Beim Karneval sang sie als Funkenmariechen die ersten Lieder, mittlerweile hat Andrea Berg Millionen Alben verkauft. In den Texten der Schlagersängerin geht es oft um Frauen, die trotz aller Enttäuschungen tapfer um ihr Glück kämpfen. Ihre "Best of"-CD hält sich seit fast sieben Jahren ununterbrochen in den deutschen Charts - womit die 42-Jährige die bisherigen Rekordhalter Pink Floyd ablöste. In den Medien jedoch ist Andrea Berg, die mit ihrem Mann, dem Hotelier und Fußballmanager Ulrich Ferber, in Kleinaspach bei Backnang lebt, kaum präsent. Das Marketing findet über Fanclubs und Mund-Propaganda statt. In einem ihrer seltenen Interviews erklärt sie, warum sie so viele Fans hat und sich auf der Bühne gern sexy kleidet.
Frau Berg, woher kommt Ihre Medienscheu? Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht?
Die Erklärung ist simpler: Ich mag es einfach nicht, wenn ich im Fokus stehe. Das nimmt einem einen Teil der Privatsphäre. Deshalb gehe ich nicht in Talkshows, lasse mich ungern fotografieren und halte mich generell vom Medienrummel fern. Über den roten Teppich zu stolzieren ist eben nicht mein Ding. Ich bin am liebsten Privatperson. Und das tut mir gut.
Sie treten vor Zehntausenden Menschen auf, privat ist das nicht gerade ...
Da bin ich der Bühnenmensch. Dort fühle ich mich wohl, da bin ich stark.
Sie sind also eine Art Rampensau?
Na ja, wenn man das so ausdrücken will. Im Privatleben jedoch bleibe ich meist anonym, eben weil ich in den Medien kaum auftauche. Falls mich beim Metzger an der Aufschnitttheke dann doch jemand erkennt, sind das echte Fans. Diese Begegnungen sind mir wichtig. Wenn die Menschen mir erzählen, was sie mit meinen Liedern erleben, ist das anrührend und eine tolle Sache.
Was bekommen Sie denn zu hören?
Das ist zum Teil unwahrscheinlich intensiv. Wenn mir jemand erzählt, dass er sich mit meinen Liedern über einen Verlust oder eine schwere Krankheit hinweggetröstet hat, geht das ganz tief. Dann denke ich: Wow, wenn man so etwas bewegen kann, ist das doch etwas Großes. Das ist das eigentlich Schöne an meinem Beruf. Dann weiß ich, warum ich das alles mache.
Wie erklären Sie sich, dass Sie bei den Fans so gut ankommen?
Ich erzähle Emotionen, alltägliche Geschichten aus dem Leben, ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Darin finden sich die Menschen wieder. Jeder kann sich so weit darauf einlassen, wie er möchte. Es gibt leisere Töne, bei denen man sich mit seinem eigenen Schmerz auseinandersetzen kann, und Titel, die partytauglich sind. Wenn die Leute dabei für ein paar Stunden ihren Ärger und ihre Sorgen vergessen, hab' ich mein Ziel erreicht.
Sie schreiben viele Ihrer Texte selbst. Woher kommen die Ideen?
Im Grunde stecke ich da selbst drin, vieles ist autobiografisch. Es geht um Zwischenmenschliches, um die Liebe, die ja letztlich der Motor des Lebens ist. Wir alle machen Fehler, werden enttäuscht, sind traurig, verlieben uns wieder. Somit könnten die Geschichten aus dem Leben eines jeden stammen. Aber gegen eine Sache wehre ich mich: wenn es heißt, der Schlager sei seicht und drehe sich nur um ein einziges Thema - nämlich "diese eine Nacht". So banal ist das nicht.
Ärgert es Sie, dass Ihr Metier oft verhöhnt wird?
Im Gegenteil. Es ist doch eher lustig, wie sich diese Leute selbst belügen. Überall da, wo Menschen zusammenkommen, wo man nett zusammensitzt, wo gefeiert wird, läuft doch irgendwann "Ein Stern, der deinen Namen trägt" und "Du hast mich tausendmal belogen". Das Schöne ist, dass ich - anders als ein Politiker - niemanden von mir überzeugen muss. Wer meine Musik nicht mag, kann einfach abschalten. Dennoch hören sehr viele zu. Und zu meinen Konzerten pilgern Zehntausende.
Legt man sich mit der Zeit gegen Kritik ein dickes Fell zu?
Dann wäre ich nicht mehr ich. Und konstruktive Kritik ist sowieso wichtig. Aber wenn es nur ums Miesmachen geht, kann ich inzwischen gelassen lächeln. Solchen Leuten sag' ich: "Guckt mal, alle finden Schlager doof - und gehen trotzdem hin."
Und wer kommt zu Ihren Konzerten?
Da ist alles vertreten, von den Zwergen bis zu den Großeltern, auch einige Damengemeinschaften. Schön finde ich, dass sich die Leute, die in den vorderen Reihen stehen, alle gut kennen. Es gibt also viele Hardcore-Fans, die zu jedem Konzert kommen, sogar Dreijährige sind darunter, die absolut textsicher sind. Die Kleinen dürfen immer bei mir auf der Bühne sitzen, weil es dort nicht so laut ist. Und nach dem Konzert bekommen sie Poster und Mohrenköpfe. Die Konzerte sind im Grunde große Familienfeste.
Darf Ihre elfjährige Tochter mitfeiern?
Das entscheidet sie selbst, je nach Lust und Laune. Letztes Jahr hat sie spontan "Kleines Wunder" mit mir gesungen, das Lied, das ich für sie geschrieben habe.
Und wie findet sie es, dass Mama in Mini und hochhackigen Stiefeln auftritt?
Klasse und supersexy. Sie weiß ja, das eine ist mein Beruf, das andere privat. Zu Hause sieht sie mich dann mit Gummistiefeln im Garten und im Stall werkeln.
Es steht kein Marketingkonzept dahinter?
Nein, ich mache viel Sport, fühle mich in meinem Körper wohl und trage schon immer gern Mini. Zum Glück musste ich mich nie verbiegen oder so stylen lassen, dass ich mich nicht wiedererkenne.
Haben Sie davon geträumt, irgendwann einmal auf der Bühne zu stehen?
Seit ich denken kann, hab' ich getanzt und gesungen. Aber bis vor zehn Jahren war das mein Hobby, parallel hab' ich als Krankenschwester gearbeitet. Das hieß: montagabends Auftritt in der ZDF-"Hitparade", Dienstag früh zum Dienst antreten. Das war aber für meine Entwicklung wichtig.
Sie helfen noch heute in einem Hospiz in Ihrer Heimatstadt Krefeld ...
Stimmt. Das hält mich auf dem Boden.
Und im Hotel Ihres Mannes decken Sie auch mal die Frühstückstische der Gäste.
Ja, sicher. Ich verabschiede mich doch nicht aus dem Alltag, nur weil ich als Sängerin Erfolg habe.
Wie sieht Ihr Alltag denn aus?
Beruflich bin ich immer wieder im Studio, bastle an Songs. Und privat bin ich in meiner Großfamilie glücklich. Ich lebe mit 14 Personen unter einem Dach und finde es fantastisch, dass man sich gegenseitig auffängt. Außerdem liebe ich die Natur, arbeite gern im Garten, füttere und pflege unsere 27 Schweine, Schafe, Ziegen, Gänse.
Sie sind Rheinländerin, leben nun aber in Kleinaspach. Wie kommen Sie mit den Schwaben klar?
Die Schwaben sind stiller und zurückhaltender als die Rheinländer, aber sehr aufrichtig. Man kann sich voll und ganz auf sie verlassen. Das mag und schätze ich.