur eines, eines der 80 Tamagotchis hat einen Gerätefehler. Pflegt man es mit ganzer Zuwendung, lebt es ewig.

 

In welches Regal sollte mensch greifen?

 

In welches Regal sollte -ich- greifen?

 

 

 


 


6:08 PM - 11.8.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreiben


Konsequent inkonsequent. Oder auch: er steht einfach nicht auf mich.

Geschrieben in Gedanken
by  Juliane


Tschja, so eine Einsicht ist hart. Sie ist sogar hart, wenn man selbst nichts fühlt. Ja, selbst dann. Es ist schon komisch mit uns Helden Menschen.

 

Ab wann ist eine Affäre eine Affäre und ab wann ist eine Beziehung eine Beziehung? Was macht den Unterschied?

 

Gefühle. Wäre wohl meine spontane Antwort.

 

Und weil ich nicht will, dass dieser Blog in ein Beziehungs-Liebe-NichtLiebe-Affären-Bequatsche-WischiWaschiDing ausartet, alles kurz und knapp auf den Punkt gebracht:

Beziehungen führt man mit Superhelden.

Der  den-Berg-bis-über-das-Kindergeburtstagsschild-hinaus-Beklimmer wird zum Hero der Woche benannt und hat es in jedem Augenblick verdient, glücklich zu sein, auch wenn er was gegen die Frau im Kino hat.

Affären führt man mit Menschen, die einem das Gefühl geben, begehrt zu werden und selbst das Zeug zu Mister oder Misses Universum haben.

 

Und daran scheitern sie: Beziehungen durch die Einsicht Superhero ist zum Überasshole mutiert und Affären  an  verletztem Stolz und der Einsicht, der andere fühlt genauso wenig, wie man selbst.

 

Daraus resultieren: verbitterte Blog[s]einträge die den anderen größtmöglich schmälern, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

 

Ich bin ein schlechter Mensch.

 

Kein Superheld. Ich kann ja dübeln.

 

 

 

 


3:49 PM - 9.8.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreiben


Karate -Kid-

by Juliane


„Ich tu grad telefonieren.“

 

Aha. Jetzt weiß ich ihn wieder. Den Grund, weshalb ich nichts fühle. Nicht dass eine unglaublich, adonisnahe, wunderschöne Hülle keine gute Basis wären, sich zu verlieben, aber ein, zwei „No Go`s“ sind es dann doch, die frau schnell davon abhalten können, mehr als ihre Libido zu spüren.

 

Da hätten wir „No Go - Nummer drei“: Formulierungen und Sms`s mit den Inhalten *lach*, *grins* und die fast sogar meine unbändigende Lust diagonal von KleinAdonimuscleman übers Bett geschoben werden zu wollen killende Buchstabenkombination *hdl*. Drei kleinekleine in sternchengehüllte Buchstabenaneinanderreihungen mit großem bedeutungsvollem Inhalt, die nicht nur große Rückschlüsse ziehen lassen auf des Menschen äußerst vielfältige Weise, sich gewählt auszudrücken, nein, ein wenig spiegeln sie außerdem seine Stimmmelodie wider. Oder vielmehr die nichtvorhandene. Gibt es Menschen, denen man stundenlang zuhören könnte, weil ihre Stimme eine kleine Melodie tönt und gesagtes unterstreicht, ist die stimmliche Untermalung seiner Worte eher monoton gehalten. Man stelle sich das Lied „Yesterday“ der Beatles in seinem Kopf vor und schneide den Teil „Yesterday“ als Teil einfach mal in Gedanken heraus und behöre diesen für sich stehend. Allein das Singen dieses Wortes weist mindestens zwei Tonabstufungen mehr auf, als Superfaceguy`s Stimme. Man nehme nun den Teil „day“ des gesungenen Wortes „Yesterday“ und reihe diesen Teil immer wieder aneinander. Daydaydaydayhdllachgrinsdayday. Yes. Da ist er: der Wunsch zu sagen, komm her, seh schön aus, doch bitte sei doch ruhig dabei.

 

„Du steckst da emotional viel mehr drin als ich.“

Wir waren noch lang nicht soweit, seinen Anus zu erkunden. Weder von außen noch von innen. Ich komme ins Grübeln, wo ich denn da so drin stecke. Waren es meine Worte, dass ich ihm und dem Kontakt mit ihm eine gewisse Sinnfreiheit zuordne und noch nicht so recht weiß, ob wir ihn halten sollten. den Kontakt. War es, dass ich unser letztes Date absagte, weil da ein *grins* *lach* *wech* zuviel reingerutscht war und ich nicht meine wertvolle Zeit verschwenden wollte? Oder waren es meine Worte nach der gemeinsam verbrachten Nacht, dass wir nun aber nicht zusammen sind und ich gerade sehr überfordert bin mit all so Beziehungszeugskram. „Das ist ja interessant.“. sage ich. Und da ist er Faux Pas Nummer zwei: Interpretationen, wo sie nicht hingehören. Denn manchmal ist es besser, einfach nur zu wissen, was frau sagt. Sagte ich nicht schon, Du sollst bitte ruhig sein? Ach nein, ich dachte es mir ja nur. „Das ist ja interessant.“. sage ich wieder.

 

Tja, da steckt man nicht drin. Punkte drei und zwei lassen es schon erahnen: uns trennen ein, zwei Jährchen. Um es genau zu nehmen: sechs. Pustekuchen von wegen Erziehung und so und man kann sich den Mann noch so züchten, wie man ihn haben will. Würde ich mir mensch an meiner Seite erst ranzüchten müssen, dann würde ich wohl irgendwas falsch machen in meiner Auswahl. Da kann das doch eine viel besser als ich. Genau: Mutti. Bei der wohnt er nämlich noch und wird gekürt zum „No Go – Nummer eins“.

 

Na dann, tu mal telefonieren. denke ich mir. Und streiche ihn in Gedanken von meiner Liste, der potentiellmichdiagonalübersBettschiebendürfender.  
 

 

 

  

8:23 AM - 4.8.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreiben


man muss die dinge manchmal realistisch sehen.

Geschrieben in menschenTRAUMwelten

by Juliane


Ich fühle nichts. Sanft nehme ich sein Gesicht in meine Hände. Er ist wunderschön. Ich betrachte seinen Mund und fahre mit meinen Fingern langsam über seine Lippen. Die Fahrt beende ich mit einem Kuss, dem ich ihn aufhauche. Ich fühle nichts. Meine Finger gleiten über seinen Bart, der wie eine Silhouette sein Gesicht umspielt und seine markanten Gesichtszüge unterstreicht. Mit meinen Augen folge ich der Bewegung meiner Finger. Ganz dicht ist er vor mir und beobachtet meine Erkundung. Ich fühle nichts. Einfach gar nichts.  Ich rahme sein Gesicht mit meinen Händen ein, die sich auf seiner Haut betten. Seine ausgeprägten Wangenknochen schmiegen sich dem Rahmen an. Nichts. Ich wünschte mir, sie würden sich weniger schmiegen und mich durchbrechen wollen. Unsere Blicke finden sich. Meine Pupillen hüpfen. Rechtes Auge. Linkes Auge. Rechtes Auge. Linkes Auge. So wunderschön. Hellbraun und groß. Gern würde ich herein springen und darin baden so klar. Immernoch. Nichts. Gar nichts. Seinen Blick gefangen, erhöhe ich sanft den Druck mit dem meine Hände sein Gesicht umfassen. Ich küsse seine Stirn. Langsam. Mein Mund bettet sich weich. Ich will fühlen. Hauche jedem seiner zwei wunderschönen Augen einen Kuss auf. Noch ein Blick. Nichts. Seine Wangen. Rechts. Links. Jedes mal harren meine Lippen einen Augenblick. Ich versuche zu spüren. Mehr als nur den Rahmen, der so schön ist. So wunderschön. Gar nichts. Die Bartstoppeln an seinem Kinn. Sie kitzeln, wie ich ihn darauf küsse. Ich schließe meine Reise ab mit einem Kuss auf seine weichen, vollen Lippen. Nichts. Er nimmt mich in seine Arme. Seine starken Arme. Er zieht mich an sich und hält mich ganz fest. Ich kneife meine Augen zusammen. Ich will doch nur fühlen. Einfach nur fühlen. Ganz fest kneife ich meine Augen zusammen. Ganz fest. Nichts. Ich fühle nichts.

 

 

 

 

4:10 PM - 2.8.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreiben


Miss Einfachstrukturiert, Miss MopsUndercover oder auch Miss Unterschlagschlau

by Juliane


„60,36€.“

Ich lege meine Stirn in Falten und betrachte meinen Einkaufswagen: ziemlich viel Obst und Gemüse. Gut, das ist teuer, aber nicht heute. Denn wir haben Sommer und mein Wagen ist nur gefüllt mit Lebensmitteln der Saison. Natürlich nicht nur Obst und Gemüse, zwischendrin verstecken sich auch ein, zwei Karamelschokis, Salzstangen und öhm, so Zeugs eben.

 

Noch immer ist meine Stirn in Falten gelegt und ich hoffe, die Verkäuferin wird drauf aufmerksam. Nichts. Ich schiebe ihr die Karte rüber und versuche mit leiser Stimme meinen Gesichtsausdruck zu unterstreichen: „Kann es sein, dass da was nicht stimmt?“ Mit konsequenter Ignoranz meiner Worte schiebt sie meine Geldkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz. 60,36 € erscheint auf dem Display. Ich räusper mich: „Ähem, kann es sein, dass da was nicht stimmt?“. Sie schaut mich fragend an. „Das ist ein wenig viel, nicht?“ Sie ergreift den Kassenzettel. Nun sehe ich ihre Stirn in Falten. Nur in meinen Gedanken versteht sich. Vor mir ist es noch immer die Ignoranz im Gesicht. „Achja, hier.“ Ich stehe vor einem Rätsel. „Es war eine Ananas, nicht?“ Aus dem Rätsel wird ein Mysterium. `Ananas? 0,99€? Nur eine? –eine = 59,37€?´ In meinem Kopf rattert es. „Ja, aber nur noch eine Ananas kann es nicht sein, das wäre immer noch ein wenig viel.“ Diese Ignoranz ist immer noch in ihrem Gesicht. Ich fühle mich schuldig. Wie ein kleines Mädchen, dass man beim Klauen eines großen, klebrigen roten Lollis erwischt hat. „Ja, aber ich habe 38 Ananas eingetippt. Es war nur eine, nicht?“ Sie drückt den Knopf, damit ihr ein netter Kollege zur Hilfe eilt.

 

23,73€.

 

Die Stirn noch viel mehr in Falten gelegt verlasse ich mit vielen Fragen in meinem Kopf den Supermarkt. Allen voran: `Wie dick muss ein Finger sein, damit man statt 1 versehentlich 38 eintippt?´ gefolgt von: `Hat sie tatsächlich gefragt, es war nur eine, nicht?´. Dabei war Frau Supermarktwoman so schmal, als könnte sie die ein, zwei Karamelschokis vertragen und die Salzstangen obendrauf. Doch welchen Preis hat Kunde dann zu zahlen?

 

 

 


2:25 PM - 19.7.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreiben


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