Feierten Austria-Platin: Andrea Berg und Peter Schilling (Bild: Andrea Mayer-Rinner)
Wie in Deutschland sprang Andrea Berg auch in den österreichischen Charts mit dem Album "Zwischen Himmel & Erde" direkt auf Platz eins und erreichte in der Alpenrepublik gleichfalls bereits Platinstatus. Peter Schilling, Director Ariola bei Sony Music Entertainment Austria, überrreichte der Schlagerkönigin das Edelmetall für mehr als 20.000 verkaufte Exemplare im Rahmen einer Albumpräsentation. Zu der hatte die österreichische Sony-Music-Division, dem Titel des Longplayers angemessen, einheimische Medienpartner ins Drehrestaurant des Wiener Donauturms in 150 Meter Höhe geladen.
Im Sog des neuen Charts-Triumphs verbesserte sich Andrea Berg auch mit ihrem phänomenal erfolgreichen Langzeitrenner "Best Of" wieder auf Platz zehn der österreichischen Hitliste. Der Sampler hält sich hier seit 361 Wochen ununterbrochen in den Top 40. Und als Wiedereinsteiger auf Rang 35 mit nun 65 Wochen Charts-Präsenz ist auch "Die neue Best Of" von Berg wieder in der Austria-Longplayhitliste dabei.
Andrea Berg geht im Mai auf Deutschlandtour, um ihren aktuellen Spitzenreiter in den MusikWoche Top 100 Longplay, "Zwischen Himmel & Erde" (Sony Music Ariola), live in Arenen und großen Hallen zu präsentieren. Start ist am 20. Mai in der Arena in Chemnitz. Die letzte von sieben angesetzten Indoor-Shows steigt am 30. Mai in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen. Mit ihrem Booker Johannes Möllering hat Berg darüber hinaus ein Open Air am 4. Juli im schwäbischen Aspach und eine Österreichtournee im November fixiert.
Andrea Berg landete mit "Zwischen Himmel & Erde" gerade die vierte Nummer eins ihrer Karriere in den MusikWoche Top 100 Longplay. Das in Zusammenarbeit mit ihrem Stammproduzenten Eugen Römer entstandene Werk erlangte bereits mit der Auslieferung Platinstatus.
Backnang – Ein grandioses Spektakel quer durch die karnevalistischen Disziplinen zog der BKC in seinen Prunksitzungen am Wochenende ab. Wieder in Aktion war OB Dr. Frank Nopper als Backnanger Gänsehirt, der sein Federvieh mannhaft und tapfer beschirmt und dabei besonders auf Gefahren achtet, die vom Fuchs drohen.
VON ARMIN FECHTER
Nopper löste damit sein Versprechen ein, alle zwei Jahre in die Bütt zu steigen. Nach Einlagen als Bauer, Amtsbote und Gelbfüßler präsentierte er sich dieses Mal als Hüter seiner Backnanger Gänseschar. „Gänse braucht die Stadt zum Leba“, rief er, auch mit Blick zurück auf den Gänsekrieg, in dem Backnangs Frauen einst der Obrigkeit trotzten. Er fuhr fort: „Doch wenn man auf den Landkreis schaut, kriegt mer scho a Gänsehaut.“ Und dann reimt sich ganz flott „Krux“ auf „Fuchs“: „Er will zwar keine Gänse klaue, doch ons des Krankenhaus versaue.“ Nopper, der beim Vortrag der selbst verfassten Zeilen den Ton der TV-bekannten Vorbilder aus Kölle und Määnz traf, deutete auf seinen Hirtenstab und deklamierte: „Drum hängt an Fuchs an meinem Stecka. Johannes, du bisch onser Schrecka.“ – „Und i als Hirt schick jedenfalls dir d’ Gäns ganz sicher auf’n Hals. I sag’s da hanne glei ganz harsch, mir machet bald an Gänsemarsch.“
Kurz streifte Nopper das Stadthaus, das VfB-Stürmer Gomez mit Barock-Fassade versehen ließ, um dann die thematische Kurve zu kratzen. Winnenden gefällt ihm weniger, denn: „Die hen ons scho mal überfalle.“ Schon bald werde dort die neue B14 fertig – das Beste dran sei, „dass mer Wennada omfahra kann“.
Tradition hat bei den Backnanger Narren auch die Einlage des Nachtwächters. Auf seinem Rundgang durch die hohe und niedere Politik berührte Horst Klöpfer ebenfalls das Verhältnis zum Landrat, den er frech als „Herrgöttle an der Rems“ und „Rems-Kreis-Fürst“ titulierte, der mit dem Klinikneubau „auf dem nasse Wiesle en Wennada“ möglicherweise ob steigender Baukosten noch „nasse Fiaß“ bekommen wird. So werde aus ihm niemals ein Bau-Spar-Fuchs. Doch auch die Stadtoberen bekamen ihr Fett ab: „Das Rathaus wird jetzt knallrot, so ein Beschluss in Windeseile. Verlängert Backana dadurch optisch nun die rote Meile?“ Und den Stadträten, die in den Sitzungen statt heimischen Rebensaftes französischen Bordeaux goutieren, will er zur Strafe das Schwaben-Elixier verordnen: Most aus Maubacher, Schöntaler und Steinbacher Streuobstbeständen.
Ein närrisches Glanzlicht setzten Birgit Pfeiffer und Marcus Neuweiler alias Elsbeth und Alois Gscheidle als verspätete Sternsinger, die „Schwoba, Reigschmeckte, Karnevalischta ond alle andere Fasnetspilger“ um Gehör baten. In ihrer Litanei sprachen sie, „die scheinheiligen zwei Könige“, von der „Eckomehne“ und nahmen dann die Politik und ihre Akteure auseinander. Über Kanzlerin Angela Merkel spotteten sie: „Da kommen Emotionen rüber, wenn die sich freut.“ Und mit Blick auf die Krise verkündete Elsbeth: „Wenn’s in der Wirtschaft net lauft, gang i oifach en a andere.“ Das rief Werner Schmidgall, den Backnanger Volksbank-Chef, auf den Plan: Er sprang auf und reichte ein volles Weißbierglas auf die Bühne, das Birgit Pfeiffer in bekannter Manier in einem Zug leerte.
Doch das war noch lange nicht alles. Sitzungspräsident Detlev Reichert und Präsidentin Gabi Kallfaß hatten noch zahlreiche weitere Attraktionen anzukündigen. Zudem freuten sich die Karnevalisten über viele Ehrengäste, darunter in der Freitagsitzung Bernd Lipa, der Präsident des Landesverbandes Württembergischer Karnevalvereine, und Schlagerkönigin Andrea Berg, die anlässlich der Veranstaltung den LWK-Sternenorden erhielt. Im Verlauf der Sitzung zeigten die verschiedenen Gruppen des BKC ihr Können. Die Lohkäs-Trampler gaben dem Publikum mächtig Druck auf die Ohren, die Nachtschwärmer animierten zum Mitsingen und -klatschen, und das Männerballett präsentierte sich wacker mit dosiertem Schwung. Sympathiepunkte gewannen die Tanzmäusle und die Minis. Eine tolle Show boten die rote und die blaue Garde, aber auch die erfolgreichen Solisten und Paare: Judith/ Tom, Janina/Franz-Ferdinand, Kathrin/ Colin und Selina/Luca sowie Hanna und Lena. In einer eigenen Liga agiert Tanzmariechen Laura Hübsch – die Abiturientin besticht durch ihre Eleganz, gepaart mit Energie und Akrobatik.
Volltreffer landete der BKC mit seinen Gästen: die Altstadtjodler aus Gundelsheim und Günter Sigloch in der Bütt.
Die Schlagersängerin Andrea Berg die bei Sony BMG Ariola unter Vertrag steht, hat am 4. November im Berliner Schloss Bellevue das Bundesverdienstkreuz erhalten. Bundespräsident Horst Köhler ehrte die Künstlerin, die seit 1999 durch ihren persönlichen Einsatz die Hospizbewegung unterstützt und durch Aufklärung vielen Schwerkranken geholfen habe. Berg nutze ihre Popularität und ihren damit verbundenen Einfluss, um auf die Bedeutung dieser Arbeit aufmerksam zu machen und andere zu motivieren, sich in der Hospizbewegung zu engagieren und diese durch Spenden zu unterstützen, so Köhler in seiner Laudatio.
Der Landrat Johannes Fuchs aus Waiblingen, wo Berg wohnt, lobte in einem persönlichen Glückwunschschreiben ihre "soziale Seele" und ihren hohen mitmenschlichen Einsatz: "Dank Ihrer Popularität ist es Ihnen gelungen, über die Hospizbewegung aufzuklären und viele Menschen für diese wichtige Arbeit zu motivieren. Dass Ihr Engagement für die schwerkranken Menschen aus tiefstem Herzen kommt, zeigt sich darin, wie Sie nicht allein mit Spendengeldern unterstützen, sondern Hospizbewohnern durch persönlichen Besuch Vertrauen und Freude schenken."
Ariola veröffentlicht das Album "Best of (2 Millionen Edition)" am 7. November in einer neuen Ausgabe.
Sie sitzt an ihrem Bett, lacht und weint mit den Todkranken
Aspach – Man kennt sie als Schlagersängerin, die sogar die Beatles und Pink Floyd in Deutschland von Platz 1 der Ewigen-Besten-Listen verdrängt hat: Andrea Berg. Weniger bekannt ist, dass sie sich für wohltätige Zwecke engagiert. Insbesondere für das Hospiz in ihrer Heimatstadt Krefeld. Dafür bekommt die in Kleinaspach lebende Sängerin heute im Schloss Bellevue in Berlin von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz verliehen.
VON INGRID KNACK
Andrea Berg versteht es nicht nur durch ihre Lieder, die Herzen der Menschen zu berühren. Auch wenn sie mit ihren Fans über ihr Engagement für schwerstkranke und sterbende Menschen redet und auf sensible Art andere an ihren Erfahrungen bei den Besuchen im Hospiz teilhaben lässt, bleibt das nicht ohne Folgen: Die Fans sammeln jetzt ihrerseits für das Haus am Blumenplatz oder besuchen selbst die Einrichtung. „Es ist etwas, was überregional funktioniert“, sagt die Sängerin. 1999 war mit den Arbeiten für das Hospiz begonnen worden. Schon zuvor hatte Andrea Berg an Benefiz-Veranstaltungen für diesen guten Zweck teilgenommen.
Mit der Palliativmedizin wurde die Krefelderin schon während ihrer Ausbildung als Arzthelferin konfrontiert. Bereits als 17-Jährige „durfte ich in den OP“. Im Klinikum hat sie alle Abteilungen durchlaufen, auf der Krebsstation sah sie, wie alte und junge Menschen dem Tode geweiht waren. „Das prägt einen schon sehr.“ Sie hat noch die Betten mit „diesen furchtbaren Plastikfolien darüber“ vor Augen, in denen die Kranken lagen, für die’s keine Hoffnung mehr gab.
Diese und andere Erlebnisse, über die man gewöhnlich ungern spricht, spielen alle dabei mit, dass Andrea Berg sich mit großer Ernsthaftigkeit abseits der von vielen Stars praktizierten Vorzeige-Wohltätigkeit und ohne großen Medienrummel für das Hospiz in Krefeld stark macht – finanziell und durch ganz persönliche Zuwendung zu den Bewohnern. Wie sie dazu kam? Eine Rolle spielte dabei, dass die Stiftungs-Vorsitzende Karin Meincke mit dem Bassisten aus ihrer ersten Band verheiratet ist.
Andrea Berg besucht die Menschen im Hospiz regelmäßig, telefoniert immer wieder mit ihnen. Und: „Ich sitze wirklich am Bett, ich kann die Hand halten . . .“. Auf dieses Thema angesprochen, sagt sie Sätze wie „Ich habe geweint mit der Dame und ihrer Tochter. Das hat uns allen gutgetan. Ab einem bestimmten Stadium ist es nicht mehr der Verstand, sondern die Seele, die sich da äußert.“
Auch für die Angehörigen, für die Trauerarbeit nach dem Tod eines geliebten Menschen, sei es wichtig, wie jemand hinübergehe in diese andere unbekannte Welt. Mit einem „Ausdruck von Glück“ oder aber in einer kalten Atmosphäre in einem Krankenhaus, angeschlossen an Apparate. Diese Bilder prägten sich bei den Angehörigen ein, sie seien mit ausschlaggebend, wie der Verlust verarbeitet werden kann.
Das Sterbehaus in Krefeld ist kein Ort, an dem Niedergeschlagenheit den Ton angibt. „Man lacht auch.“ Dass Andrea Berg dort Fans hat und Autogramme geben muss, versteht sich von selbst.
Im Jahr 2007 wurde in dem Areal, das früher einmal ein Kloster war, ein Garten angelegt. Die Sängerin erinnert sich gerne daran, wie dann alle zusammen diesen eroberten – mit oder ohne Rollstuhl. Lustig und ausgelassen sei es da zugegangen. Mit solchen Schilderungen möchte die Künstlerin Berührungsängste nehmen. „Die Menschen haben viel zu viel Angst. Wenn man einmal da war, nimmt man etwas mit.“ Nicht nur neue Energie. Es sind die Gespräche mit den Menschen, „die einem sagen können, worauf es ankommt“, die Spuren hinterlassen.
Das einstige Kloster bezeichnet Andrea Berg als einen Ort des Kommens und Gehens. In der „wunderschönen Kapelle“ werden mitunter Taufen gefeiert. Und so wird diese kleine Oase der Menschlichkeit ein Abbild des ganzen Lebens, von den ersten Schritten auf dieser Erde bis hin zum Tod. Auf dieser Strecke Weges werden Feste gefeiert, Konzerte gegeben, Grillabende veranstaltet, auch im Hospiz. Oder es werden Wünsche erfüllt. Zum Beispiel der der 21-jährigen Sophia, die einen Gehirntumor hatte und im Rollstuhl saß: Sie träumte davon, das Musical „Starlight Express“ live zu erleben. Der Traum wurde wahr. Ein anderer Patient wollte noch einmal in die Berge, wo er mit seiner Frau auf Hochzeitsreise war. „Das haben wir gemacht.“
„Es ist die Liebe,
die ich erleben kann“
Manchmal werden auf diese oder andere Art sogar Familien wieder zusammengeführt. Klar, mit in die Berge ist Andrea Berg nicht gereist, aber wenn jemand mit ihr „im Cabrio um den Block fahren will“, dann macht sie das gerne. Und sie erzählt von einem Aufenthalt im Garten mit einer im Rollstuhl sitzenden Dame, die alle Blumen dort beim Namen nennen konnte. „Es ist die Liebe, die ich erleben kann. Man kann eine Menge lernen.“ Auch, sich über kleine Dinge, Geschenke der Natur zu freuen. „In unser Hospiz kann jeder hingehen“, erklärt die Sängerin. Egal, welcher Konfession er angehört, egal, wie er versichert ist. Bedingung sei nur, und das höre sich jetzt makaber an, „ich muss unheilbar krank und austherapiert sein“.
Wenn Andrea Berg den Bewohnern ihre Zeit schenkt, dann wird auch sie belohnt: Die Gespräche mit den Menschen geben ihr Bodenhaftung. Doch nicht nur für das Hospiz hat sie ein Herz. Man erinnere sich zum Beispiel nur an die siamesischen Zwillinge aus Afrika, die in München getrennt wurden. Auch dort half die Sängerin auf ihre ganz persönliche Art. „Man kann einfach was bewegen, wenn man zusammenhält, Energie hat und sagt: Das kriegen wir hin.“
Bundespräsident Horst Köhler zeichnet am 4. November 2008 Frauen und Männer, die sich vorbildlich für das Miteinander der Generationen eingesetzt haben, mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus.
Andrea Berg Aspach
Seit 1999 engagiert sich Frau Berg, eine der erfolgreichsten Schlagersängerinnen Deutschlands, für die Hospizarbeit. Sie nutzt ihre Popularität und ihren damit verbundenen Einfluss, um auf die Bedeutung dieser Arbeit aufmerksam zu machen und andere zu motivieren, sich in der Hospizbewegung zu engagieren bzw. diese durch Spenden zu unterstützen. Vom Baubeginn des Hospizes am Blumenplatz in Krefeld bis zu dessen Fertigstellung im Jahr 2004 nahm sie an Benefizveranstaltungen zur Unterstützung der Einrichtung teil. Bei ihren Besuchen nimmt sie sich stets viel Zeit, um mit den Hospizbewohnern zu sprechen und auf ihre Probleme einzugehen. Auch telefonisch hält sie Kontakt zu ihnen.
Andrea Berg: Emotionaler Gipfel-Sturm, hochhackige Overknees & Staus nicht nur der Gefühle
Sie ist die erfolgreichste deutsche Sängerin, hat in den deutschen Top 100 Charts der Alben selbst die Beatles und Pink Floyd auf die Plätze verbannt. Riesige Konzerthalle zu füllen, ist für sie aktuell kein Problem. Sie ist ein Phänomen, sorgt in ihren Tournee-Orten für Staus, aber bei ihren Konzerten können ihre musikalischen Streicheleinheiten ein Feuerwerk der Emotionen auslösen. Sie wird eigentlich der Schlagerszene zugerechnet, ist aber längst bei der jungen Partyszene angekommen - mit ihren Hits, die Partyknaller und Fetenhits auch noch sind. Die große Frau mit rotbrauner Mähne, dem ewigen Mini, den hochhackigen Overknees und den schon kultigen Hits ist immer die Selbe: Andrea Berg.
Erlebt habe ich Andrea Berg bereits bei verschiedenen Auftritten, meist riesigen Veranstaltungen. Doch das Konzert im Rahmen ihrer aktuellen Tournee hat doch einige Maßstäbe gesetzt - zumindest für die deutschsprachige Musikszene. Ich war in Erfurt dabei, auch backstage, habe darüber nicht nur in meiner Tageszeitung, der TLZ, und in meinem Backstage-Weblog auf der TLZ-Homepage geschrieben. Ich will mich auch hier mit dem Phänomen Andrea Berg auseinandersetzen.
Man muss wohl so ein Konzert oder vielleicht sogar mehrere davon erlebt haben. Da reisen ganze Fan-Clubs und -Delegationen in fortgeschrittenen Jahren an, Kinder werden mitgenommen und das Gastspiel wird als Familien-Event konsumiert. Auf den Zufahrtsstraßen der Messehallen sind Staus angesagt, kein Wunder, wenn die Schallmauer von 10.000 Besucher locker erreicht wird, vorausgesetzt die Kapazitäten lassen das zu. Und die Fans werden in einen emotionalen Sog gezogen, feiern in einem Stau der Gefühle die Sängerin, die eigentlich die meisten Songs immer im gleich oder zumindest ähnlichen Sound abliefert. Für den sorgt seit einigen Jahren der Produzent Eugen Römer.
Andrea Berg hat fast alle Hits in den letzten Jahren im gleichen Strickmuster gesungen - von Liebe, Sehnsucht, Freude, Enttäuschung, vom Verlassensein und glücklichen Momenten. Es sind immer irgendwie Beziehungskisten, die dort thematisiert werden. In die sich aber vor allem Menschen mit etwas Lebenserfahrung reindenken können, eben solche, die schon einige Tage auf dieser Welt unterwegs sind.
Nun ist die Sängerin Anfang 40, seit einiger Zeit mit einem Fußballmanager wieder unter der Haube, aber wenn sie auf die Bühne kommt, dann stets im Mini-Mini, meist in Stiefel, auch in hochhackigen Overknees, und auch an einer heißen Corsage lässt es die gebürtige Krefelderin nicht fehlen. Immer betont sexy, ein Hauch von etwas verrucht - die weiblichen Fans tolerieren das, die männlichen wolles es - überwiegend? - darüber gibts wohl keine Erhebungen.
Andrea Berg ist auf der Höhe ihrer Erfolge, hat eigentlich abgeräumt, was es in Deutschland zu holen gibt. Sie ist auf dem Gipfel ihrer Karriere, da ist nicht mehr viel zu toppen. Und sie genießt das alles, aber in den großen Konzerten gibt sie sich immer wieder verblüfft, gerührt angesichts der Zuneigung ihrer Fans. Das ist wohl nicht gespiel sondern wirklich ehrlich. Sie kann es manchmal selbst nicht begreifen.
Mit ihren Gesten steuert sie das Publikum. Die Fans gehen im Gefühlstaumel und im Schunkeldunkel der Hallen wie berauscht mit, lassen sich in einer Woge der Begeisterung mitreißen. Selbst die junge Generation kennt sie, denn ihre Hits sind längst Partykracher geworden. Wenn sie sich - was niemand weiß - in einigen Jahren aus dem Rampenlicht etwas zurückzieht, dann werden wohl viele ihrer Erfolgstitel als Gassenhauer in der Partyszene munter fortleben.
Irgendwann trällern sie dann jene kleinen Kinder, die heute auch schon mit ihren Eltern (oder manchmal sogar den Großeltern) in den Konzert dabei sind, dann vielleicht sogar mit auf die Bühne geholt werden, um nach dem jeweiligen Finale dann mit Mohrenköpfen, Autogrammen und Postern belohnt zu werden. Und wenn am 5. Juli die Freizeitanlage Fautenhau in Kleinaspach nahe Stuttgart Zigtausende mit Kind und Kegel aus der Republik anlockt, weil dort, wo Andrea Bergs Mann mit seiner Familie eine beliebte Hotelanlage betreibt, dann das große Jahres-Open-Air steigt. Und die Gefühle haben dann keine Schweigepflicht beim Berg-Fest von Deutschlands erfolgreister Sängerin überhaupt…
Der Fautenhau als Pilgerstätte: Erst für 12000 Freunde von Schlagerstar Andrea Berg, dann für 4700 VfB-Fans. „Wir sind stolz, zwei solche Veranstaltungen ohne große Zwischenfälle über die Bühne gebracht zu haben“, sagt Werner Benignus, der Vorsitzende der Fußballabteilung der SG Sonnenhof Großaspach. Der Hunger nach solchen Ereignissen ist nicht gestillt.
VON STEFFEN GRÜN
Einen Termin für das nächste Heimspiel von Andrea Berg haben die Verantwortlichen bereits ins Auge gefasst: Der 4. Juli 2009 ist angedacht. Im Idealfall sollen aber auch die Fußballfeste im Fautenhau im jährlichen Rhythmus gefeiert werden. Da mit dem fünften Gastspiel des VfB Stuttgart in Großaspach nach 1999, 2004, 2006 und 2008 erst in 24 Monaten zu rechnen ist, machen sich die Protagonisten für den nächsten Sommer andere Gedanken. Denn Benignus macht keinen Hehl aus seinen Wunschvorstellungen: „Wir wollen versuchen, jedes Jahr einen sehr guten Verein hierher zu bekommen.“ Die entsprechenden Kontakte dürften in den nächsten Wochen und Monaten intensiviert werden. Zumal Benignus auch die finanzielle Bedeutung solcher Veranstaltungen für den Club betont. Kein Zweifel besteht nach den jüngsten Eindrücken daran, dass die SG in der Lage ist, solche Großereignisse zur Zufriedenheit der Gäste zu organisieren. „Viele Leute haben an einem Strang gezogen“, lobt Benignus vor allem die Ehrenamtlichen. Nur so kann es auch gehen.
Bei diesem Spiel trifft die Bezeichnung Fußballfest auf jeden Fall zu...
Heute spielt der VfB beim Oberligisten SG Sonnenhof Großaspach. Ein Test für die Saison, vor allem aber ein Fest für die Fans. Denn außer dem Spiel gibt es Party satt.
Ex-Box-Weltmeister Sven Ottke und Stabhochsprung-As Tim Lobinger besorgen den Anstoß.
In der Pause spielt Schlagerkönigin Andrea Berg die Glücksfee bei verschiedenen Verlosungen.
Nach dem Abpfiff geht das Fest richtig los.
Bata Illic und Ex-VfB-Torwart Eike Immel geben ihren Hit „Wie ein Liebeslied“ aus dem Dschungel-Camp zum Besten.
Los geht es im Sportpark Fautenhau in Aspach ab 17 Uhr. Der Anstoß ist um 18.30 Uhr (Eintritt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro).
„Ich bin Fußballer und will wieder als Trainer arbeiten.“ Für Eike Immel ist die Teilnahme im RTL-Dschungel-Camp nicht der Beginn einer zweiten Karriere. Daran ändert auch das Duett mit Schlagerstar Bata Illic und dem Song „Wie ein Liebeslied“ nichts. Für den früheren Nationaltorhüter sind Auftritte im Showgeschäft wie am Freitag im Rahmen des VfB-Spiels im Aspacher Fautenhau die Ausnahme. Auch wenn Produzent Francesco Bruletti die Scheibe des Duos Immel/Illic und deren Liebeslied Ende Februar auf den Markt brachte. „Ich habe das nur aus Spaß an der Freude gemacht“, erklärt Ex-Profi Immel und betont: „Das ist ein einmaliger Ausflug. Ich weiß nicht einmal, wie der Song überhaupt läuft.“ Das Ganze habe spontan im Dschungel-Camp begonnen: „Ich liebe einfach den deutschen Schlager und singe gerne. Zudem habe ich dort mit Bata Illic nicht nur einen hervorragenden Künstler kennengelernt, sondern einen ganz außergewöhnlichen und lieben Menschen.“ Diesen Tonträger mit dem erfahrenen Sänger aufzunehmen, sei für ihn eine Ehre gewesen. Bata Illic feierte seine größten Erfolge in den Siebzigern, als er mit Superhits wie „Michaela“ die Hitparaden stürmte.
Obwohl der Fußball viel mit Show zu tun hat und manchmal genau so undurchsichtig wie ein Dschungel ist, bleibt der ehemalige Torhüter, der bereits mit 17 Jahren im Dress von Borussia Dortmund seinen Einstand in der Ersten Bundesliga gab, dem Sport treu: „Im Fußball fühle ich mich zu Hause.“ Das ist nachvollziehbar. Nach dem Bundesliga-Debüt mit 17 absolvierte Eike Immel 1980 mit 19 Jahren sein erstes von 19 Länderspielen und hütete 1988 den Kasten bei der EM in Deutschland. Zwangsläufig drängt sich die Frage auf, wie er das Abschneiden und die Leistung des heutigen Nationalteams bei dieser EM bewertet:: „Die Platzierung ist super. Mehr war nicht drin.“ Die spielerische Leistung sei aber nicht überragend gewesen: „Mit Spanien holte das beste Team den Titel. Die haben einen tollen Offensivfußball gespielt.“
534 Bundesligaspiele absolvierte Immel, davon 287 für Stuttgart. Dessen Entwicklung verfolgt er mit großem Interesse. Auch die Personalentscheidung Jens Lehmann: „Vorweg muss ich sagen, dass der Club von der sportlichen Leitung her mit Manager Horst Heldt und Trainer Armin Veh absolut professionell geführt wird. In der Torwartfrage hatte der VfB Bedarf, Lehmann war auf dem Markt – also alles klar.“ Das Alter des Keepers (38 Jahre) fällt für ihn wenig ins Gewicht: „Fakt ist, dass man weiß, was man an ihm hat. Deshalb war die Verpflichtung richtig.“
Nicht immer in die richtige Richtung läuft das Leben. Auch nicht für Immel. Da waren die massiven gesundheitlichen Probleme mit der Hüfte, die nach einer Operation gelöst sind. Da waren finanzielle Schwierigkeiten, die bis vor Gericht gingen und mit einer Verurteilung endeten. Nicht immer scheint die Sonne für Immel. Verdrängt hat er das nicht, aber aufgearbeitet. „Die Vergangenheit kann niemand ändern. Ich blicke nach vorne.“ Der Ex-Kicker tut das, was er als Profi immer getan hat: Er kämpft. „Nutze den Tag“ – diese Lebensphilosophie hat er sich zu eigen gemacht. Deshalb ist er überzeugt, dass er bald den Wiedereinstieg ins Fußballgeschäft packt. Übers Trainergeschäft existieren schon länger Kontakte zur SG Sonnenhof. Als der Oberligist einst in der Verbandsliga einen neuen Übungsleiter suchte, fiel im Fautenhau oft der Name Immel, der damals Coach des VfR Heilbronn war und mit dem in die Oberliga aufstieg. „In dem Zusammenhang habe ich Uli Ferber kennengelernt.“ Abgerissen ist der Kontakt nie ganz, obwohl Immel unter anderem als Torwarttrainer bei Besiktas und Fenerbahce Istanbul unter Chef Christoph Daum tätig war. Nun wirbelt der 47-Jährige tatsächlich im Fautenhau: als Sänger im Rahmenprogramm des Testspiels des VfB Stuttgart bei Aspachs Oberligisten. Die Herren Immel und Ferber verbindet nicht nur der Fußball, sondern auch die Schlagermusik. In dem Fall das Liebeslied mit Bata Illic. Immel freut sich aber nicht nur auf diesen Auftritt: „Ich bin ein großer Fan von Andrea Berg. Aber ich habe sie noch nie bei einem Konzert live erlebt und kenne sie auch nicht persönlich.“ – Das ändert sich morgen. Zumindest das Kennenlernen. Vielleicht gibt’s ja doch noch einen zweiten Ausflug ins (Musik-)Showgeschäft...
12 000 Fans feierten unsere Schlager-Königin in Aspach
Mehr als 12 000 Fans aus der gesamten Republik pilgerten am Wochenende nach Kleinaspach (Rems-Murr-Kreis), um ihren Star Andrea Berg (42, Du hast mich tausendmal belogen) live und Open Air zu sehen.
Unsere Schlager-Königin – ihr „Best of“-Album hält sich seit fast sieben Jahren ununterbrochen in den deutschen Charts. Damit hat sie die Rekordhalter Pink Floyd und Beatles abgelöst. Mehr als 7 Mio. Platten hat sie verkauft, die wichtigsten Musikpreise von Echo bis Goldene Stimmgabel abgeräumt. Wo sie auftritt, sind die größten Hallen voll.
Phänomen Andrea Berg (verh. mit Hotelier und Fußballmanager Ulrich Ferber, 43). Musik-Experte Rainer Nitschke (61) von SWR 4 erklärt das Erfolgsgeheimnis der ehemaligen Krankenschwester:
Optik: „Bemerkenswert! Andrea hat eine tolle Figur, trägt mutig Strapse, Corsagen, Miniröcke. Den Leuten gefällt’s.“
Stimme: „Enorm! Im besten Sinne eigen und unnachahmlich.“
Songs: „Produzent Eugen Römer hat die Lieder speziell für sie geschrieben. Sie geben Andrea eins zu eins wieder.“
Texte: „Authentisch! Andrea erzählt Geschichten, die das Leben schreibt. Sie gaukelt den Menschen nichts vor.“
Schlagersängerin Andrea Berg über Fans und ihre Medienscheu
Beim Karneval sang sie als Funkenmariechen die ersten Lieder, mittlerweile hat Andrea Berg Millionen Alben verkauft. In den Texten der Schlagersängerin geht es oft um Frauen, die trotz aller Enttäuschungen tapfer um ihr Glück kämpfen. Ihre "Best of"-CD hält sich seit fast sieben Jahren ununterbrochen in den deutschen Charts - womit die 42-Jährige die bisherigen Rekordhalter Pink Floyd ablöste. In den Medien jedoch ist Andrea Berg, die mit ihrem Mann, dem Hotelier und Fußballmanager Ulrich Ferber, in Kleinaspach bei Backnang lebt, kaum präsent. Das Marketing findet über Fanclubs und Mund-Propaganda statt. In einem ihrer seltenen Interviews erklärt sie, warum sie so viele Fans hat und sich auf der Bühne gern sexy kleidet.
Frau Berg, woher kommt Ihre Medienscheu? Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht?
Die Erklärung ist simpler: Ich mag es einfach nicht, wenn ich im Fokus stehe. Das nimmt einem einen Teil der Privatsphäre. Deshalb gehe ich nicht in Talkshows, lasse mich ungern fotografieren und halte mich generell vom Medienrummel fern. Über den roten Teppich zu stolzieren ist eben nicht mein Ding. Ich bin am liebsten Privatperson. Und das tut mir gut.
Sie treten vor Zehntausenden Menschen auf, privat ist das nicht gerade ...
Da bin ich der Bühnenmensch. Dort fühle ich mich wohl, da bin ich stark.
Sie sind also eine Art Rampensau?
Na ja, wenn man das so ausdrücken will. Im Privatleben jedoch bleibe ich meist anonym, eben weil ich in den Medien kaum auftauche. Falls mich beim Metzger an der Aufschnitttheke dann doch jemand erkennt, sind das echte Fans. Diese Begegnungen sind mir wichtig. Wenn die Menschen mir erzählen, was sie mit meinen Liedern erleben, ist das anrührend und eine tolle Sache.
Was bekommen Sie denn zu hören?
Das ist zum Teil unwahrscheinlich intensiv. Wenn mir jemand erzählt, dass er sich mit meinen Liedern über einen Verlust oder eine schwere Krankheit hinweggetröstet hat, geht das ganz tief. Dann denke ich: Wow, wenn man so etwas bewegen kann, ist das doch etwas Großes. Das ist das eigentlich Schöne an meinem Beruf. Dann weiß ich, warum ich das alles mache.
Wie erklären Sie sich, dass Sie bei den Fans so gut ankommen?
Ich erzähle Emotionen, alltägliche Geschichten aus dem Leben, ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Darin finden sich die Menschen wieder. Jeder kann sich so weit darauf einlassen, wie er möchte. Es gibt leisere Töne, bei denen man sich mit seinem eigenen Schmerz auseinandersetzen kann, und Titel, die partytauglich sind. Wenn die Leute dabei für ein paar Stunden ihren Ärger und ihre Sorgen vergessen, hab' ich mein Ziel erreicht.
Sie schreiben viele Ihrer Texte selbst. Woher kommen die Ideen?
Im Grunde stecke ich da selbst drin, vieles ist autobiografisch. Es geht um Zwischenmenschliches, um die Liebe, die ja letztlich der Motor des Lebens ist. Wir alle machen Fehler, werden enttäuscht, sind traurig, verlieben uns wieder. Somit könnten die Geschichten aus dem Leben eines jeden stammen. Aber gegen eine Sache wehre ich mich: wenn es heißt, der Schlager sei seicht und drehe sich nur um ein einziges Thema - nämlich "diese eine Nacht". So banal ist das nicht.
Ärgert es Sie, dass Ihr Metier oft verhöhnt wird?
Im Gegenteil. Es ist doch eher lustig, wie sich diese Leute selbst belügen. Überall da, wo Menschen zusammenkommen, wo man nett zusammensitzt, wo gefeiert wird, läuft doch irgendwann "Ein Stern, der deinen Namen trägt" und "Du hast mich tausendmal belogen". Das Schöne ist, dass ich - anders als ein Politiker - niemanden von mir überzeugen muss. Wer meine Musik nicht mag, kann einfach abschalten. Dennoch hören sehr viele zu. Und zu meinen Konzerten pilgern Zehntausende.
Legt man sich mit der Zeit gegen Kritik ein dickes Fell zu?
Dann wäre ich nicht mehr ich. Und konstruktive Kritik ist sowieso wichtig. Aber wenn es nur ums Miesmachen geht, kann ich inzwischen gelassen lächeln. Solchen Leuten sag' ich: "Guckt mal, alle finden Schlager doof - und gehen trotzdem hin."
Und wer kommt zu Ihren Konzerten?
Da ist alles vertreten, von den Zwergen bis zu den Großeltern, auch einige Damengemeinschaften. Schön finde ich, dass sich die Leute, die in den vorderen Reihen stehen, alle gut kennen. Es gibt also viele Hardcore-Fans, die zu jedem Konzert kommen, sogar Dreijährige sind darunter, die absolut textsicher sind. Die Kleinen dürfen immer bei mir auf der Bühne sitzen, weil es dort nicht so laut ist. Und nach dem Konzert bekommen sie Poster und Mohrenköpfe. Die Konzerte sind im Grunde große Familienfeste.
Darf Ihre elfjährige Tochter mitfeiern?
Das entscheidet sie selbst, je nach Lust und Laune. Letztes Jahr hat sie spontan "Kleines Wunder" mit mir gesungen, das Lied, das ich für sie geschrieben habe.
Und wie findet sie es, dass Mama in Mini und hochhackigen Stiefeln auftritt?
Klasse und supersexy. Sie weiß ja, das eine ist mein Beruf, das andere privat. Zu Hause sieht sie mich dann mit Gummistiefeln im Garten und im Stall werkeln.
Es steht kein Marketingkonzept dahinter?
Nein, ich mache viel Sport, fühle mich in meinem Körper wohl und trage schon immer gern Mini. Zum Glück musste ich mich nie verbiegen oder so stylen lassen, dass ich mich nicht wiedererkenne.
Haben Sie davon geträumt, irgendwann einmal auf der Bühne zu stehen?
Seit ich denken kann, hab' ich getanzt und gesungen. Aber bis vor zehn Jahren war das mein Hobby, parallel hab' ich als Krankenschwester gearbeitet. Das hieß: montagabends Auftritt in der ZDF-"Hitparade", Dienstag früh zum Dienst antreten. Das war aber für meine Entwicklung wichtig.
Sie helfen noch heute in einem Hospiz in Ihrer Heimatstadt Krefeld ...
Stimmt. Das hält mich auf dem Boden.
Und im Hotel Ihres Mannes decken Sie auch mal die Frühstückstische der Gäste.
Ja, sicher. Ich verabschiede mich doch nicht aus dem Alltag, nur weil ich als Sängerin Erfolg habe.
Wie sieht Ihr Alltag denn aus?
Beruflich bin ich immer wieder im Studio, bastle an Songs. Und privat bin ich in meiner Großfamilie glücklich. Ich lebe mit 14 Personen unter einem Dach und finde es fantastisch, dass man sich gegenseitig auffängt. Außerdem liebe ich die Natur, arbeite gern im Garten, füttere und pflege unsere 27 Schweine, Schafe, Ziegen, Gänse.
Sie sind Rheinländerin, leben nun aber in Kleinaspach. Wie kommen Sie mit den Schwaben klar?
Die Schwaben sind stiller und zurückhaltender als die Rheinländer, aber sehr aufrichtig. Man kann sich voll und ganz auf sie verlassen. Das mag und schätze ich.
Über fünf Millionen Alben hat Andrea Berg verkauft. Ihr erstes Best-of-Album war über 332 Wochen in den deutschen Top 100. Das hat noch nie jemand vor ihr geschafft – nicht die Beatles, nicht Pink Floyd, nicht die Rolling Stones. Das Album wurde bis heute über 1,7 Millionen Mal verkauft. Andreas Sommer erwischte Deutschlands erfolgreichste Schlagersängerin in Wien am Telefon.
Was machen Sie in Wien, Frau Berg?
Andrea Berg: Ich bereite meine Konzerte in Wien und Salzburg vor, danach geht es nach Leipzig, also langweilig ist es mir nicht.
332 Wochen in den Top 100. Das sind mehr als sechs Jahre. Wie erklären Sie sich das?
Berg: Das ist Kontinuität. Ich bin permanent auf Konzerttour, drei, vier Mal im Monat mache ich richtig große Konzerte, das verbindet mich mit den Menschen. Meine Fans reisen mir hinterher, und ich kümmere mich sehr intensiv um sie. Und außerdem ist es auch gute Musik.
Ihr Tophit heißt „Du hast mich tausendmal belogen“. Schreiben Sie alle Lieder selbst?
Berg: Die Kompositionen sind seit dem ersten Ton von Eugen Römer. Schon über 17 Jahre arbeite ich mit ihm zusammen. Die Geschichten sind im Grunde aus dem Leben genommen. Ich habe „Du hast mich tausendmal belogen“ selbst geschrieben wie viele andere Lieder.
Bis Ihre Karriere 1992 begann, haben Sie als Arzthelferin gearbeitet. Wie kam die Musik in Ihr Leben?
Berg: Ich habe eigentlich immer Musik gemacht. Ich habe auch Eiskunstlaufen probiert, was ja auch sehr viel mit Musik und darstellender Kunst zu tun hat. Ich bin mit Bands rumgezogen und habe Tanzmusik gemacht. 1992 lernte ich Eugen Römer kennen und wir nahmen unser erstes Album auf.
Und von da an ging’s steil bergauf.
Berg: Ja, aber ganz gemütlich. So, dass man sich auch daran gewöhnen konnte. Und ich habe bis zur Geburt meiner Tochter Lena-Maria in meinem Beruf weitergearbeitet. Was sicher gut war, weil es mir für dieses Experiment in der Musikbranche Gelassenheit gegeben hat.
Mittlerweile sind Sie die erfolgreichste Sängerin in Deutschland. Wie lebt man denn mit so einem Attribut?
Berg: Ich kann ganz gut damit leben, weil ich mir denke, dass es etwas ist, was man nicht greifen kann. Es hat eine Dimension erreicht, wo man es nicht mehr fassen kann. Ich denke, das Gehirn macht genau das Richtige, wenn man sich nicht damit beschäftigt. Ich lebe ganz normal, bin Hausfrau und Mutter, kümmere mich um mein Hospiz in Krefeld und gehe drei Mal im Monat auf Konzerttour, ich bin im Studio, und es ist ein ganz normaler Beruf, ein ganz normaler Alltag. Meine Tochter geht ganz unbefangen damit um.
Sie pendeln also zwischen ihrer Geburtsstadt Krefeld und Kleinaspach, wo Sie leben.
Berg: Mein Studio ist ja auch in Köln. Auf der A 61 und der A 3 kenne ich mich schon ganz gut aus (lacht). Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich auch der Liebe wegen aus dem Rheinland weggehen konnte. Ich bin flexibel. Was ich mache, kann man von jedem Ort in Deutschland aus machen.
Sie betreuen Sterbende in Krefeld?
Berg: Wir haben das Sterbehaus zusammen mit der Stadt Krefeld vor über zehn Jahren in einem alten Kloster gegründet und betreuen dort sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg. Das ist ein sehr intensives Erlebnis für mich, was mir die Ehrfurcht vor dem Leben immer wieder klarmacht.
Welche Menschen mögen Ihre Musik?
Berg: Das Schöne ist, dass ich eine riesige Zielgruppe habe. Im Grunde genommen sind meine Konzerte Familienprogramm. Da kommen die Omas mit ihren Enkeln, da kommen die Teenager, wo ich auf dem Rucksack unterschreiben muss. Also es ist schon ein Phänomen, wenn da bis zu 10 000 Menschen in so eine Halle reinkommen. Es beginnt bei den Drei- oder Vierjährigen, die bei mir auf der Bühne sitzen. Und es geht bis zu den 80-Jährigen, die auch noch mitfiebern. Ich denke, es ist auch für jeden etwas dabei. Man kann richtig Party machen mit „Wenn du mich willst, dann küss mich doch“, und dann gibt es auch etwas für die Traurigen, meine Balladen.
Sie haben eine soziale Ader. Stimmt es, dass Sie nie mehr als 20 Euro für einen Stehplatz verlangen?
Berg: Meine Musik lebt von der Zwiesprache zwischen dem Publikum und mir. Eine Konzertkarte darf in dem Bereich, wo ich es steuern kann, nicht teurer sein, damit die Menschen sie sich leisten können, ein gutes Gefühl haben und dazu noch ein Bierchen oder eine Cola trinken können.
Sie sind mit einem Kleinaspacher Hotelier verheiratet und leben ja sehr abgeschottet, man liest wenig über Sie.
Berg: Ich lebe überhaupt nicht abgeschottet. Ich habe nur nicht so viel mit Medien zu tun. Ich bin mitten im Hotelbetrieb, im Service, ich zapfe Bier, spüle Gläser, kümmere mich um die Gäste. Das Schöne ist eben einfach, dass ich mir diese Freiheit nehmen kann. Das ist für mich ein Stück Lebensqualität.
Haben Sie denn schlechte Erfahrungen mit den Medien gemacht?
Berg: Ich mag nicht so gern in diesen Fokus, ich mag vor allem nicht, dass meine Familie da mit reingezogen wird, dass meine Tochter in irgendeiner Form darunter leidet. Und es geht ja auch anders. Ich bin die erfolgreichste Interpretin Deutschlands, ohne dass ich ständig in der Yellow Press stehe.
Schaut man sich Ihre Liedtitel an, kommt sehr oft das Wort Traum vor.
Berg: Träume sind das Wichtigste, Träume sind der Motor. Ich denke, viele Menschen lassen sich viel zu sehr fremdbestimmen. Letztendlich hat mir mein Bauch noch immer gesagt, was richtig ist. Ich versuche, die Träume rauszukitzeln, oder den Menschen zu sagen, hör doch mal in dich rein, was ist für dich tatsächlich wichtig. Da kommen wir auch wieder zurück zum Hospiz. Viele Menschen erkennen erst, was wichtig ist, wenn sie es verloren haben oder wenn es zu spät ist, weil sie unheilbar krank sind oder weil sie plötzlich ein nahestehender Mensch verlässt. Es geht darum, ein Bewusstsein zu entwickeln, was wichtig ist. Und das steckt auch in meiner Musik drin.
Sie tragen auf der Bühne gerne Miniröcke, Strapse und Stiefel. Nicht gerade ein zurückhaltendes Outfit.
Berg: In dieser Performance bin ich stark, da lebe ich die Musik, da kommuniziere ich mit den Zuhörern. Und es ist ein Ausdruck von Lebensfreude. Manchmal ist sicher auch ein wenig Infantilität im Spiel. Der Straps ist eine Hommage an Pippi Langstrumpf und ihre infantile Lebensfreude. Ein bisschen Provokation ist sicher auch dabei.
Was erwartet das Publikum beim Open Air am Samstag?
Berg: Das Open Air ist etwas ganz Besonderes. 11 000 Menschen kommen. Auf den Konzerten lade ich die Menschen zu mir nach Hause ein. Und die Fangemeinde aus ganz Europa pilgert herbei. Überall stehen Campingwagen, alle Hotels im Umkreis von 50 Kilometern sind ausgebucht. Ein Event, das als Sommerfest nachmittags beginnt. Da müssen alle da sein.
Info: Open Air im Aspacher Fautenhau am Samstag, 5. Juli, ab 16 Uhr. Die Mark-Fischer-Band und Fantasy heizen ein, ehe Andrea Berg gegen 21 Uhr auftritt. Danach Feuerwerk und Aftershow-Party. Karten: www.ferber-marketing.de oder Telefon 07148/37540.
Andrea Berg ist die erfolgreichste deutsche Sängerin. Ihr erstes Best-of-Album blieb 332 Wochen in den Charts. Das ist Rekord, das haben nicht einmal die Beatles oder Pink Floyd erreicht.
Am 5. Juni tritt Andrea Berg beim großen Open Air im Aspacher Fautenhau auf. Im Interview mit BKZ-Redakteurin Ingrid Knack spricht die Sängerin über Auszeichnungen, Rekorde und ihren Alltag in Kleinaspach.
Frau Berg, sind Sie ein Superstar?
Um Gottes Willen. Das hört sich zu sehr nach Glanz und Glamour an – nicht nach Andrea Berg.
Sie brechen Rekorde, räumen Preise ab und füllen große Hallen.
Aber deshalb bin ich trotzdem ein ganz normaler Mensch. Ich gehe wie alle anderen auch zum Bäcker, zum Metzger, in den Supermarkt.
Sie leben in Kleinaspach…
... und ich liebe es.
Warum?
Weil ich hier einfach auftanken und ich selbst sein kann.
Was fasziniert Sie so daran?
Schauen Sie sich doch nur mal um. Als ich hier das erste Mal damals aus meinem Hotelzimmer geblickt habe, habe ich nur gedacht: Wow, das ist Wahnsinn. Diese tolle Natur mit den Weinbergen, diese Idylle – das fasziniert mich auch heute noch jeden Tag aufs Neue. Ich empfinde es als großes Privileg, hier mit meiner Familie leben zu können.
Und wenn Sie dann zum Metzger oder Bäcker gehen, müssen Sie laufend Autogramme schreiben.
Nein, überhaupt nicht. Für die Aspacher bin ich nicht die Sängerin, sondern eine ganz normale Mitbürgerin. Das schätze ich sehr.
Sie sind bekannt dafür, nicht zu häufig in der Öffentlichkeit aufzutauchen.
Ich brauche das nicht unbedingt. Ich lebe gerne etwas zurückgezogener. So- bald ich eine Kamera sehe, werde ich fast schon panisch.
Am 24. Juni wird es sich nicht vermeiden lassen. Da bekommen Sie eine weitere Ehrung – den Bild Osgar.
Dafür lege ich meine Kamerascheu gerne ab. Weil dieser Preis nicht nur mit der Zahl meiner verkauften Alben zu tun hat.
Den Osgar erhalten Personen, die sich um Frieden, Freiheit und das Zusammenwachsen von Deutschland und Europa verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Michael Gorbatschow und der Dalai Lama.
Wie schon gesagt: Das ist eine große Ehre für mich – aber mit diesen zwei kann und will ich mich nun wirklich nicht vergleichen.
Am 5. Juni werden die Aspacher im Fautenhau eine weniger zurückhaltende Andrea Berg erleben. Eine, die auf der Bühne im Fautenhau über 12 000 Zuschauer mitreißen wird.
Hoffen wir das Beste. Wissen Sie, auch wenn es sich vielleicht wie eine Phrase anhört: Für mich ist dieser Auftritt tatsächlich etwas ganz Besonderes.
Sie sind es doch gewohnt, vor so vielen Menschen aufzutreten.
Das ist trotzdem etwas anderes. Aspach ist meine Heimat. Dieses Konzert ist für mich wie eine Feier mit ganz vielen Freunden. Wenn ich nur an die Stimmung im vergangenen Jahr denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut. Das war eine fantastische Atmosphäre.
Dieses Jahr kommen Sie als Rekordhalterin auf die Bühne. Ihr erstes Best-of-Album war 332 Wochen in den Top 100 – das hat noch niemand vor Ihnen geschafft. Auch die Beatles nicht.
Das ist mir manchmal schon selbst fast unheimlich. Das macht mich stolz, aber nicht bequem. Man sollte nie das Gefühl haben, es geschafft zu haben. Aber soll ich Ihnen etwas verraten?
Bitte.
Rekorde und Preise sind schön. Aber das Wichtigste im Leben ist, Menschen zu begegnen, ihnen zuzuhören und sie anzunehmen, wie sie sind. Und für mich ist es zusätzlich etwas Besonderes, wenn ich merke, dass ich die Menschen mit meiner Musik erreiche. Dass ich sie trösten oder ein kleines bisschen glücklich machen kann. Wenn mein Konzert zu Ende ist, und die Fans ein wenig glücklicher sind als zu Beginn meines Auftritts – dann bin ich richtig stolz
Tausende Besucher am Wochenende zum Rudolstädter Altstadtfest erwartet
Rudolstadt (OTZ/H.E.). Nein, mit dem Privatjet wird Schlagerstar Andrea Berg am Sonnabend zum Konzert auf dem Rudolstädter Markt nicht einfliegen. Sie kommt direkt von einem Auftritt in Ilsenburg im Harz und wird im Pkw chauffiert vom Onkel. Ihr zweistündiges Live-Konzert, der einzige Open-Air-Auftritt in dieser Saison, ist der Höhepunkt des diesjährigen Rudolstädter Altstadtfestes. Und mit jetzt schon knapp 6000 verkauften Karten wird es auch eines der bestbesuchtesten in der 16-jährigen Geschichte des Festes. Begleitet wird ihr Auftritt von einem großen überregionalen Medieninteresse.
Eröffnet wird das Fest am Freitagabend mit einem Konzert vom Duo "Cora", die mit ihrem Hit "Amsterdam" gerade 25-jähriges Jubiläum feiern. Anschließend spielt "Silly" mit neuer Sängerin Anna Loos, die voraussichtlich ihre im März geborene Tochter mitbringt, gewiss auch die alten Hits von "Mont Klamott" bis "Bataillon d"Amour". Karten für die Konzerte gibt es noch in den OTZ-Geschäftsstellen in Rudolstadt und Saalfeld.
Neben den musikalischen Highlights lebt das Altstadtfest wieder von einem umfangreiches Rahmenprogramm unter anderem mit Auftritten des Polizeimusikcorps Thüringen, des Folkloretanzensembles und einem Tag der Sicherheit am Sonnabend, mit Tanzwettbewerb, Kinderfest, offenen Geschäften und 17. Thüringer Wandertag am Sonntag.
„Wolle“ Petry über „Hölle, Hölle, Hölle“, Jürgen Drews und sein Bett im Kornfeld, das „rote Pferd“ - der deutsche Schlager war nicht immer ein wenig oberflächlich und manchmal peinlich. Das beweist die Ausstellung „Melodien für Millionen. Das Jahrhundert des Schlagers“, die ab heute das Haus der Geschichte in Bonn präsentiert.
Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, schmettert die tiefe Stimme Zarah Leanders. Es gibt kaum jemanden, der dieses Lied nicht kennt. Viele verbinden es mit einer hoffnungsvollen oder sehnsüchtigen Stimmung. Doch erst im Bonner Haus der Geschichte wird vielen Besuchern klar, was es mit diesem Lied aus dem Film „Die große Liebe“ ursprünglich auf sich hatte: Die Nationalsozialisten bedienten sich dieses und anderer Schlager, um vom Kriegsgeschehen abzulenken.
„Der Schlager ist nicht so oberflächlich, wie wir dachten“, sagt der Leiter des Hauses der Geschichte, Hans Walter Hütter. „Oft steckt eine tiefe Bedeutung dahinter, die politische und soziale Entwicklungen widerspiegelt.“ Grund genug, um diesem Musik-Genre eine Ausstellung zu widmen.
„Der Schlager atmet Zeitgeist. Er ist ein Seismograf für das politische und gesellschaftliche Leben“, sagt Hütter. Das lässt sich in der Ausstellung nicht nur sehen, sondern vor allem auch hören. An Plattentischen mit virtuellen Covern können die Besucher insgesamt 800 Schlager von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart auswählen und anhören. Die Ausstellungsmacher haben sie teilweise in mühevoller Kleinarbeit und mit Hilfe von Sammlern zusammengetragen. Im Museumskino sind Ausschnitte ausgewählter Musikfilme zu sehen.
Insgesamt 1.500 Exponate Die Ausstellung präsentiert die Entwicklung des Schlagers auf Bühnen, die für bestimmte Zeitabschnitte stehen. Auf der Vorderseite können die Besucher die Schlager der jeweiligen Zeit anhören. Insgesamt 1.500 Exponate geben einen Eindruck vom Stil und Lebensgefühl der jeweiligen Epoche, darunter der gläserne Flügel von Udo Jürgens, Bühnenbekleidung von Zarah Leander oder die Gitarre von Grand-Prix-Siegerin Nicole. Die Glamourwelt der Schlagerstars wird eingebettet in den gesellschaftlichen und politischen Kontext ein, der auf der Rückseite der einzelnen Bühnen dokumentiert wird.
„Die Ausstellung bietet einen Gang durch die Geschichte und veranschaulicht dabei die Wechselwirkung von Gesellschaft, Kommerz und Schlager“, erklärt der Historiker und Projektleiter Hanno Sowade. Den Anfang der Ausstellung macht die Entstehung der Schlager in der Zeit der Weimarer Republik. Die Erfindung des Grammofons und des Radios machen die Verbreitung populärer Lieder erst möglich. Schlager wie das „Glühwürmchen-Idyll“ oder das „Gauner-Duett“ machten die Runde. Die Nationalsozialisten machten sich die Popularität von Schlagerstars wie Zarah Leander, Hans Albers oder Ilse Werner zunutze, um die Bevölkerung auch in Kriegszeiten bei Laune zu halten.
Eine eigene Bühne ist dem Schlager in der DDR gewidmet. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt sich die populäre Musik in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich. Die SED versucht, die Schlager aus dem Westen zurückzudrängen, und eigene Stars aufzubauen. Der Erfolg blieb mäßig. Die DDR-Bürger bevorzugten die Musik aus der Bundesrepublik.
Die Blütezeit des Schlagers - die 70er Jahre Besondere Aufmerksamkeit widmet die Ausstellung der Blütezeit des Schlagers, den 70er Jahren. Dafür wurde eigens eine begehbare Zuschauertribüne gebaut, die den Kulissen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck nachempfunden wurde. Auf vier Bildschirmen können die Besucher ausgewählte Ausschnitte aus der Kultsendung des deutschen Schlagers verfolgen, wie zum Beispiel Juliane Werding mit „Am Tag als Conny Kramer starb“, oder Christian Anders' „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“.
„Schlager sind etwas, was nahezu jeden Menschen anspricht“, stellt Hütter fest. Ein Indiz dafür ist das Revival des Schlagers in den 90er Jahren mit Stars wie Guildo Horn oder Dieter Thomas Kuhn. Aktuelle Ausschnitte aus Konzerten von Udo Jürgens, Andrea Berg oder Wolfgang Petry zeigen am Ende der Ausstellung, dass der Schlager bis heute lebt. Denn, so ist zu sehen, im Publikum sitzen nicht nur ältere Menschen, sondern auch Jugendliche oder Kinder.
Und auch die Besucher der Ausstellung haben ihre Hits. Das lässt sich an einer elektronischen Chart-Liste am Ausgang verfolgen. Dort wird angezeigt, welche Titel an den digitalen Plattentischen am häufigsten abgespielt werden.
Die Ausstellung ist von Freitag an bis zum 5. Oktober immer dienstags bis sonntags von 9 bis 19 Uhr geöffnet.
(Claudia Rometsch / epd)
Die große MDR 1 Radio Sachsen Schlager-Starparade 2008
Nach den überwältigenden Erfolgen der letzten zwölf Jahre in den größten Hallen Deutschlands kommt am 18. Mai 2008 mit fernsehreifer Bühne wieder in die Arena Leipzig. Bislang erlebten über 750.000 Besucher ihre Lieblingsstars hautnah. Auch in diesem Jahr wird wieder ein Top-Programm geboten.
Jeder Künstler präsentiert quasi ein "Konzert im Konzert". Dieses Konzept lieben die Schlagerfans, denn wo sonst bekommen sie alle ihre Lieblingshits von so vielen verschiedenen Interpreten an einem einzigen Tag live geboten? Sowohl die Interpreten, als auch die zahlreichen Stammgäste, freuen sich auf sechs Stunden Schlager und Evergreens, sechs Stunden Urlaub vom Alltag, sechs Stunden nette Party-Atmosphäre.
Zehn der bekanntesten und beliebtesten Interpreten bzw. Gruppen haben sich zum größten Hallenschlagerfestival Sachsens angesagt. Nur die Besten sind dabei, denn es wird ausschließlich live gesungen. Die "Top Ten" wird angeführt von Deutschlands Schlager-Ikone Nummer Eins, Andrea Berg, die erfolgreicher ist als Pink Floyd und die Beatles, und Österreichs Schlager-Titan DJ Ötzi, der kürzlich mit zwei ECHO-Preisen ausgezeichnet wurde. DJ Ötzis Landsmann, Hitpartner und ebenfalls frisch gebackner ECHO-Gewinner Nik P. kommt auch, und so können sich alle auf das Original des Superhits "Einen Stern" freuen.
Außerdem mit dabei sind die Balladen-Brüder Brunner & Brunner, Münchens Sonnyboy Patrick Lindner und der Mann mit dem meist gecoverten Ost-Hit, Gerd Christian. Als Interpreten mit hohem Party- und Flirtfaktor sorgen Bernhard Brink, Andreas Martin und Cordalis für die richtige Stimmung im Schlagerrund. Optisch und musikalisch abgerundet wird die Star-Besetzung durch die Powerfrauen Mary Roos und Claudia Jung, die quirlige Ireen Sheer und den jüngsten Stern am Schlagerhimmel, Helene Fischer.
Heike Leschner von MDR 1 Radio Sachsen moderiert die Mega-Party.
Das Marathon- Hitfeuerwerk startet um 15 Uhr. Einlass ist um 14 Uhr, das Ende ist für ca. 21 Uhr geplant.
Für das leibliche Wohl sorgt eine große Anzahl von Getränke- und Imbissständen. Für beste Sicht von allen Plätzen sorgt eine Riesen Video-Leinwand.
Karten für den musikalischen Familientag gibt es schon ab 28,50 € (Party-Innenraum). Sitzplatzkarten kosten zwischen 39,50 € und 59,50 €, telefonisch zu bestellen unter: 0341/2341100 und 01805/570000* (*€ 0,14 je Min., Mobilfunkpreise können abweichen) sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.
In den nächsten Wochen reiht sich im thüringischen Rudolstadt ein Event an das andere.
Touristen und Einheimische werden zu zahlreichen verschiedensten Veranstaltungen erwartet.
So wird beispielsweise am 17. Mai 2008 auf der Heidecksburg "mit Pauken und Trompeten" ein Barockfest gefeiert.
Am Sonntag, den 18. Mai zum Tag der Archive gibt es Veranstaltungen und Sonderführungen durch das Thüringer Staatsarchiv auf der Heidecksburg und die Historische Bibliothek im Alten Rathaus zu Rudolstadt. Eine Ausstellung zu historischen Reisebeschreibungen aus dem 15.-19. Jahrhundert wird in der Historischen Bibliothek eröffnet (zu sehen bis 27.06.2008). Vom 23. bis 25. Mai findet das Rudolstädter Altstadtfest statt, u.a. mit Konzerten von Silly und Andrea Berg. Am 25. Mai wird auch der 17. Thüringer Wandertag in Rudolstadt eröffnet.
Dies sind nur einige Highlights. Natürlich gibt es noch viele weitere kulturell-touristische Ereignisse in Rudolstadt und Umgebung. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auch wer im Thüringer Schiefergebirge oder/und im Saaletal einfach "nur" relaxen oder sich Landschaft und Sehenswürdigkeiten anschauen möchte, ist hier in Rudolstadt zu jeder Zeit genau richtig und herzlich willkommen.
Aspach (pm) – Wer die Kreisstraße1829 zwischen Hohrot und Allmersbach am Weinberg befährt, wundert sich mitunter. Vor allem die Allmersbacher sind verärgert. Das Landratsamt hatte die Straße im Jahr 2007 mit einigem Aufwand saniert, und doch präsentiert sich die K1829 in einem schlechten Zustand. „Die Fahrbahn stellt sich teilweise als holprige Waschbrettpiste dar, in vielen Bereichen ist der neu aufgebrachte Belag ausgebrochen“, so Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner in einer Pressemitteilung. Dieser Zustand sei insbesondere für Zweiradfahrer bei feuchter Witterung sehr gefährlich.
In einem Schreiben an Landrat Johannes Fuchs erinnert Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner an die Zusage des Landratsamtes, die Straße umgehend in einen verkehrssicheren Zustand zu versetzen. Denn einerseits würden derzeit viele unwichtigere Kreisstraßen saniert, während sich die Aspacher Bevölkerung und tausende von Besuchern im Fautenhau über die desolate Kreisstraße ärgerten.
Zudem sei – entgegen der verkehrlichen Notwendigkeit – im Bereich des Freizeitgeländes Fautenhau der Geh- und Radweg als Ausweichs- und Parkierungsfläche ausgebaut worden. Weinbrenner weist noch darauf hin, dass am 5.Juli im Fautenhau über 12000 Besucher zum Open Air von Andrea Berg erwartet werden. Und es könne nicht sein, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Straße nicht saniert worden sei.
VfB-Stürmer Mario Gomez ist ein Star – benimmt sich aber nicht so
Stuttgart - Der junge Mann macht durchaus den Eindruck, als sei er auf der Höhe der Zeit. Das Auto, ein getunter Mercedes CLS: wirklich nett. Die schwarze Lederjacke: fesch. Schuhe, T-Shirt und Jeans zeigen zudem: Der Mann ist stilsicher. Und er weiß, was angesagt ist. Womöglich auch in Sachen Musik. Also, Herr Gomez, was hört man denn so? Die Antwort überrascht: "Andrea Berg."
Mario Gomez grinst. Die Runde lacht. Der Witz ist angekommen. Andrea Berg singt deutschen Schlager – und der Fußballer, 22 Jahre jung, steht nicht wirklich im Verdacht, ihre CD-Kollektion im Wechsler liegen zu haben. Also klärt er auf: "Das ist die Frau meines Beraters Uli Ferber."
Es ist kurz nach zwölf am Dienstagmittag – und Mario Gomez hat sich längst akklimatisiert in der Redaktionsrunde unserer Zeitung, die ihm anfangs ein wenig bedrohlich erscheint. 33 fragende Augenpaare, alle auf einen gerichtet. Auf ihn, den Star des VfB. Grund zur Blockade? Von wegen. Nicht abwehrend, nicht defensiv, sondern offen, vertrauensbildend präsentiert sich Gomez. Er betritt den Raum und begrüßt die Gastgeber einzeln und mit einem festen Händedruck, dann nimmt er Platz. Die Freundlichkeit ist ausgesandt, nun lässt er aber zumindest Vorsicht walten: Die Arme verschränkt er vor der Brust – wer weiß, was kommt?
Es kommt das, was Gomez mittlerweile gewohnt ist. Fragen, Antworten, Neugier. Doch es geht an diesem Vormittag um mehr als um verlorene Spiele oder erzielte Tore. Es geht um Mario Gomez, den Menschen. Um einen, dem Experten nachsagen, er sei mindestens 35 Millionen Euro wert. Um einen, der in jungen Jahren viel Geld verdient. Und um einen, der trotz allem nicht überdreht wirkt.
"Man darf das alles nicht zu hoch hängen," sagt er. Das ist kein Appell an die Außenwelt, es ist seine innere Überzeugung. Natürlich weiß er, dass er sich unterscheidet von anderen 22-Jährigen. "Für mein Alter verdiene ich viel Geld", räumt er ein – und unternimmt erst gar nicht den Versuch, das herunterzuspielen. Er erzählt lieber, dass er sich auch mal das leistet, was ihm gefällt. Doch er betont: Der maßlose Umgang mit dem, was sein Konto bereichert, ist ihm fremd. "Natürlich schaue ich beim Einkaufen auf den Preis", sagt er, "wer das nicht macht, hat keinen Bezug zum Geld." Gomez hat ihn. Er hat ihn mitbekommen. Von den Eltern. "Gott sei Dank."
Das Elternhaus im oberschwäbischen Unlingen, die Ursprünge der zuletzt so steilen Karriere – immer wieder dient es auch VfB-Trainer Armin Veh als Argument, wenn er beschreiben soll, wie seine Jungstars den rasanten Aufstieg denn so wegstecken. "Das sind gute Jungs", sagt der Coach dann über Tasci, Khedira und eben Gomez, "die haben alle ein intaktes Umfeld." Ein gutes Elternhaus eben. Das hilft auch Mario Gomez. In der eigenen Einschätzung – und in der Einordnung seiner Bezüge. "Mein Vater", erzählt er, "sagt mir oft genug, wie schwer er sein Geld verdient." Pepe Gomez, ein Spanier, führt ein Malergeschäft.
Sein Sohn gilt als vielleicht größtes Talent des deutschen Fußballs. Oder auch schon ein wenig mehr. Gomez’ Lebenslauf jedenfalls spricht dafür. Champions-League-Debüt mit 18, erstes Bundesligator mit 20, Nationalspieler und Deutscher Meister mit 21. Die Entwicklung rasant zu nennen, wäre untertrieben. Und die Sorge, hier könne ein junger Mann überfordert sein, ist berechtigt. Bei Gomez scheint sie aber unbegründet. Der Angreifer wirkt reif – und begegnet dieser überdrehten Branche angenehm unaufgeregt. "Ich bin", sagt er, "der gleiche Mensch geblieben." Das sagen viele, Gomez nimmt man es ab.
Seit er in der Nationalmannschaft Tore schießt, erzählt der Stürmer, würden ihn auch Leute erkennen, die sich sonst nichts aus Fußball machen. Aber auch das verändere sein Leben nicht. "Mein Freundeskreis besteht seit zehn oder 15 Jahren", sagt er, "die sind quasi mitgewachsen." Und sorgsam ausgesucht.
So sorgsam lauscht er auch den Fragen, die nicht abebben. Die Runde hat Spaß, Gomez auch. Zumindest der Körpersprache nach. Die verschränkten Arme haben sich längst gelöst, er hat es sich bequem gemacht. Wobei: Bequem ist bei einem wie ihm wohl das falsche Wort. Gut, Talent hat er schon immer gehabt, damals in Unlingen, dann beim FV Bad Saulgau und auch später in Ulm. Doch was folgte, war harte Arbeit. "Mit 14, 15 Jahren, das ist die entscheidende Zeit", findet Gomez. Da zeigt sich, ob es einer packt. Ob einen die Tücken der Pubertät vom Weg abbringen, oder ob die Doppelbelastung aus Schule und Sport Erfolg nach sich zieht. "Keine einfache Zeit", erinnert sich Gomez an die Tage, als er zunächst die Linden-Realschule, später dann das Cotta-Wirtschaftsgymnasium besucht: "Morgens musst du im Kopf frisch sein, abends in den Beinen." Gomez hat beides hinbekommen.
Vor allem die Sache mit dem Kopf zeichnet ihn aus. Keine Frage, auf die er keine Antwort wüsste, keine Falle, die er nicht zu umschiffen weiß. Welcher Verein denn den besten Fußball spiele, will einer wissen. Gomez Antwort: "Jeder Verein, den ich jetzt nenne, wird als mein künftiger Club genannt." Ach ja, die Wechselgerüchte. Gomez, so sagen die Experten, werde demnächst zu groß für seinen Club, den VfB. Ein Verein, der stets um seine Rolle im Führungszirkel der Bundesliga kämpft, könne nicht die Zukunft des potenziellen Angreifers im Weltformat sein. Also: Wann und wohin? Erstmal nirgendwohin. "Ehrlich", sagt Gomez, "ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht." Zumindest keine konkreten. Doch klar ist: "Irgendwann will ich ein neues Land, eine neue Liga kennenlernen." Der Zeitpunkt sei offen – und derzeit uninteressant. Es gebe doch gerade so viel anderes zu tun.
Mit dem VfB, derzeit Sechster, hat er die Champions League noch fest im Blick, Platz fünf soll es mindestens werden. Das ist ihm wichtig, schließlich sei er mitverantwortlich, sollte es mit dem Uefa-Cup nichts werden ("Dann habe ich zu wenig Tore geschossen"). Und dann ist da ja noch dieses nicht gerade unbedeutende Ereignis im Juni. "Die EM wird mein erstes großes Turnier", sagt Gomez voller Vorfreude. Bundestrainer Joachim Löw hat ihm die Teilnahme praktisch zugesichert, eine Führungsrolle scheint reserviert. Doch Gomez hält es auch hier wie im übrigen Leben: Sich selbst will er nicht zu wichtig nehmen: "Das Wichtigste ist, dass wir Europameister werden."
Europameister – und damit noch bekannter. Noch begehrter. Noch mehr in der Rolle des Idols. Das Gespräch neigt sich dem Ende zu, als die Vorbildfunktion von Profi-Fußballern zum Thema wird. Und – die Runde ahnt es zu diesem Zeitpunkt längst – auch dieser Verantwortung ist sich Mario Gomez bewusst. "Ich weiß, dass ich Kinder und Jugendliche besonders anspreche", sagt der 22-Jährige, der vor gar nicht allzu langer zeit selbst noch Idole hatte. Also bedauert er auch die verbale Entgleisung, als er den KSC-Abwehrspieler Maik Franz beleidigt hatte. "Der Sohn von unserem Co-Trainer meinte: Wenn der das darf, dann darf ich das auch." Darf er aber nicht. Also hat sich Gomez entschuldigt.
Denn er ist einer mit Anstand, mit gutem Benehmen, mit Stil. Das ist geklärt, als Mario Gomez um kurz nach halb eins den Raum verlässt. Ungeklärt bleibt nur eines: die Sache mit dem Musikgeschmack.