Backnang – Ein grandioses Spektakel quer durch die karnevalistischen Disziplinen zog der BKC in seinen Prunksitzungen am Wochenende ab. Wieder in Aktion war OB Dr. Frank Nopper als Backnanger Gänsehirt, der sein Federvieh mannhaft und tapfer beschirmt und dabei besonders auf Gefahren achtet, die vom Fuchs drohen.
VON ARMIN FECHTER
Nopper löste damit sein Versprechen ein, alle zwei Jahre in die Bütt zu steigen. Nach Einlagen als Bauer, Amtsbote und Gelbfüßler präsentierte er sich dieses Mal als Hüter seiner Backnanger Gänseschar. „Gänse braucht die Stadt zum Leba“, rief er, auch mit Blick zurück auf den Gänsekrieg, in dem Backnangs Frauen einst der Obrigkeit trotzten. Er fuhr fort: „Doch wenn man auf den Landkreis schaut, kriegt mer scho a Gänsehaut.“ Und dann reimt sich ganz flott „Krux“ auf „Fuchs“: „Er will zwar keine Gänse klaue, doch ons des Krankenhaus versaue.“ Nopper, der beim Vortrag der selbst verfassten Zeilen den Ton der TV-bekannten Vorbilder aus Kölle und Määnz traf, deutete auf seinen Hirtenstab und deklamierte: „Drum hängt an Fuchs an meinem Stecka. Johannes, du bisch onser Schrecka.“ – „Und i als Hirt schick jedenfalls dir d’ Gäns ganz sicher auf’n Hals. I sag’s da hanne glei ganz harsch, mir machet bald an Gänsemarsch.“
Kurz streifte Nopper das Stadthaus, das VfB-Stürmer Gomez mit Barock-Fassade versehen ließ, um dann die thematische Kurve zu kratzen. Winnenden gefällt ihm weniger, denn: „Die hen ons scho mal überfalle.“ Schon bald werde dort die neue B14 fertig – das Beste dran sei, „dass mer Wennada omfahra kann“.
Tradition hat bei den Backnanger Narren auch die Einlage des Nachtwächters. Auf seinem Rundgang durch die hohe und niedere Politik berührte Horst Klöpfer ebenfalls das Verhältnis zum Landrat, den er frech als „Herrgöttle an der Rems“ und „Rems-Kreis-Fürst“ titulierte, der mit dem Klinikneubau „auf dem nasse Wiesle en Wennada“ möglicherweise ob steigender Baukosten noch „nasse Fiaß“ bekommen wird. So werde aus ihm niemals ein Bau-Spar-Fuchs. Doch auch die Stadtoberen bekamen ihr Fett ab: „Das Rathaus wird jetzt knallrot, so ein Beschluss in Windeseile. Verlängert Backana dadurch optisch nun die rote Meile?“ Und den Stadträten, die in den Sitzungen statt heimischen Rebensaftes französischen Bordeaux goutieren, will er zur Strafe das Schwaben-Elixier verordnen: Most aus Maubacher, Schöntaler und Steinbacher Streuobstbeständen.
Ein närrisches Glanzlicht setzten Birgit Pfeiffer und Marcus Neuweiler alias Elsbeth und Alois Gscheidle als verspätete Sternsinger, die „Schwoba, Reigschmeckte, Karnevalischta ond alle andere Fasnetspilger“ um Gehör baten. In ihrer Litanei sprachen sie, „die scheinheiligen zwei Könige“, von der „Eckomehne“ und nahmen dann die Politik und ihre Akteure auseinander. Über Kanzlerin Angela Merkel spotteten sie: „Da kommen Emotionen rüber, wenn die sich freut.“ Und mit Blick auf die Krise verkündete Elsbeth: „Wenn’s in der Wirtschaft net lauft, gang i oifach en a andere.“ Das rief Werner Schmidgall, den Backnanger Volksbank-Chef, auf den Plan: Er sprang auf und reichte ein volles Weißbierglas auf die Bühne, das Birgit Pfeiffer in bekannter Manier in einem Zug leerte.
Doch das war noch lange nicht alles. Sitzungspräsident Detlev Reichert und Präsidentin Gabi Kallfaß hatten noch zahlreiche weitere Attraktionen anzukündigen. Zudem freuten sich die Karnevalisten über viele Ehrengäste, darunter in der Freitagsitzung Bernd Lipa, der Präsident des Landesverbandes Württembergischer Karnevalvereine, und Schlagerkönigin Andrea Berg, die anlässlich der Veranstaltung den LWK-Sternenorden erhielt. Im Verlauf der Sitzung zeigten die verschiedenen Gruppen des BKC ihr Können. Die Lohkäs-Trampler gaben dem Publikum mächtig Druck auf die Ohren, die Nachtschwärmer animierten zum Mitsingen und -klatschen, und das Männerballett präsentierte sich wacker mit dosiertem Schwung. Sympathiepunkte gewannen die Tanzmäusle und die Minis. Eine tolle Show boten die rote und die blaue Garde, aber auch die erfolgreichen Solisten und Paare: Judith/ Tom, Janina/Franz-Ferdinand, Kathrin/ Colin und Selina/Luca sowie Hanna und Lena. In einer eigenen Liga agiert Tanzmariechen Laura Hübsch – die Abiturientin besticht durch ihre Eleganz, gepaart mit Energie und Akrobatik.
Volltreffer landete der BKC mit seinen Gästen: die Altstadtjodler aus Gundelsheim und Günter Sigloch in der Bütt.
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