| heldenwelten |
hätte. könnte. wollte. sollte.by Juliane
In den Neunziger Jahren erlebte das Tamagotchi einen Boom. Ein kleines Spielzeug, das dazu diente, die Welt zu erheitern. Jeder kennt es wohl noch. In den Herstellungskosten vermutlich bei ca. 1,-€ pro Stück liegend, wurde es überteuert verkauft und eroberte die Kinderherzen. Und auch wenn ich es damals schon für den größten Müll hielt und bei mir in jedem Moment Furby gesiegt hätte, wäre ich noch durch und durch Kind gewesen, holt mich bis jetzt eine Frage immer wieder ein. Es gab da dieses haltbare Gerücht, dass vermutlich in vielen Köpfen noch heute vorherrscht. Die Originale sollten nach 99 Tagen sterben. Vielleicht sogar schon eher, wenn man mal vergessen sollte, dem DingsBums fünfmal hintereinander die Windeln zu wechseln und es an seinen eigenen virtuellen Exkrementen verrecken sollte. Hingegen hieß es, die Billig-[man beachte die Ironie zu den mutmaßlichen Herstellungskosten]- Kücken sollten ewig leben und man könnte sie wieder beleben, sollten sie doch mal nach fünf Tagen Essensentzug krepieren. Stelle man sich nun folgende Situation vor: Mensch geht mit dem Ziel, sich ein Tamagotchi zu kaufen in ein Spielzeuggeschäft und findet zwei Regale links und rechts vor ihm stehend vor sich: Im rechten Regal sind 5000 „Billig-Tamagotchis“ für je 9,99€. Diese können essen, trinken und schlafen. Kümmert man sich ausreichend darum, lebt es ewig. Stirbt es, weil man es vernachlässigt, drückt man einen Knopf und es erweckt wieder zum Leben. In dem Regal links daneben finden sich 80 der „Original-Tamagotchis“ für je 39,99€. Diese können essen, trinken, schlafen, lachen, weinen, mit den Augen blinzeln und entwickeln eine richtig kleine Persönlichkeit, wenn man sich sehr gut um sie kümmert. Bekommen sie ungenügend Zuwendung, sterben sie. Bemüht man sich aus ganzem Herzen darum, hat es ein glückliches Leben und stirbt nach 99 Tagen. Ist es einmal tot, gibt es keine Möglichkeit, es wieder zum Leben zu erwecken. Nur eines, eines der 80 Tamagotchis hat einen Gerätefehler. Pflegt man es mit ganzer Zuwendung, lebt es ewig. In welches Regal sollte mensch greifen? In welches Regal sollte -ich- greifen?
6:08 PM - 11.8.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreibenKonsequent inkonsequent. Oder auch: er steht einfach nicht auf mich.by JulianeTschja, so eine Einsicht ist hart. Sie ist sogar hart, wenn man selbst nichts fühlt. Ja, selbst dann. Es ist schon komisch mit uns Ab wann ist eine Affäre eine Affäre und ab wann ist eine Beziehung eine Beziehung? Was macht den Unterschied? Gefühle. Wäre wohl meine spontane Antwort. Und weil ich nicht will, dass dieser Blog in ein Beziehungs-Liebe-NichtLiebe-Affären-Bequatsche-WischiWaschiDing ausartet, alles kurz und knapp auf den Punkt gebracht: Beziehungen führt man mit Superhelden. Der den-Berg-bis-über-das-Kindergeburtstagsschild-hinaus-Beklimmer wird zum Hero der Woche benannt und hat es in jedem Augenblick verdient, glücklich zu sein, auch wenn er was gegen die Frau im Kino hat. Affären führt man mit Menschen, die einem das Gefühl geben, begehrt zu werden und selbst das Zeug zu Mister oder Misses Universum haben. Und daran scheitern sie: Beziehungen durch die Einsicht Superhero ist zum Überasshole mutiert und Affären an verletztem Stolz und der Einsicht, der andere fühlt genauso wenig, wie man selbst. Daraus resultieren: verbitterte Blog[s]einträge die den anderen größtmöglich schmälern, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Ich bin ein Kein Superheld. Ich kann ja dübeln.
3:49 PM - 9.8.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreibenBiete...by Juliane H.
...Leben, das mensch im Stich gelassen hat, gegen Einsicht: Mensch ist austauschbar.
11:49 AM - 18.3.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreibenDu oder ich?by NAdJA H errschaftlich, aber nicht arrogant E lfenschön, aber nicht unantastbar L iebenswürdig, aber auch ein kleines Stück Luder D irekt, aber nicht verletztlich E rgeben, aber nicht unterwürfig N icht von dieser Welt.
6:37 PM - 24.2.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreibenUnspektakulär aber nettby Juliane H. Hier sitz ich nun. Eineinhalb Monate sind vergangen. Vergangen seit dem Tag, der mir am Ende des letzten Jahres doch arge Bauchschmerzen beschert hat. Zugegeben, die letzten fünf Monate des letzten Jahres waren gelinde ausgedrückt: beschissen. Und das nicht nur im metaphorischen Sinne, nein. Ich weiß nicht, ob ich mich in meine Kindheit zurückgesetzt gefühlt habe oder ob es ein Einblick des Prozesses des Alterns gewesen sein sollte, der mir den Besuch über und auf meiner Kloschüssel, an schlechten Tagen gekoppelt mit einem rotem Plastikeimer, in nahezu periodisch aufkommender Häufigkeit bescherte. Und wenn es noch einige Männer gibt, die sich nur allzu gern einreden, Frauen kacken nicht, kann ich ihnen hiermit sagen: doch sie tun! Und das in jeder erdenklichen Konsistenz und Farbe. Von dunkelbraun und würstchenförmig bis grüngelb und flüssig mit Explosionscharakter. Mitte Dezember traf ich mich mit zwei alten Freunden. Guten alten Freunden. Freunde, die einen über Jahre begleiten. Freunde, die es einem nicht nachtragen, wenn man in eine latente Meldefaulheit verfällt, weil es am Ende doch immer recht einödig ist, sich via Telefon zu melden, um immer wieder die gleichen Fragen durchzugehen á la „wie geht`s?“, „was gibt`s neues?“, „und sonst?“. Nun es mag wie die Faust mitten auf 12 Uhr sein, aber irgendwie wäre das doch immer wieder eine Konfrontation mit dem Prozess des Älterwerdens. Obgleich man beginnt eine gewisse Reife zu entwickeln und man immer öfter der Meinung ist, dass das eigene Leben ja doch ziemlich in Ordnung ist, im Vergleich zu vielen Gegenbeispielen, die einem spontan einfallen, ist es doch immer als würde einem der Spiegel vor`s Gesicht gehalten, dass der Prozess des Alterns auch damit verbunden ist, dass sich einfach nichts mehr tun will im Leben. Nichts passiert. Zumindest hat es seit ungefähr den 22ern den Anschein als ob. Oder eben besser: als ob nicht. Und da haben wir ihn, den einfachen Grund, weshalb man Blablubbtelefonaten mit guten alten Freunden lieber aus dem Weg geht, einfach um sich gegenseitig vor der Wahrheit zu schonen. Treffen sind da schon viel erfrischender: man kann über die gute alte Zeit sprechen und sich wieder jung fühlen. Hach, die Jugend, was waren das für Zeiten. Zeiten in denen schrullige alte Frauen in die Schule kamen, um einen über Sex und die damit verbundenen Krankheiten, die man sich einfangen kann, aufzuklären und man superstolz war auf die kostenlosen Kondome, die man sich mitunter durch diese Gelegenheiten abfassen und einheimsen konnte. Manchmal artete es fast zu einem Sport aus, sie sich anzusammeln, man wusste ja nie, was noch für ein Mordsmann auf einen zukommen würde, mit dem man sie noch brauchen könnte. Und man flachste hier und da, schaute auf`s Verfallsdatum und war sich sicher, bis dahin würde man sie alle verbraucht haben und rechnete dabei noch die Kondomrationen der folgenden Jahre in Gedanken mit ein. Schließlich stand das so in der BRAVO. Und auch wenn es heute keiner mehr gern zugibt, so war es doch die Bibel unserer Zeit – das Magazin aus dem wir alle was lernen konnten. Lernen, dass mindestens ein Mensch in Deutschland pro Woche im selben Alter plus/minus drei Jahre sein erstes Mal haben musste, um eine Geschichte darüber zu verfassen und sie in höchster Romantik nieder zu schreiben, um sie in der gleichnamigen Rubrik später selbst nachlesen zu können. Lernen, dass man vom Küssen mit Zunge nicht schwanger werden kann. Lernen, dass es normal ist, dass die eine Brust größer ist als die andere und ganz besonders lernen, dass Jungs doch immer nur auf das eine aus sind und man sich hüten sollte, um am Ende nicht als vom Zungenkuss geschwängertes, asymmetrisches Brustverteilungstragendes Naivchen dazustehen. Und so sind sie dann, die Gespräche mit den guten alten Freunden, das rückblickende Lachen darüber, dass doch der Tag kam, an dem man in seiner Schublade einen Monatsvorrat eines Puffs im Hamburger Rotlichtviertel an Präservativen fand, von denen keines zu mehr hätte mehr benutzt werden dürfen, als zur Dekoration zum bald 18ten in Blau, Grün, Rot, Gelb, Hautfarben, mit und ohne Noppen von der Decke aufgeblasen als Luftballon fungierend zu dienen. Und während ich mich darüber belustige, dass sich seit meiner Jugend außer zwischenzeitliche Kurz-Tet-a-Tets und eine Beziehung mit theatralischem Ende nicht viel getan hat, fällt es mir auch gar nicht schwer, zu erwähnen, dass ich seit dem letzten Treffen noch immer unbeleckt und unbeschlafen bin. Gereift die Sache zumindest beim Namen zu nennen. Während unseres Gespräches im lauschigen Café geraten wir auch ins philosophieren unter anderem über das Thema Krankheiten. Früher waren wir nicht nur drei, nein, wir waren derer vier. Die Freundin, früher meine Beste, die fehlt, hat ihre Gründe. Gründe für die selbst wir, mit einem ihr Mitleid spendendem Beigeschmack, Verständnis haben: sie ist verheiratet und hat ein Kind. Doch auch wenn sie uns mit ihrer Anwesenheit nicht beglücken kann, so soll sie dennoch als Gesprächsstoff für uns dienen, der uns dann doch ein wenig ernster werden lässt. Sie ist im vergangenen Jahr schwer erkrankt und hat so einige Monate im Krankenhaus verbringen müssen. Nein, kein Krebs, das war auch mein erster Gedanke, als ich es erfuhr. Vorher noch nie gehört und eine Vorstellung darüber gehabt, dass es so was geben kann, hat sie sich den Magen im Zwerchfell eingeklemmt und dieser Teil des Magens ist dann wohl abgestorben. Des Mitleides genug versprüht, werden Thesen herumgeworfen, was denn die Ursachen sind. „Das ist was Psychisches.“ meint Freundichsetztmichinderelfteninenglischmalnebendichumauchinzwölfjahrennochmitdirbefreundetzusein. „Ich kenn mich da aus. Körperliche Krankheiten haben immer was mit der Psyche zu tun. Das war und ist bei mir auch so.“ Ich muss an meinen roten Plastikeimer und meiner seit viereinhalb Monaten immer wieder auf`s neue geschlossenen Freundschaft mit ihm und Monsieur Kloschüssel denken. Das stimmt mich doch nachdenklich. Die Worte und der Abend hallen in mir nach. Ich muss was ändern. So kann es nicht weitergehen. Der böse Tag rückt näher. Der, der einen dazu zwingt, zurückblicken zu müssen, auf das letzte Jahr, schon drei Wochen vorher dazu zwingt. Der, der einen dazu zwingt, auch wenn man sich innerlich dagegen wehrt, aber doch Vorsätze schmieden zu müssen. Vorsätze, die schlimmer als heiraten sind. Denn sie greifen einem ins Leben ein und man kann ihnen nicht mal böse sein, denn sie sind mit Argumenten belegt, die einem selbst in jeder Minute seines Lebens mehr als plausibel erscheinen. Ich begann das Jahr Revue passieren zu lassen und merkte schon wieder latent, dass der Alterungsprozess fortschreitend beginnt einen einzuholen, so sehr man auch versucht davor wegzurennen. Konnte ich mich früher [ja, heute muss man schon das Wort „früher“ benutzen, was fast schon als Indiz reicht] an jeden einzelnen Augenblick meines Lebens erinnern, fällt es mir heute schwer, mich selbst an Begebenheiten von fundamentaler Bedeutung zu erinnern. Das Jahr 2007 begann wie auch im Jahr zuvor mit einer Kurznachricht meiner Exfreundin. Ja, meiner Irgendwie-sowas-wie-Exfreundin. Sie Brüste, ich Brüste. Vier Brüste mit denen man beim Sex rumspielen kann. Auch für mich war das zunächst ungewohnt, doch war es am Ende das, was ich schon immer in mir habe schlummern sehen: Zuneigung entstand in meinem Herzen nicht auf Grund eines großen muskelbepackten Körpers, der einen Riesenschwanz vermuten ließ, nein, sie entstand schon immer in mir, weil das Gegenüber so war, wie es war. Nungut, eine Kurznachricht von ihr. Wie schön. Aus dem Jahr waren wir wieder mal mit einem Riesenkrach gegangen, wie so oft. Es grenzte fast an ein Wunder, und das tut es noch, dass wir beide noch leben und uns im Kampf gegeneinander noch nicht gegenseitig niedergelegt haben. Nach der SMS mit belanglosem, aber nettem Inhalt folgte eine Umarmung meiner Schwester, ihrem Freund und den anderen Freunden, die eben noch so zu Silvester um einen sind. So rutschte ich ins Jahr 2007. Unspektakulär, aber nett. So sollte auch zunächst das Jahr werden. Unspektakulär, aber nett. Den Kontakt mit meiner Exfreundin brach ich x-mal ab, um ihn y-mal wieder aufzunehmen. Also alles wie immer. Im April begann ich einen neuen Job und Ende April beendete ich meinen alten. Ich erhielt die schönste Liebeserklärung, die ich je in meinem Leben erhalten habe. Die BRAVO sollte Unrecht behalten: Jungs wollen nicht nur das eine. Und es brach mir fast das Herz, die ganzen Briefe, Geschenke in meinen Händen zu halten und nicht auch nur annähernd das zurückgeben zu können, was dieser Mensch bereit war, mir zu geben. So war es ein ereignisreicher Monat, der April. Ich lies die alten Kollegen hinter mir und bekam einen neuen. Die Monate vergingen und mein Leben blieb unspektakulär. Unspektakulär aber nett. Dachte ich. Doch eines war anders. Hatte ich es während meines gesamten bisherigen Studentenlebens und meinen netten Nebenjobs mit all den vielen jungen Kollegen geschafft, zu allen ein freundschaftliches, aber distanziertes Verhältnis aufzubauen, keine Verpflichtungsgefühle in mir aufkommen zu lassen, die mich dazu zwingen, mich in regelmäßigen Abständen zu melden und Höflichkeitstreffs einzuführen, obgleich man schon mindestens 7,36 Freunde/innen vom gleichen Kaliber hat, die man auch sehr mag, aber man für sich entschieden hat, die 7,36 reichen von der Sorte, mehr würden einem nur Zeit rauben, hatte ich das bislang geschafft, war dies nun anders. Wohlverdient anders. Denn er war anders. Zum ersten mal in meinem Leben kam ich mir nicht blöd vor, auf Schachspielen zu stehen, mich freiwillig mit Physik auseinander zu setzen und ebenso gern mit Wahrscheinlichkeitsrechung. Und konnte ich nachts wieder mal nicht schlafen, weil ich in Gedanken auseinander nehmen musste, wie denn nun die Faktorenrotation verläuft und es niedergeschrieben werden musste, so hatte ich nun einen Menschen, an den ich senden konnte, was mir im Kopf rumspukte und selbst wenn es nicht immer Anklang fand, so fühlte ich mich zumindest in diesen Punkten weniger allein, als zuvor. Und so entstand eine ganz wundervolle Freundschaft, eine, in der ich mich nicht verpflichtet fühlen musste. Eine, in der ich es grandios fand, wenn er sagte, „Nein, heute nicht, ich möchte heut gern meine Ruhe haben. Gar nichts machen“, denn ich wusste, ich könnte jederzeit dasselbe tun, ohne Rechtfertigungen, ohne mich schlecht zu fühlen. Einfach, weil alles gut ist, so wie es ist. Weil alles gut war, wie es war. Dann kam der 25.06.07. Wir waren für den Abend verabredet, bei ihm. Schließlich arbeiteten wir zusammen, mussten noch so einiges ausarbeiten. Es war ein Montag. Am frühen Nachmittag vor einer Vorlesung versammelten sich einige Studenten im Innenhof der Uni um den unweigerlichem Drang des Nikotininhalierens nachzugehen. Ich gesellte mich zu einer Bekannten, die ein wenig abseits saß und fragte sie brav gemäß der geltenden Kommunikationsregeln unter „guten“ Bekannten, wie es ihr denn so ginge und was es denn neues gäbe. Sie ließ mich nicht lang warten und zog nervös hin-und herwankend an ihrer Zigarette. „Diesmal ist alles anders. Diesmal ist es gut. Ich fühl das. Diesmal ist es richtig. Er und ich, das ist…Am Mittwoch wird sich alles entscheiden, wir sind so kurz davor.“ Um dies zu unterstreichen führte sie Daumen und Zeigefinger zusammen und ich drehte mich unbemerkt, um zu sehen, wer sich denn so kurz davor in ihrer Nähe befinde, dass sie diese Analogie nutzte. Niemand da. „Wer ist es denn?“ fragte ich. Sie ließ sich von meiner Frage nicht stören und führte weiter aus. „Am Freitag, er hat sich neben mich gesetzt im Bus. Und wir hatten einen tollen Tag miteinander. Er hat mir ein Zeichen nach dem anderen gegeben und ich blöde Kuh hab es natürlich wieder erst zu spät geschnallt.“ Hm. Freitag. Freitag war die Exkursion. Er war auch da. „So kurz davor.“ Unterbrach sie meine Gedanken und fuchtelte wieder mit ihrem Zeigefinger und Daumen vor mir rum. „Ja, wer ist es denn nun?“ Wieder ließ sie sich von mir nicht stören. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass mir das mal passiert. Und es fühlt sich alles so richtig an. So kurz davor, am Mittwoch werde ich es ihm sagen!“. Als meine Faust begann ein Eigenleben zu entwickeln und sich mit größter Lust gern in ihr Gesicht platzieren wollte, sprach sie seinen Namen. Mit einem Male schwandt sämtliche Energie aus meinem Körper. Wie konnte das geschehen? Ich habe soviel Zeit mit ihm verbracht, ihn so nah kennen gelernt. Wie konnte ich das verpassen? Dass er so kurz davor? Nicht dass es mich zehrte, ihm die Klamotten vom Leib zu reißen, um ihm meine Nägel in sein Fleisch zu krallen, mich in ihm festzubeißen und….Nein. Aber er und sie? Sooo kurz davor? Es war doch alles so schön, so wie es war. Ohne Druck, ohne Verpflichtungsgefühle, nicht freundschaftlich, nicht partnerschaftlich, einfach alles gut. So ganz anders als mit anderen Menschen. Doch DaumenundZeigefingerzusammengepresstsoookurzdavor? Nein. Irgendwie war es doch ich, die zu ihm gehörte. Oder zumindest zu ihm gehören wollte. Die Vorlesung war gelaufen. Keiner wusste, wie ich zu ihm stand, ich war noch nie gut im erzählen, wenn es um mich, meine Gedanken und Gefühle ging. Doch in dieser Vorlesung konnte ich es wohl nicht vor allen verbergen, dass in mir gerade eine kleine Welt zusammengebrochen war. Eine Freundin drängte mich danach, mich in die Mensa begleiten zu dürfen. Ich fühlte mich zu schwach, mich dagegen zu wehren. Auf dem Weg dahin lief er uns über den Weg. Ich musste das Treffen absagen. Das, was wir für den Abend geplant hatten. Ich hätte es nicht durchgehalten, meinem sonstigen Dasein zu frönen, stets versteckt hinter einem stetigen Lächeln, welches es meinem Gegenüber oft schwer macht, zu erkennen, was dahinter vorgeht. Diesmal hätte es nicht mehr gereicht. Also nur schnell meine Sachen holen. Ich vereinbarte mit ihm, sie später flink zu holen, ohne bei ihm zu bleiben, weil mir doch was dazwischen gekommen sei. Nein, das war es noch nicht. Der Beginn meiner Freundschaft mit Monsieur Kloschüssel und dem roten Plastikeimer. Doch es war der Beginn einsehen zu müssen, dass in mir doch wieder Emotionen geweckt werden konnten. Emotionen, die über ein bloßes freundschaftliches Sympathieempfinden hinausgingen. Emotionen, die sich gut anfühlten, weil alles gut war, wie es war. Emotionen, die sich schlecht anfühlten, weil es drohte bald nicht mehr zu sein, wie es war. Es stellte sich heraus, dass ich mich umsonst heiß gemacht hatte. Sie und er. Pustekuchen. So kurz davor. Daumen und Zeigefinger gehen wohl gar nicht soweit auseinander zu reißen, wie weit die zwei davon entfernt waren, kurz davor zu sein. Und so wurde alles wieder, wie es war. Gut für mich. –Fast- perfekt. Wenn auch Daumen und Zeigefinger weit voneinander entfernt waren, dass wir kurz davor wären. Doch es war gut. Irgendwann stellte er mir eine Frage. Eine Frage, die mich begonnen ließ, zu denken und ich nicht wieder aufhören konnte, darüber nach zu denken. Hatte ich es geschafft, monatelang, jahrelang vor mir selbst wegzurennen, so musste ich, um diese Frage beantworten zu können, einen Spiegel in die Hand nehmen. Einen Spiegel, den ich nicht wieder weglegen konnte. „Weshalb ist das so? Dass Du keine Beziehungen führen kannst?“ Er stellte diese Frage nicht, weil er daran interessiert war, das zu ändern, nein das war er nicht. Weil es ihn wohl grundsätzlich interessierte. Der Spiegel, den ich von nun an nicht wieder weglegen konnte, zeigte mir grüngelbes Dünnes, mit Explosionscharakter - gepaart mit Gulaschähnlichem, sonst der selben Konsistenz, etwas bräunlicher Farbe eher mit pulsierendem Charakter. Und wenn es mir sonst so einfach fiel, die Dinge sachlich anzugehen, so schaffte ich es einfach nicht, für mich, diese Frage zu beantworten. Nicht selten hatte ich unbändige Lust, meinen Kopf gegen meine Wand zu hauen, solang bis der Durchbruch vollendet. Doch es hätte am Ende wohl doch nur den Effekt gehabt, meiner 80jährigen Nachbarin im Ergebnis dabei zusehen zu können, wie sie sich die Hornhaut von den Füßen pult. Gefangen in einer Twihlightzone-Episode: Sie sind beziehungsunfähig, mit keiner Aussicht auf Änderung. Einen Menschen im Herzen, doch selbst wenn er es wollte, kein Weg raus aus dem Unfähigsein, Bindungen einzugehen. Da war ich nun, nach meinem Treffen mit zwei alten Freunden und dem Revuepassieren meines Jahres 2007. Konnte ich bislang der BRAVO die Schuld geben, dass ich der festen Überzeugung war, dass Männer nicht lieben können, wurde ich eines besseren belehrt. Ich musste einsehen, dass es an mir lag. In mir. Irgendwas tickte falsch. Vieles anscheinend. Ich rotierte und rotierte und verfiel in Selbstmitleid. Noch nie einen Neujahrskuss bekommen, würde ich auch ins Jahr 2008 ungeküsst rutschen und wenn es noch mieser laufen sollte, konnte ich ihm vielleicht noch dabei zusehen, wie er mit einem anderen Menschen als mir küssend reinrutschte. Selbstmitleid, wäre nicht Selbstmitleid, wenn es nicht richtig wäre. Ganz oder gar nicht. In Beziehungstechnischen Sachen mich eher auf „gar nicht“ berufend, musste im Selbstbemitleiden schon das „ganz“ drin sein. Und so half ich meiner Phantasie auf die Sprünge und schmückte mir in Gedanken aus, welch Leid mich ereilen würde, wenn er denn die Liebe zu einem Menschen entdecken würde, der nicht ich bin. Nicht mehr lang bis zum bösen Tag. Es musste sich was ändern, Entscheidungen mussten her. Fest davon überzeugt, mein Leid habe nie ein Ende, mit ihm im Rücken, nie ein Ändern meiner Beziehungsunfähigkeit herbeiführen zu können, war die erste Entscheidung schnell gefasst: der Kontakt musste abgebrochen werden. Keine Lieder mehr verschicken. Keine Lieder mehr bekommen. Danach, am 31ten setzte ich mich mit einer Freundin hin und verfasste die guten Vorsätze für`s Jahr 2008. Ja, und hier sitze ich nun. Eineinhalb Monate nach dem Verfassen meiner Vorsätze. Und wenn ich eines mit einer unglaublich bewundernswerten Konsequenz verfolgt habe, dann nicht einen dieser Vorsätze auch nur im Ansatz erfüllt zu haben. Es sind die Klassiker: mehr Ordnung halten, mehr Disziplin, mehr lernen, weniger essen. Neben dem oberstem: mich beziehungsfähig machen. Während ich eigentlich lernen sollte, weil vier Prüfungen vor mir liegen, beliebe ich über meine nicht erfüllten Vorsätze zu sinnieren an meinem Schreibtisch, an dem kaum mehr Platz ist, außer dass meine Arme zum Tippen auf der Tastatur Platz finden und unterdessen zwitschere ich mir als geistige Nervennahrung Minischokodragees in mich hinein. Natürlich allein. Der deutsche Durchschnittsmann ist 178cm groß. Zumindest war er das gemäß Statistischem Bundesamt im Jahr 2005. Ich bin ein wenig, ganz schön zu groß geraten für den deutschen Durchschnittsmann. Und vermutlich ein wenig zu schwer. Habe ein Kreuz und Schultern von denen träumt manch Mann, sich damit geschmückt ein wenig männlicher zu fühlen. Ich bin ein wenig zu freakig, weil interessiert an Mathe, Physik und Schach. Ein wenig zu eben. Und während ich vor meinen Vorsätzen sitze, die letzten eineinhalb Monate Revue passieren lasse und die fünf vorangegangenen, frage ich mich, was mit mir geschehen ist. Wie ich den Kontakt zu einem Menschen abbrechen konnte, aus Gründen, die rein fiktiv sind. Wie ich mir Vorsätze darauf ausrichten konnte, die zum Ziel hatten, etwas zu verfolgen, dass nicht ich bin. – mich auf Krampf beziehungsfähig zu drillen. Ich, die mit 18 Kondome weggeschmissen hat, weil sie verfallen waren. In ihrem Leben nur einige Kurz-Tet-aTets hatte und eine Beziehung, die repräsentativ ist für eine Zeit, in der ich vergessen hatte, wer ich bin. Und wieder drohte ich, es zu vergessen. Zu vergessen, dass ich daran glaube. Daran glaube, dass es gut ist, zu sein, wie ich bin. Daran glaube, dass es richtig ist, ein wenig zu, zu sein. Daran glaube, dass Gründe gibt, weshalb ich bin, wie ich bin. Und weiß, lasse ich einen Menschen in mein Leben, dann, weil er eine Bereicherung ist und nicht damit ich nicht allein bin. Auch in diesem Jahr war das erste, was mich erreichte, eine SMS meiner Irgendwie-sowas-wie-Exfreundin. Ich bin ungeküsst in dieses Jahr hereingerutscht und vermutlich werde ich es auch in das nächste. Doch ich weiß, werde ich eines Silvesters einen Neujahrskuss bekommen, dann wird es die Liebe meines Lebens sein, die mir diesen Kuss geben wird. Und der einzige Vorsatz, der mich begleiten wird, wird der sein, mir selbst treu zu bleiben. Adé Monsieur Kloschüssel und roter Plastikeimer. Ich hoffe, ihr seht es mir nach, dass ich euch nicht vermissen werde. 10:21 PM - 17.2.2008 - Kommentare {0} - Einen Kommentar schreiben |
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